Das Musical „Rocky Horror Show“ läuft in Neunkirchen

„Rocky Horror Show“ in Neunkirchen : Ein schriller Trip durchs Gruselschloss

Mit über 20 Millionen Besuchern gilt Richard O’Brien’s „Rocky Horror Show“ als das erfolgreichste Musical aller Zeiten. Ab heute läuft es in Neunkirchen.

Damen und Herren in Strapsen, Lack- und Ledercorsagen sind in der Neunkircher Gebläsehalle bei der Preview zur „Rocky Horror Show“ abseits der Bühne rar gesät. Noa Göttsches und ihr Vater Jürgen Scheib sind dafür ein echter Hingucker mit den schwarzen Netzstrümpfen, Hotpants und Plateauschuhen. „Schade, dass nicht mehr so angezogen gekommen sind“, finden beide. Jürgen Scheib trägt Frank‘ n Furter-Look mit – Respekt! – locker zehn Zentimeter hohen High Heels in Größe 46. Die seien aus einem Travestieshop in Köln, erklärt Scheib. Tochter Noa sieht die Show live zum ersten Mal, den Film hat sie natürlich schon mehrfach gesehen. „Die Musik ist einfach super – und die schrägen Outfits.“ Deshalb war es für sie natürlich Ehrensache, sich entsprechend in Schale zu werfen.

Der Großteil des Publikums bei der Preview zur „Rocky Horror Show“ bewegt sich kleidungsmäßig im Spektrum zwischen gemäßigtem Chic, gepflegtem Rocker-Outfit und Funktionsjacke. Letztere ist dem Regen draußen geschuldet – der ist immerhin höchst passend zur Geschichte. Schließlich klopft ja auch das frisch verlobte Pärchen Brad (Jan Schuba) und Janet (bei der Preview gespielt von Marie-Louise van Kisfeld) im strömenden Regen nach einer Autopanne an die Tür des Gruselschlosses. Und gerät daraufhin mitten in die Soiree des transsilvanischen Hausherrn Frank‘ n Furter (Andreas Wolfram), der gerade dabei ist, mit seiner Dienerschar an Gruselgestalten einen künstlichen Menschen zu erschaffen.

45 Jahre ist es her, da eroberte Rocky Horror die Theaterbühnen und Kinosäle. Und in der ganzen Welt blühte der Kult: Man kam im entsprechenden Outfit und geschminkt in die Shows, warf Reis bei der Hochzeitsszene, und sang in voller Lautstärke die Songs mit, von „Science Fiction, Double Feature“ über „Hoot Patootie“ bis „Time Warp“. Die zur Schau gestellte Reizwäsche-Kollektion und die etwas drastischeren Szenen dürften heute, in Zeiten von „Shades of Grey“, „The Walking Dead“ und „Game of Thrones“ eher weniger schockieren. Die schräge Mischung aus Travestieshow und Gruselfilmparodie lebt auch davon, dass das Publikum ein Teil der Show ist. Und das funktioniert damals wie heute. „Sie sind ja unser Testpublikum heute“, erklärt Produzent und Conférencier Michael Rennig zu Beginn der Preview den gut 400 Besuchern und weist auf die korrekte Benutzung des Fan-Kits hin. Stichwort: Die Wasserpistolen vor der Show bitte auch mit Wasser befüllen. Sonst bleibt das Ganze eine ziemlich trockene Baustelle. Die passenden Accessoires finden sich in einer käuflich zu erwerbenden Stofftasche mit Logo: eine Ratsche, eine Wasserpistole, Gummihandschuhe, ein Kartenspiel, Knicklichter, Konfetti – und ein „Beipackzettel“, wann und wie die entsprechenden Artikel einzusetzen sind. Und ja, man dürfe natürlich auch eigenes Equipment mitbringen, erklärt Rennig im Hinblick auf die kommenden Shows, allerdings bitte keine Wasserpistolen in Pumpgun-Größe („Nerfs“), weil da einfach zuviel Druck dahinter sei.

Das Testpublikum am Dienstag schlägt sich ziemlich gut – es wirft Konfetti bei der Hochzeitsszene, schwenkt Knicklichter bei „There’s a Light“ und spritzt Wasser bei der Autopanne im Regen. Auch ohne entsprechende Ausrüstung geht die Post ab: Die Songs sind immer noch grandios, also mitsingen, mitklatschen, und wie ging nochmal der Time-Warp-Tanz? „It’s just a jump to the left, and then a step to the riiiiggghhht” – genau. „Die machen das echt gut”, freut sich Rennig in der Pause, „super, dass das so gut läuft“. Schließlich hat er und der Rest der Truppe ja mehrere Wochen im Ausnahmezustand hinter sich. „Wir haben noch einen Arbeitstag für den Feinschliff“, meint er, an diesem Donnerstag ist Premiere. Allzuviel zu schleifen gibt es wohl nicht mehr, ein paar Textstolperer und Gesangswackler, aber die Tänzer sind synchron, die Technik passt, die Show läuft.

Entsprechend erhebt sich zum Finale das Test-Publikum wie ein Mann von den Sitzen, spendet minutenlangen Applaus. Und am Ende steht die Erkenntnis, dass auf dem Beipackzettel des Musicals eines fehlt: „Risiken und Nebenwirkungen: Konfetti im Haar, unwillkürliche Tanzschritte und unkontrollierte Hüftbewegungen, zum Teil tagelang massive Ohrwürmer.“ Also: Netzstrümpfe auspacken, Wasserpistole auffüllen, „Let’s do the Time Warp again“!

Premiere ist am Donnerstag, 23. Mai, 20 Uhr, in der Gebläsehalle Neunkirchen. 14 weitere Termine bis einschließlich Sonntag, 23. Juni. Infos und Tickets
www.ticket-regional.de
rocky-horror.saarland

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