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Buchtipps von Buchhändlern aus dem Kreis Neunkirchen

Buchtipps aus Neunkirchen : Frisch ausgepackt und für gut befunden

Regionale Buchhändler geben Lesetipps für die Zeit in den eigenen vier Wänden.

Es war wie Weihnachten. Oder besser: wie einer dieser betriebsamen Geschäftstage vor dem Fest der Feste, an dem man nicht weiß, welchen Kunden man zuerst bedienen und wie man die Stapel von Buchgeschenken überhaupt verpackt bekommen soll. Fast so fühlte sich dieser letzte Tag vor der Corona bedingten Schließung an, erzählt Anke Birk, Inhaberin der Traditionsbuchhandlung Bücher König in der Bahnhofstraße. Seitdem sind die Türen zu, drin im Laden aber wird geschafft. Online oder per Telefon eingehende Bestellungen werden bearbeitet und Kisten gepackt. „Wir stellen Touren zusammen.“ So gern man die Kunden weiterhin mit Lesestoff versorgt: Wegen jedem einzelnen Buch loszufahren, wäre wirtschaftlich ein Desaster.

Viele Menschen haben jetzt so richtig viel Zeit zum Lesen. Was legt ihnen das Bücher König Team aus dem großen Strauß der bunten Frühjahrs-Neuerscheinungen der Verlage ans Herz? Da wäre zunächst „1965 – Der erste Fall für Thomas Engel“. Geschrieben hat den Bestseller Thomas Christos, der bisher vor allem Kinderbücher verfasste. Sein Erfolg überrascht Anke Birk nicht: „Krimis, die das Zeitgeschehen einfangen, liegen im Trend.“ Schauplatz dieses Krimiserien-Auftakts ist das Düsseldorf der 70er Jahre. Sein erster Mordfall führt den jungen Kriminalkommissar zurück ins finstere Nazideutschland nach der Machtergreifung Hitlers. Und noch einen Krimitipp hat Anke Birk parat: „Der freie Hund“ - ein neues Buch von Wolfgang Schorlau in Kooperation mit Claudio Caiolo. Protagonist ist diesmal nicht Dengler, sondern der nach Venedig versetzte sizilianische Commissario Antonio Morello, womit Wolfgang Schorlau von der deutschen in die italienische Politik schwenkt.

Beim Favoriten des Kollegen Peter Schiwek, der geschlechtermäßig für Ausgleich im weiblichen Team sorgt, handelt es sich um „eine Familiengeschichte, die haarscharf an einem Krimi vorbei schrammt“. So begleitet Liz Moore in „Long Bright River“ eine Polizistin auf ihrem Streifendienst in einem Viertel in Philadelphia. Dort bringt jemand reihenweise Prostituierte um und Mickey lebt in ständiger Angst, ihre Schwester könnte das nächste Opfer sein. Heftig kommt auch das nächste Buch zur Sache, aber regional: „Ein Mann seiner Klasse“ von Christian Baron. „Der Autor ist in Kaiserslautern Ost groß geworden.“ Von seiner „sehr schweren Kindheit mit depressiver Mutter und dem prügelnden Vater“ erzählt er in einem Mix aus Collage, Bericht, Reportage und Autobiografie. Kultpotenzial hat der neue Roman von Thomas Brussig, der völlig auf West-Ost-Problematiken verzichtet. „Aberwitzig, gesellschaftskritisch und dabei sehr unterhaltsam“ komme die Geschichte von zwei Teenagern daher, die sich, einer Anleitung aus dem Internet folgend, in Waschbären verwandeln. Birk selbst habe Tränen bei der Lektüre der „Verwandelten“ gelacht, erzählt sie der SZ. Was einem bei „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber unter Umständen auch ab zu auch passieren könne. Und das, obwohl die Ich-Erzählerin Paula in dem von Kritikern hochgelobten Roman „den Tod ihres Bruders verarbeitet“. An seiner statt wurde sie Meeresbiologin, woher auch die titelgebende Tiefseerinne im westlichen Pazifischen Ozean rührt – mit 11 000 Metern die tiefste Stelle des Weltmeeres, zugleich ein Bild für unendliche Trauer und Depression. „Sehr ergreifend“, urteilt Birk. Ebenfalls zu empfehlen seien „Felix und die Quelle des Lebens“, ein neue „Wohlfühlgeschichte“ des französischen Bestsellerautors Eric-Emmanuel-Schmitt, die 1328-seitige Neuübersetzung von „Vom Winde verweht“ in moderner Sprache und mit mehr Identifikationspotenzial sowie das „echte Debüt“ des jungen Autors Benjamin Quaderer „Für immer die Alpen“, ein „richtig guter Schmöker“.

Und bei der Kinder- und Jugendliteratur. Auch hier hagele es gute Neuerscheinungen, bekräftigt Katja Rohles aus dem Bücher-König-Team. Den Kleinsten aus der Seele spreche Laura Ellen Andersons Bilderbuch „Endlich groß, das wär famos!“. Von Suzanne und Max Lang ist „Jim ist mies drauf“ über einen kleinen Schimpansen mit sechlechter Laune. Um Lügengeschichten und geschickte Manipulationen dreht es sich in „Lang lebe König Frosch“ von Martin Baltscheit und Sabine Büchner. Tipps im Jugendbereich sind laut Team Stephan Quitterers „Weltverbessern für Anfänger“ sowie „Die Julibraut“, Band 8 der Erdbeerpflücker-Reihe von Monika Feth.

Auch Celine Teipel von der Henn‘schen Buchhandlung Köhler in Ottweiler hat Leseempfehlungen für die SZ-Leser. Sie schlägt beispielsweise „Burning Bridges“ und „Sinking Ships“ von Tami Fischer vor: Die ersten beiden Bände der „Fletcher-University-Reihe“ erzählen laut Teipel mit ganz viel Liebe, Herzschmerz und noch mehr Humor die Geschichten rund um eine Gruppe Studenten. In „Liebes Kind“ von Romy Hausmann wird eine junge Frau auf ihrem Heimweg niedergeschlagen und entführt. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich in einer kleinen, verschlossen Hütte im Wald, zusammen mit zwei kleinen Kindern, die sie Mama nennen und um die sie sich kümmern soll. „Ich konnte das Buch nicht mehr weg legen.“ In „Beastmode“ von Rainer Wekwerth müssen fünf Jugendliche mit übernatürlichen Kräften die Welt retten. Hat sich doch im Pazifischen Ozean ein Portal in eine andere Dimension geöffnet. Allerdings ist bis jetzt ist noch niemand von dort zurück gekehrt. „Ein wirklich gut geschriebener und aufregender Pageturner für Jugendliche ab 14.“ Und für die Kleinsten empfihelt Teipel „Das Neinhorn“ von Marc-Uwe Kling. Das Anti-Einhorn lebt in einer rosa-Zuckerwatte-Welt, in der immer alles supi ist. Wie öde, findet das Neinhorn und begehrt auf, unterstützt vom Na-Hund, der KönigsDOCHter, dem WASbär und vielen anderen. „Ein super schönes und lustiges Bilderbuch, egal ob für Jungs oder Mädchen“, beschreibt Teipel.