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Das Hüttenarbeiter-Porträt von Hendrik Beikirch in Neunkirchen ist schon fertig

Kunst in der Stadt : Viel Beifall für das Neunkircher Beikirch-Bild

Die offizielle Präsentation des Kunstwerkes ist am Freitag um 11 Uhr. Das von Hendrik Beikirch geschaffene Riesenporträt eines Neunkircher Hüttenarbeiters ist aber bereits fertig und zieht die Blicke auf sich.

Es ist nicht zu übersehen: An der Ecke Bahnhofstraße/Wellesweilerstraße in der Neunkircher Unterstadt prangt auf einer 15 Meter hohen Hauswand formatfüllend das Gesicht des ehemaligen Hüttenarbeiters Bodo Lutze aus dem Stadtteil Hangard. Hendrik Beikirch, renommierter Street-Art-Künstler aus Koblenz (siehe „Info“), hat es in überraschend kurzer Zeit vom Korb eines Hubsteigers auf die mehr als 200 Quadratmeter große Fläche gepinselt und gesprayt. Erst am vergangenen Freitag hat Beikirch mit der Arbeit begonnen und eigentlich eine ganze Woche dafür veranschlagt. „Das Wetter war okay, alles hat prima geklappt“, resümierte der Künstler am Dienstag vor seinem Werk. Er ist zufrieden, hat gerne in Neunkirchen gearbeitet, wo man ihn und seine Gestaltungsidee mit offenen Armen empfangen hat, nachdem er mit dem monumentalen Hüttenarbeiter-Porträt in Völklingen abgeblitzt war (die SZ berichtete). Dank der Chefin des Neunkircher Kreativzentrums Kutscherhaus, Edda Petri, kam der Kontakt mit dem Neunkircher Rathaus zustande. Dort war man gleich Feuer und Flamme für Beikirchs Beitrag zur Aufwertung des Stadtbildes, verbunden mit einem Stück Erinnerungskultur.

Während des Gesprächs der SZ mit dem Künstler bleiben Passanten stehen, zücken das Handy und fotografieren die Wand und geben gerne zu Protokoll, wie sie zu dem neuen Neunkircher Hingucker stehen. „Genial“, sagt beispielsweise Josef Peiffer. 1955 in Neunkirchen geboren, erinnert er sich an die Zeiten als das Neunkircher Eisenwerk noch voll unter Dampf stand. „Da gab es in der Bahnhofstraße bestimmt zehn Kneipen, da haben die Hüttenleute ihre Frikadelle gegessen und ein Bierchen getrunken“, weiß er um diese Facette der Arbeiterkultur. Daher ist für ihn auch der Standort sehr passend. Edelgard Schaum zeigt sich gegenüber der SZ „hochbeglückt“. Als bekennender Urban-Art-Fan kann sie sich für die Arbeit Beikirchs begeistern. Davon dürfte es in Neunkirchen gerne mehr geben. „Ich habe nur positive Reaktionen auf das Wandbild wahrgenommen“, sagt Willi Schwender, der lange Jahre im Stadtrat Neunkirchen wirkte. Das Kunstwerk komme bei den Leuten gut an, ist er überzeugt. Zu den Beikirch-Begeisterten zählt übrigens auch der Neunkircher Landrat Sören Meng (SPD). „Das ist gut für den Kreis“, sagt der Bürger des Neunkircher Stadtteils Wiebelskirchen.

Allerdings gibt es durchaus weniger positive Reaktionen, jedoch wollten diese Kritiker nicht mit Namen genannt werden. So gibt es Leute, die es für gefährlich halten, wenn der Blick aufs Bild Autofahrer ablenken könnte. Denn schließlich sei der Hüttenmann auch im Vorbeifahren weithin sichtbar. Andere finden, dass Bodo Lutze zu prominent herausgestellt würde und andere Berufsgruppen, wie Bergleute oder Pflegepersonal vernachlässigt wurden, weil man sich hier auf die Hütten-Historie Neunkirchens kapriziere. Und dann gibt es da auch noch Menschen mit Geschichtsbewusstsein, die eine Arbeit von Hendrik Beikirch auch gerne in ihrer Kommune hätten. So waren Monika Jungfleich und Franz-Josef Warken aus Riegelsberg angereist, um Beikirch zu beobachten und nach seinen Konditionen zu befragen. Die Mitglieder des Vereins für Industriekultur und Geschichte im Köllertal könnten sich für Riegelsberg einen Brauer vorstellen. Schließlich gab es in der Gemeinde viele Jahre die Brauerei Gross mit dem prägnanten Sudturm, der 1993 gesprengt wurde. Jetzt will der Verein nach einer geeigneten Wand Ausschau halten. Der Künstler, der international tätig ist, zeigte sich jedenfalls interessiert an einer Zusammenarbeit, zumal die Idee entwickelt wurde, analog zur Skulpturen-Straße im Nord-Saarland eine Street-Art-Route in der Region auf den Weg zu bringen. An verschiedenen Orten mit verschiedenen Künstlern. Mit der Neunkircher Beikirch-Arbeit als Stein des Anstoßes im positiven Sinne.