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Corona-Krise Landkreis Neunkirchen

Corona-Krise : Jetzt Stühle rücken gegen das Virus

Ab diesem Mittwoch gelten wegen der Corona-Krise massive Einschränkungen ins Alltagsleben der Menschen. Schlaglichter auf unsere Region.

Am Dienstag stehen die beiden Tischchen mit sechs Stühlen noch dicht zusammen im Innenraum von Doris „Zeitschriften – Tabakwaren – Kaffeebistro“. Und ein Tischchen ist draußen vor dem Laden auf der Lindenallee in der Neunkircher City platziert. An diesem Mittwoch werden sie Stühle rücken: „Das Wetter ist schön, dann geht ein zweiter Tisch raus und drinnen stellen wir die Stühle auf einen Meter Abstand“, sagt Mitarbeiterin Cornelia De Marino (49). Aber zumindest scheint sicher: Dieses Geschäft kann auch in diesen Corona-Zeiten weitergehen: „Wir sind Zeitschriftenhandel.“

Ab diesem Mittwoch gelten massive Einschränkungen im Alltagsleben der Menschen wegen des Virus und seiner Folgen (die SZ berichtete). Die meisten Geschäfte, auch Bars, Diskotheken, Kneipen, Theater und Museen bleiben geschlossen. Ebenfalls betroffen Kinos und Freizeiteinrichtungen, Zoos und Spielhallen, sogar Kinderspielplätze. Restaurants und Speisegaststätten dürfen von 6 bis 18 Uhr geöffnet sein. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Grundgütern des täglichen Lebens soll gewährleistet sein, versicherte die Politik. Nicht geschlossen werden also Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken und Drogerien, Sanitätshäuser, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen und Waschsalons, Bau-, Gartenbau und Tierbedarfsmärkte, der Großhandel und eben Zeitungsverkauf.

Was bedeuten die Regelungen für eine Mall wie das Saarpark-Center Neunkirchen? Telefonisch ist am Dienstagvormittag keine Chance, Center-Managerin Nicole Keller zu erreichen. Dauerbesetzt-Zeichen. Ein Versuch persönlicher Kontaktaufnahme im zweiten Obergeschoss des Centers. Im Flur der Management-Räume ertönt ebenfalls pausenloses Klingelzeichen. „Heute geht nichts, fragen Sie morgen nach“, heißt es freundlich, aber bestimmt an der Info auf SZ-Anfrage nach einem ersten Lage-Überblick. Geöffnet ist weiter von 9.30 bis 20 Uhr. Das Center halte sich an die Vorgaben. Bis 18 Uhr könne also in Gaststätten gegessen werden. Apotheken beispielsweise hätten auf, Kleidung dagegen können nicht gekauft werden. Auch Nicole Keller kommt kurz vorbei: „Tut mir leid, aber ich bin nur am Telefonieren. Die Shops abfragen, mit der Zentrale abstimmen.“ Vielleicht sind am Nachmittag zwei Minuten Zeit für eine Zwischenbilanz? Ein Lächeln allem Telefon-Stress zum Trotz: „Vielleicht.“

Im Union-Theater Illingen jedenfalls laufen am Dienstagabend um 20 Uhr bis auf Weiteres die beiden letzten Filme: Die Känguru-Chroniken und Parasite. Ab diesem Mittwoch kein cineastisches Vergnügen mehr. „Für uns bedeutet das Stillstand und einen Riesenverlust“, sagt am Telefon Senior-Chef Peter Haas. An den vier Standorten „Haas FilmtheaterBetriebe“ – Illingen, Capitol Saarlouis, City-Filmstudio Lebach und Neues Theater St. Wendel – seien für die zehn festen Mitarbeiter Kurzarbeiter-Geld beantragt worden. Für die rund 50 Aushilfen suchten sie nach Lösungen. „Selbst wenn wir im Sommer, Herbst aufholen können – es werden ja auch aktuell keine neuen Filme produziert, die wir dann nächstes Jahr zeigen können“, schaut Haas besorgt in die Zukunft.

Zurück zu Doris Zeitschriften&Tabak-Laden. Ob sie schon was von der Chefin gehört habe, fragt Kunde Wolfgang Barthel bei Cornelia De Marino nach. Nur dass sie gut gelandet sei, lautet die Antwort. Doris Frank ist gerade erst zu ihrem Urlaub nach Kuba aufgebrochen, wird planmäßig wieder in zwei Wochen zurückerwartet.

Die Karibik gehöre zu den Zielen für Rückholaktionen, hat Barthel (75) gehört. Außenminister Maas hat gerade Rückholaktionen für deutsche Bundesbürger mit Bereitstellung finanzieller und logistischer Mittel angekündigt.

Erstmal schmeißen die drei Mitarbeiterinnen den Laden von Doris Frank in normaler Urlaubsvertretung. Cornelia De Marino sperrt an diesem Mittwochmorgen wie immer um 7.30 Uhr auf. Und Wolfgang Barthel wird dann wahrscheinlich auch wieder vorbeischauen, wie öfters unter der Woche, wenn er sich mit dem Bus vom Biedersberg Richtung Schiffweiler aufmacht und bei Doris die Wartezeit mit einem Kaffee überbrückt. Lediglich die Tischchen werden ab jetzt dann anders stehen.