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Hilfe für Schulen
Damit Schüler in Turbulenzen Kurs halten

Sozialarbeit an Schulen hat in unserer Gesellschaft an Bedeutung gewonnen. Auch im Landkreis Neunkirchen sind in der Fläche Angebote entstanden. Schoolworker helfen Schülern und ihren Familien, unterstützen aber auch Lehrer.
Sozialarbeit an Schulen hat in unserer Gesellschaft an Bedeutung gewonnen. Auch im Landkreis Neunkirchen sind in der Fläche Angebote entstanden. Schoolworker helfen Schülern und ihren Familien, unterstützen aber auch Lehrer. FOTO: picture-alliance/ dpa / Roland Weihrauch
Homburg/Neunkirchen. Schoolworker kümmern sich um Probleme im Innenleben der Schule. Eine Bestandsaufnahme für den Landkreis Neunkirchen.

Schule kann jede Hilfe brauchen, die sie kriegen kann. Die Schlagzeilen in jüngster Zeit legen es auch der Öffentlichkeit offen  (Stichwort „Brandbriefe“). Da sind zusätzliche Herausforderungen durch Inklusionsauftrag und Zuwanderer-/Flüchtlingskinder. Lehrer sollen erziehen, wo Eltern zunehmend zu versagen scheinen. Geklagt wird über wachsende Disziplin- und Respektlosigkeit. Die Belastungsgrenze, so heißt es mancherorts, sei erreicht, ja schon überschritten. Schulen, Lehrerverbände, Elternvertretung und die Politik sind alarmiert, diskutieren Lösungen (unsere Zeitung berichtete). Dazu kennen Schulen in ihrem Innenleben Probleme wie Streit unter Schülern, Mobbing, Über- und Unterforderung, Schulschwänzen, Konflikt zwischen Schüler und Lehrer, psychische Störungen, Stress im Elternhaus. Diesen Problemen nehmen sich auch Schoolworker an. Wie Sozialarbeit an Schulen in unserer Region aufgestellt ist und welche Bedeutung ihr zugemessen wird, das haben wir beim Landkreis Neunkirchen nachgefragt. Schoolwork/Schulsozialarbeit ist ein Angebot der Jugendhilfe, das die beiden Systeme Schule und Jugendhilfe stärker miteinander vernetzen soll (siehe „Info“).  Ziel: Schüler in Turbulenzen während ihrer Schullaufbahn auf Kurs halten.


An den 23 Grundschulstandorten im Landkreis Neunkirchen, die keine gebundenen Ganztagsschulen sind, gibt es derzeit 4,3 Stellen für Schoolworker, wie der Kreis auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. An den gebundenen Ganztagsgrundschulen werden Schulsozialarbeiter der Städte und Gemeinden eingesetzt. An acht Gemeinschaftsschulen, vier Gymnasien und zwei Förderschulen „Lernen“ sind neun Schoolworker/Schulsozialarbeiter mit insgesamt 7,2 Stellen angedockt. An zwei Gemeinschaftsschulen (Neunkirchen Haspelstraße und Neunkirchen Stadtmitte) sind eigene Schulsozialarbeitsprojekte installiert. Und an den beiden Berufsbildungszentren (Technisch-gewerbliches und sozialpflegerisches Berufsbildungszentrum und Kaufmännisches Berufsbildungszentrum) sind sieben Sozialarbeiter mit insgesamt fünf Vollzeitstellen im Einsatz.

Sozialarbeit sucht also an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen im Kreis den flächendeckenden Auftritt. Stellenwert und Personaleinsatz sind in den vergangenen Jahren bundesweit gestiegen (siehe untenstehenden Text).

Auch der Landkreis sieht die gestiegenen Herausforderungen an Schulen. Mit Blick auf Bildung und mit Blick auf Erziehung. „Schulen sind heute nicht mehr nur Lernorte, sondern auch Lebensorte für Kinder und Jugendliche geworden“, heißt es in der Stellungnahme des Landkreises. Vor dem Hintergrund des zwischenzeitlich akzeptierten „erweiterten Bildungsverständnisses“ sei es daher notwendig, dass sich die Jugendhilfe verstärkt im Schulalltag engagiert und Präsenz zeigt. Weder könnten Lehrkräfte als Allrounder für soziale Fragestellungen verstanden werden, noch Sozialpädagogen fachbezogene Wissensvermittlung übernehmen: „Nur über die Entwicklung entsprechender Schulkonzepte, in denen beide Fachschaften mit ihrem jeweiligen Sachverstand kooperativ zusammenarbeiten, ist der Weg in Bildungsgerechtigkeit einerseits und Lebenskompetenz andererseits für die Kinder und Jugendlichen zu erreichen.“