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Borussia Neunkirchen
Borussen-Vorsitzender Martin Bach tritt zurück

Borussia Neunkirchens Vorsitzender Martin Bach mag nicht mehr. Er räumt zum 30. Juni seinen Stuhl. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.
Borussia Neunkirchens Vorsitzender Martin Bach mag nicht mehr. Er räumt zum 30. Juni seinen Stuhl. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. FOTO: Spellbynder Sportfotos / SPELLBYNDER-SPORTFOTOS
Neunkirchen. Mitten in der Planung für die kommende Runde kündigt der Chef des Fußball-Saarlandligisten seinen Rückzug an. Von Sebastian Zenner

Borussia Neunkirchen ist auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden. Martin Bach, seit April 2015 im Amt, hat zum 30. Juni seinen Rücktritt erklärt. Der Aufsichtsrat ist auf der Suche nach einem Nachfolger.


„Die vergangenen drei Jahre waren brutal hart. Die Situation hat sich zwar immer ein klein wenig verbessert. Trotzdem blieb sie die ganze Zeit über ernst und angespannt“, sagt Bach und nennt private Gründe für seine lange gereifte Entscheidung: „Immer wieder dieses Auf und Ab – so etwas macht auch vor der Familie nicht halt“, erklärt er und findet: „Den richtigen Zeitpunkt für einen solchen Schritt gibt es nicht. Zwischen zwei Spielzeiten ist es wenigstens ein sauberer Schnitt.“ Bachs großer Traum, sich mit dem direkten Wiederaufstieg in die Oberliga zu verabschieden, erfüllte sich nicht. „Seine Entscheidung ist nachvollziehbar - gerade wenn man berücksichtigt, dass er die Borussia mit hohem Aufwand neben seiner beruflichen Tätigkeit geleitet hat“, sagt Aufsichtsratsvorsitzende Gerd Müller und ergänzt: „Martin Bach war maßgeblich daran beteiligt, dass die Lichter im Ellenfeld nicht ausgegangen sind. Dafür ist der Verein ihm und seiner Familie sehr dankbar.“

Kurz nach seinem Amtsantritt 2015 stellte die Borussia Antrag auf Insolvenz. Vorstand und Aufsichtsrat konnten diese jedoch abwenden und die Verbindlichkeiten des Vereins reduzieren oder in langfristige Ratenzahlungen umschulden. „Die Situation bleibt aber schwierig. Es stellt sich immer die Frage, wie lange man sich das Stadion und welche Mannschaft man sich leisten kann“, erklärt Bach: „Bevor der erste Ball im Ellenfeld rollt, haben wir pro Monat Verpflichtungen in einer Größenordnung von 7000 Euro. Verglichen mit einem Hundertmeter-Sprint startet die Borussia 50 Meter hinter den Startblöcken der anderen.“ Eine Entlastung erwartet Bach erst im Jahr 2020, wenn erste monatliche Verpflichtungen wegfallen.



In seiner gesamten Amtszeit wurde Bach immer wieder kritisiert. „Konstruktive Kritik gehört dazu und die muss man aushalten können. Das Problem ist, dass viele alles besser wissen, ohne die Rahmenfaktoren und Fakten zu kennen“, sagt er, „Aber vor drei Jahren, als es zählte, war keiner da. Stattdessen wurden diejenigen kritisiert, die sich der Situation gestellt haben. Jetzt ist es an der Zeit, dass andere - vielleicht ja diese Leute - Verantwortung übernehmen.“ Doch Bach gesteht auch Fehler ein: „Jeder, der etwas macht, sich engagiert, macht auch Fehler. Die Trainerfrage nach dem Abstieg in die Saarlandliga gehört sicher dazu. Das würde ich heute nicht mehr so machen“, gibt er zu. Die Borussia ging trotz des Abstiegs mit Tobias Grimm in die vergangene Saison. Nach dem Fehlstart wurde Grimm freigestellt und im September 2017 Björn Klos verpflichtet, der das Team vom vorletzten auf den dritten  Platz führte und erst in der Relegation knapp den Wiederaufstieg verpasste.

„Der Rücktritt so kurz vor Saisonbeginn hat mich schon überrascht“, sagt Björn Klos, der in seinem  Urlaub von Martin Bachs Entscheidung erfahren hat, „Ich kann über Martin nur Positives sagen. Die Zusammenarbeit war einwandfrei, er war immer mit Leib und Seele dabei.“ Der Trainer stellt außerdem klar: „Für die sportliche Ausrichtung oder Entwicklung hat dies keine negative Folgen.“