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Kriminalitätsentwicklung in Neunkirchen
Brennpunkt-Einsatz wird wiederholt

Neunkirchen. Die Neunkircher Polizei hat Teilbereiche der Innenstadt als „kriminogene Örtlichkeit“ deklariert. Hier können Personen ohne speziellen Verdacht kontrolliert werden. Von Heike Jungmann

Den Alltag der Neunkircher Polizei erlebten die Mitglieder des Neunkircher Stadtrates am Mittwochnachmittag quasi live mit. Der Leiter der Polizeinspektion Neunkirchen, Thomas Dräger-Pitz, und Kriminalhauptkommissarin Anja Leinenbach waren zu Punkt 2 der Tagesordnung eingeladen worden, um über die Kriminalitätsentwicklung in der Kreisstadt zu informieren. Brandaktuell berichtete der Polizeioberrat von rivalisierenden Gruppen von Ausländern, die im Laufe des Mittwoch in einer Messerstecherei mit Verletzten gipfelten. Der Vortrag Leinenbachs, der die in der SZ bereits thematisierte Kriminalitätsstatistik 2016 vorstellte, wurde mehrfach von offenbar dringlichen Handyanrufen unterbrochen.



Die Sicherheit der Bürger in Neunkirchen, die an vierter Position im landesweiten „Kriminalitätsranking“ (Wahrscheinlichkeit einer Straftat pro Tausend Einwohner) liegt, aber auch das subjektive Sicherheitsgefühl haben auf der Agenda der Stadtverwaltung hohe Priorität. Belege dafür sind die Sicherheitsvereinbarung zwischen dem Innenministerium und der Kreisstadt vom 31. Januar sowie die Einrichtung der Citywache in der Wellesweiler Straße. Die Polizeiinspektion Neunkirchen hat wiederum im März ein Hot-Spot-Konzept umgesetzt, um sichtbar polizeiliche Präsenz zu zeigen. „223 Einsätze haben unsere Fußstreifen mittlerweile absolviert“, berichtete Dräger-Pitz dem Stadtrat. „Aber sie zeigen noch nicht die Wirkung, wie ich es mir erhofft habe.“ Um den Polizeibeamtinnen und Beamten ein stärkeres Mittel an die Hand zu geben, wurden Teilbereiche in der Innenstadt wie der Lübbener Platz oder die Plätze vor der Post und dem Finanzamt zur „kriminogenen Örtlichkeit“ deklariert. Die Einstufung ermöglicht den Beamten die Überprüfung von Personen ohne konkreten Anlass. Das heißt, jeder kann verdachtsunabhängig kontrolliert werden. Oberbürgermeister Jürgen Fried legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass es sich nicht um kriminelle Schwerpunkte in diesem Bereich handele. Die „Gemengelage“ Lübbener Platz, wie es Dräger-Pitz formulierte, ist vielen Bürgern jedoch offensichtlich ein Dorn im Auge. Um das Sicherheitsbedürfnis der Bürger zu stärken, um potenzielle Straftäter abzuschrecken und zur Abwehr von Gefahren hat die Polizei die Option, Kräfte aus dem ganzen Saarland zu generieren. Dies ermöglichte am 26. Oktober 2017 den „Brennpunkt Aktionstag“ auf dem Lübbener Platz, an dem 172 Polizeikräfte zwischen 17.05 Uhr und 20.30 Uhr insgesamt 75 Personen kontrollierten. Im Zuge dieser Aktion wurden noch am selben Abend zwischen 21.05 und 22.30 Uhr fünf Gaststätten im Bereich Bahnhofstraße/Wellesweiler Straße überprüft.

Ergebnis der Großaktion: 104 Personen wurden kontrolliert, es gab sechs Strafanzeigen bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, zwei gegen das Waffengesetz, außerdem wurden geringe Mengen an Rauschgift sowie ein Schlagring und ein Einhandmesser sichergestellt. Eine Person wurde festgenommen. „Wir haben viel gelernt aus dem ersten Einsatz“, fasst Dräger-Pitz zusammen. Im nächsten Jahr werde man – vermutlich im März/April – bei einem ähnlichen Einsatz „nachjustieren“. Er persönlich halte im Übrigen ein System von kleinen Nadelstichen für oftmals nachhaltiger, als „wenn wir einmal mit dem großen Hammer draufgehen“.

Intensive Nachfragen der Ratsmitglieder begleiteten den Vortrag des PI-Chefs, der abschließend noch etwas Positives mit auf die Wache nahm: Die ausdrückliche Anerkennung für die Leistung der Polizeibeamten.