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Caritas-Projekt „Begleitetes Wohnen in Gastfamilien“ hilft Erkrankten

Begleitetes Wohnen : Ein ziemlich bester Mitbewohner

Das Caritas-Projekt „Begleitetes Wohnen in Gastfamilien“ ermöglicht Menschen mit psychischer Erkrankung ein Leben im familiären Umfeld. Einer, der davon profitiert, ist Manfred, ein abstinenter Alkoholiker.

Oft passiert es nicht, dass Manfred rot wird. Aber wenn er Sätze hört wie „Wir sind froh, dass wir Manfred haben“, wirkt er schon etwas verlegen. Die, die so voll des Lobes über den 62-Jährigen spricht, ist Lena Müller und hat täglich mit Manfred auf dem Kreuzhof in Osterbrücken zu tun. Dorthin hat es ihn im April 2018 nach einer sehr schwierigen Zeit verschlagen.

Angefangen zu trinken habe er bereits mit 13, erzählt er offen. Da begann seine „Karriere als Alkoholiker“, die eine neue Stufe erreichte, als Manfreds Frau 2013 starb. „Bier habe ich ja immer getrunken, aber dann kam noch hartes Zeug dazu.“ Es folgte Absturz auf Absturz, bis er den Entschluss fasste, Hilfe anzunehmen und sich in Therapie begab. Schließlich wurde Manfred in einer Einrichtung untergebracht, in der er nicht besonders glücklich war. „Man darf nichts machen und wird den ganze Tag behandelt, als sei man behindert“, sagt Manfred, der die Möglichkeit bekam, an dem Projekt „Begleitetes Wohnen in Gastfamilien“ teilzunehmen. Dieses, vom Caritasverband Schaumberg-Blies angeboten, ermöglicht Menschen mit psychischer, geistiger und/oder körperlicher Erkrankung ein Leben in einem familiären Umfeld.

Ein abstinenter Alkoholiker und jede Menge Tiere

Für Manfred ein echter Glücksfall. „Hier fühle ich mich wohl“, sagt er, und das nimmt man ihm auch ab. 20 Pferde leben auf dem Hof, zwei Ziegen, neun Hühner, drei Katzen und Hund Linde. Und die wollen versorgt werden. „Es gibt hier ja immer was zu tun“, weiß Manfred, der früher auf dem Bau tätig war und körperliche Arbeit nicht scheut. „Manfred ist morgens der erste im Stall. Er hilft beim Füttern und Ausmisten, bringt die Tiere auf die Weide und packt immer an, wenn man ihn braucht. Und er hat ein Händchen für schwierige Tiere“, sagt Lena Müller. Gemeinsam mit ihrem Mann Dirk hat sie sich dazu entschlossen, Manfred eine Chance zu geben. Über Bekannte hat sie von dem Projekt erfahren und wusste daher auch, dass eine Gastfamilie monatlich eine Vergütung von rund 950 Euro erhält. „Dieses finanzielle Polster zu haben, war einer der Gründe, weshalb wir uns dafür entschieden haben“, sagt Lena Müller, „aber man tut ja auch was Gutes, und außerdem haben wir Platz“, fügt sie hinzu. Zwar hatte sie keine Vorbehalte gegenüber dem Projekt, ihr Mann Dirk, der bei einem Automobilzulieferer in Homburg arbeitet, war allerdings anfangs nicht ganz so überzeugt. „Aber mit Manfred, das hat von Anfang an geklappt“, sagt Lena Müller.

„Wie die Faust aufs Auge. Mir geht’s hier richtig gut“, fügt Manfred hinzu, der vom Leben auf dem Kreuzhof profitiert und nach 50 Jahren sogar mit dem Rauchen aufgehört hat. Es sei ihm aber wichtig gewesen, sich selbst versorgen zu können, autark zu sein. Mit Kochzeile, eigenem Badezimmer, Balkon und eigener Waschmaschine ist das in seiner kleinen Wohnung gegeben. „Und dann brauche ich eine gewisse Struktur über den Tag gesehen.“ Das helfe ihm dabei, nicht auf „dumme Gedanken“ zu kommen.

Auch beim Rückfall ist die Gastfamilie da

Denn diese kommen immer mal wieder. Einen Rückfall hatte er in jüngster Zeit. Seinen Betreuern von der Caritas und seiner Gastfamilie hat er sich anvertraut. Man ist achtsam. Und natürlich wird auf dem Hof, wo viele Pferdehalter sich treffen, auch mal gefeiert. „Wenn ich merke, dass die Versuchung zu groß wird, ziehe ich mich einfach zurück.“

Den Kreuzhof wieder verlassen? Daran denkt Manfred nicht. „Ich will hier bleiben, so lange ich niemandem zur Last falle“, sagt er. Das Projekt der Caritas lässt das zu. Zwar soll es jüngeren Teilnehmern als Sprungbrett in ein „normales“ Leben dienen, aber es gibt auch ältere Teilnehmer, so wie Manfred, die seit 16 Jahren bei einer Familie leben. Für Lena und Drik Müller ist Manfred längst mehr als nur ein „Gast“. Er gehört hier dazu. Ob sie sich vorstellen können, dass er den Kreuzhof wieder verlässt? Klares Nein: „Wir möchten, dass Manfred hier bleibt.“