Das Naturschutzgroßprojekt Lik-Nord besteht seit 10 Jahren.

10 Jahre Lik-Nord im Kreis Neunkirchen : Blühende Landschaften statt Brache

Die Lik-Nord, ein Naturschutzgroßprojekt, wurde vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben. Es war das erste im dicht besiedelten Raum.

Die Herkules-Aufgabe, Industriebrachen, Schlammweiher und Halden des Steinkohlebergbaus, eben die Hinterlassenschaften der montanen Vergangenheit, in blühende Landschaften zu verwandeln, zu naturnahen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen werden zu lassen, nicht zuletzt, für Menschen, darum bemüht sich erfolgreich der Zweckverband Landschaft der Industriekultur Nord im Saarland (Lik-Nord). Jetzt  hat der Zweckverband mit rund 100 Gästen das zehnjährige Bestehen gefeiert. Das Projekt wird mit insgesamt 9,6 Millionen Euro durch das Bundesumweltministerium im Programm „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ gefördert. Und dieses Programm feiert heuer  40-jähriges Bestehen, beide Jubiläen wurden am Freitag im Verlesesaal der früheren Bergwerks Reden begangen.

„Unter unseren 80 Naturschutzgroßprojekten ist Lik-Nord etwas ganz Besonderes: Es war bei seinem Start 2009 das erste Naturschutzgroßprojekt im dicht besiedelten Raum und das einzige mit dem expliziten Ziel, einer von starkem Strukturwandel geprägten, urban-industriellen Landschaft mithilfe des Naturschutzes zukunftsfähige Perspektiven zu eröffnen“, sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Professorin Beate Jessel. In ihrem Grußwort würdigte sie die Arbeit aller Beteiligten: „In Zusammenarbeit von Ehrenamt und Hauptamt, mit Unterstützung von Kommunen, Land und Bund wird hier vor Ort nicht nur für den Naturschutz, sondern gerade auch für die Region und die Bevölkerung Großes erreicht.“

Mit der Bewilligung dieses Naturschutzgroßvorhabens sei es erstmalig gelungen, so der saarländische Umweltminister Reinhold Jost, ehemals bergbaulich und industriell genutzte Flächen im Sinne des Naturschutzes quasi neu zu erfinden und weiter zu entwickeln. Damit werde dieses Projekt aus der Reihe sonstiger Naturschutzgroßprojekte des Bundes deutlich hervorgehoben. Es passe exakt in das Saarland mit seiner wechselvollen bergbaulichen und industriellen Geschichte. „Wir wollen dieses Erbe aus Bergbau und Stahlgewinnung in eine neue Zukunft führen“, so der saarländische Umweltminister.

Seit 2015 seien in den vier unterschiedlichen Landschaftslaboren bereits umfangreiche Investitionen im Grunderwerb und zur Förderung der Artenvielfalt und der Besucherinformation unternommen worden, sagte der Zweckverbandsvorstand, Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer. Unter anderem wurden nicht mehr benötigte Bauten, etwa im Fahrbachtal, entfernt, Teiche und Wiesen renaturiert sowie Wanderwege und Beobachtungsplattformen angelegt, so Maurer weiter.

Bei dem Projektgebiet Lik-Nord im mittleren Saarland handele es sich um eine typische Bergbaufolgelandschaft. Kleinteilig, dicht besiedelt und von Verkehrswegen zerschnitten, so die Informationen der Lik-Nord. Die Landschaft zeichne sich durch ein Mosaik spezialisierter Lebensräume aus. Insgesamt kämen hier nahezu 100 Rote-Liste-Arten vor. Der Niedergang von Bergbau und Schwerindustrie habe viele alte Strukturen in der Region tiefgreifend verändert. Das Bundesumweltministerium fördert das Vorhaben seit 2009 und noch bis 2024 mit 9,6 Millionen Euro.

In einer ersten Projektphase hatte der Träger der Maßnahme, so berichtete Uli Heintz, Projektleiter der ersten Stunde, einen umfassenden Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. In der anschließenden zweiten Phase gehe es jetzt um die Umsetzung konkreter Maßnahmen. Er nannte an dieser Stelle zum Beispiel die Entwicklung einer großflächigen Weidelandschaft im Umfeld eines Schlammweihers bei Merchweiler, die Reaktivierung der für das Saarland typischen Streuobstwiesen, den Umbau von Nadelholzbeständen in lichte Laubwälder sowie die Renaturierung von zwei Bächen. Außerdem sollen Natur- und Landschaftsführer ausgebildet werden, die Exkursionen anbieten. Mit dem Programm „chance.natur“ verfolge die Bundesregierung seit 40 Jahren das Ziel, so Professorin Beate Jessel, die herausragenden repräsentativen Landschaften Deutschlands zu erhalten und zu sichern. Bislang seien 80 Naturschutzgroßprojekte mit einer Gesamtfläche von mehr als 3700 Quadratkilometern gefördert worden. 65 davon sind abgeschlossen, 15 laufen noch. Dafür habe der Bund seit 1979 rund 500 Millionen Euro bereitgestellt.

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