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GGSNK
Damit Schule und lernen Spaß machen

Blick ins Lernatelier der GGS Neunkirchen.
Blick ins Lernatelier der GGS Neunkirchen. FOTO: Clemens Wilhelm
Neunkirchen. Übers Konzept zum Raum: Der Neubau zwischen den beiden Flügeln der GGS Neunkirchen wächst langsam aus dem Boden. Von Michael Beer

Hinter den Absperrgittern sind die Dimensionen des Neubaus für die Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen schon gut zu erkennen. Grauer Beton hebt sich aus der tiefen Grube. Ein großer Raum entsteht zwischen den beiden Gebäudetrakten, ein Herzstück soll es werden. Es ist in zweierlei Hinsicht ein großes Projekt, was dort in der Haspelstraße verwirklicht wird. Der Kreis Neunkirchen als Schulträger investiert über eine Million Euro. Aber jenseits von Stein, Metall und Glas möchte die Schule pädagogisch einen Schritt nach vorne machen. Der gut 200 Quadratmeter große Bau wird nicht für ein paar zusätzliche Klassenzimmer verplant, in denen im althergebrachten Sinn gebüffelt wird. Er soll vielmehr ein großer einladender Komplex werden, in dem junge Leute unterschiedlichen Alters über den Schultag hinweg ihren Horizont erweitern. Ein offener Raum mit eigenen Bereichen für mathematisches, gesellschaftswissenschaftliches, naturwissenschaftliches und sprachliches Lernen und Forschen. Ästhetisch ansprechend, mit guten Materialien - damit lernen Spaß macht. Schulleiter Clemens Wilhelm ist die Freude über das Projekt anzusehen, wenn er davon erzählt. Und er betont, in diesem Fall folge die Pädagogik nicht dem Raum, sondern umgekehrt der Raum der Pädagogik.


Damit das funktioniert, hat das Kollegium einiges an Zeit und Energie in das künftige Prunkstück investiert. Seit über einem Jahr trifft sich eine Steuerungsgruppe regelmäßig, um sich mit der inhaltlichen Ausgestaltung auseinanderzusetzen. Die Gruppe ist von anfänglich sieben auf 20 Mitglieder angewachsen. Wilhelm: „Wir haben ein 60-köpfiges Kollegium. Es spricht für sich, wenn sich 20 davon an den konzeptionellen Fragen beteiligen.“ Zu dieser Runde gehören auch Sandra Hau, Lisa Zimmer und Jutta Comp­tesse. In zentralen Dingen herrschte schnell Einigkeit. Forschen, Experimentieren, selbstbestimmt Arbeiten, aber auch zur Ruhe kommen sollte in dem Neubau möglich sein, erzählt Deutsch- und Gesellschaftswissenschaftslehrerin Comptesse. Der Saal wird nur durch Regale, Sitzecken und einen Tresen, an dem immer Ansprechpartner sein werden, untergliedert sein. Zwei Seiten sind komplett verglast, auch in der Decke gibt es zwei Lichtluken. Obenauf - auf Erdgeschossniveau - wird wieder ein Pausenhof sein. Rund um das Untergeschoss ist noch Platz für ein paar Sitzgelegenheiten, um sich auch dort aufzuhalten. Die vier großen Lernfelder im Inneren erkennen die jungen Leute an der Farbgebung des jeweiligen Areals. Comptesse: „Wir haben ein durchgängiges Farbleitsystem an der Schule.“ Blau zum Beispiel steht bei allen Ordnern und Heftern Mathematik, Grün für Naturwissenschaften. Das wird übernommen und die Lernareale auf einen Blick kennzeichnen. In das neue Zentrum können Lehrer kleine Gruppen Schüler aus dem Unterricht für bestimmte Aufgaben schicken. Zum Beispiel, um sich in ein bestimmtes Themengebiet tiefer reinzuarbeiten, wenn das Gros der Klasse vielleicht noch etwas mehr Basiswissen braucht. Oder um in Fremdsprachen selbstbestimmt Konversationsübungen am PC zu machen. Oder an einer Präsentation zu arbeiten. Eine Medienausleihe gehört auch zum Inventar. Es soll ein besonderer Raum werden, der da zwischen den Gebäudeflügeln entsteht. Deutsch- und Religionslehrerin Hau spricht davon, dass die „Ideen nur so sprudelten“ in der Gruppe, als es um die Ausgestaltung des Ganzen ging.

Über 1000 Schüler bevölkern die GGSNK unter der Woche (inklusive der gemeinsamen Oberstufe mit Schiffweiler und Bexbach). Und so biete der künftige Saal nicht nur Platz für Schüler, es entlaste auch die Klassen, wenn ein paar junge Leute mal nach unten gehen für eine Spezialaufgabe, sagt Deutschlehrerin Hau. Ihre Kollegin, Mathe-Lehrerin Zimmer, ergänzt, es entstehe eine sehr individuelle Art des Arbeitens. Und auch wenn viele Gesprächsrunden um das künftige Vorzeigeobjekt kreisten und kreisen, gibt es in der Schule dafür doch auch schon eine Keimzelle, wie Wilhelm sagt: „Das Konzept, das wir hier umsetzen wollen, ist kein hehrer Wunsch von uns. Wir haben über drei Jahre Erfahrung mit unserem Lernatelier.“ In diesem Zimmer, das auf der Montessori-Pädagogik fußt, gibt es ebenfalls kleine Bereiche mit unterschiedlichen Materialien, mit denen einzelne Schüler gezielt arbeiten können. Im nächsten Jahr, wenn der Anbau fertig ist, verwirklicht die Schule dies im großen Stil. Und hofft auf genauso viel Begeisterung bei den Schülern, wie sie die Lehrer heute schon zeigen.