Bürgermeister König Illingen zum Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft"

Dorfwettbewerb : Nullnummer im Landkreis Neunkirchen

Armin König war Jurymitglied beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Im SZ-Gespräch skizziert er die Probleme und Chancen.

Die Dörfer aus unserer Region waren immer eifrig dabei, sich Schönheits- und Zukunftswettbewerben (siehe „Info“) zu stellen. Daten, die wir übers Umweltministerium angefragt haben, zeigen: Die Welschbacher sind Spitzenreiter unter unseren Kreis-Dörfern mit 21 Teilnahmen vor Hirzweiler (19), Hangard (16), Habach (15),  Hierscheid und Wustweiler (je 14) und Mainzweiler (12). Die Zahlen reichen zurück bis ins Jahr 1955. Insgesamt tauchen über die Jahrzehnte 30 Namen auf. Viermal reichte es für unsere Dörfer zum Sieg auf Landesebene: Münchwies (1965), Hirzweiler (1971), Mainzweiler (1975) und Wustweiler (1991).

Zuletzt – das war im Jahr 2017 – gab es eine Nullnummer im Landkreis Neunkirchen. Keine Teilnehmer. Der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ sei kein „Selbstläufer“ mehr, heißt es auch aus dem Hause von Umweltminister Reinhold Jost: „Von Jahr zu Jahr sinkt die Bereitschaft der Dörfer mitzumachen.“

Armin König. Foto: Andreas Engel

 In 2017 sieht der Illinger Bürgermeister Armin König allerdings einen Sonderfall für unsere Region: Der Zeitraum für eine ordentliche Bewerbung sei zu knapp gewesen. König ist ein geradezu leidenschaftlicher Befürworter des Wettbewerb. 2017 war er als Präsidiumsmitglied des Saarländischen Städte- und Gemeindetages in der Jury (unbefangen, weil ja aus Illingen kein Teilnehmer war). Diese Erfahrung habe ihn nochmals bestärkt, sagt König im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich glaube an diesen Wettbewerb, weil er ein bisschen mehr ist als früher ‚Unser Dorf soll schöner werden’.“ Er sei eine „Riesenchance, weil in Zeiten des demografischen Wandels die Frage ‚Unser Dorf hat Zukunft’ die Schlüsselfrage ist. Wer sich aufmacht und mitmacht bei diesem Wettbewerb - unabhängig davon, ob er gewinnt oder nicht - hat schon gewonnen. Deshalb ist es ein bisschen schade, wenn wir mit der Lupe die Teilnehmer suchen müssen.“ Das komme aber nicht von ungefähr.

König zählt Gründe auf. Langer Vorlauf: „Wer Chancen haben will, muss einen Prozess anstoßen, der über mehrere Jahre geht. Wir werden Bürgerdorf.“ Dörfer über 3000 Einwohner sind ausgeschlossen: „Wir haben einige größere Dörfer, die könnten es. Uchtelfangen etwa macht richtig tolle Arbeit, ist aber zu groß, um mitspielen zu können. Für die zwischen 3000 und 5000 Einwohnern gibt es nichts. Da könnte der Bund mal überlegen, die Kriterien anzupassen.“ Teilnehmern wird viel abverlangt: „Wenn man sich die einzelnen Wertungskategorien anschaut, dann sieht man schon, dass das unheimlich anspruchsvoll ist: Miteinander der Generationen gestalten, Neubürger ins Dorfleben integrieren, Ehrenamt und Solidargemeinschaft im Dorf stärken, passgenaue Kristallisationspunkte für das Dorfleben schaffen. Wenn man das alles nimmt und dazu noch die Innovationsforderung, dann könnte man natürlich gleich davor zurückschrecken.“ Aber das sollte nicht abschrecken, appelliert König: „Im Grunde geht es nur um eines: Macht was, bindet die Leute ein und bringt das Dorf in Bewegung.“  Dorfgespräche machen, eine Zeitung, eine Internetplattform vielleicht. Den ersten Schritt tun. Ihm sei allerdings klar, dass die Kommunalwahlen am 26. Mai Unwägbarkeiten mit sich brächten, wer danach wo welchen Posten besetze.

Zukunft? Als die  Hirzweiler  Grundschule geschlossen wurde, blickte der damalige Ortsvorsteher Helmut Raber sorgenvoll in die Zukunft. Foto: Andreas Engel

Wer sich auf den Weg mache, brauche Rückhalt, so König: „Verwaltung, Bürgermeister und Gemeinderat  müssen sagen: Wir stehen dahinter. Wir sind bereit, euch einen gewissen Betrag zur Verfügung stellen, damit ihr gecoacht werdet.“ Wer sich auf den Weg mache, brauche auch ein paar Euro: „Fragen beim Umweltministerium: Kriegen wir einen Zuschuss für Prozesse im ländlichen Raum?“ Wer sich auf den Weg mache, brauche Beratung: „Dann muss ich überlegen, nehme ich mir ein professionelles Beratungs-, Planungs- oder Coachingunternehmen oder auch einen ehemaligen Aktiven? Der sagt: Ihr müsst das und das machen und ich begleite euch.“

 Hilfe und Rat gebe es beim Land, so König: „Vielleicht können wir auch kreisweit mit dem Landrat was auf den Weg bringen. Wir laden alle Dörfer ein, die in Frage kommen, setzen uns an einen Tisch und holen einen Experten dazu. Dann  überlegen wir: Können wir eine Strategie finden?“ Und weiter: „Ich glaube, wir müssen das auf Chefebene regeln. Ich würde mir vorstellen, dass wir im Kreis der Bürgermeister das mal zum Thema machen.“ Grundlagen für eine Strategie seien vorhanden – Dorfentwicklungskonzepte, integrierte Stadtentwicklungskonzepte und vieles mehr. König: „Ich fände es schade, wenn wir auch beim nächsten Mal nicht dabei wären.“ Drei Dörfer aus der Region müssten sich für den Kreisentscheid mindestens beteiligen. Das nächste Mal ist 2020.

Mehr von Saarbrücker Zeitung