Bis Herbst zwei Löwen im Zoo Neunkirchen zu Gast

Zwischenquartier Zoo Neunkirchen : Der König der Tiere im Reich auf Zeit

Bis zum Herbst haben zwei helle Löwen Zwischenquartier im Neunkircher Zoo bezogen. Donnerstag war ein großer Tag.

Spannung. Seit zwei Tagen ist klar: Der Neunkircher Zoo hat was großes Wildes abgeholt. Nur was? Da kommt Zoodirektor Norbert Fritsch kein Sterbenswörtchen über die Lippen. Dafür darf die SZ vor Ort. Exklusiv, vor allen anderen. Vorbei an Elefantendame Rani, Schloss auf, Schloss zu. Im Vorgehege ist nix zu sehen. Braunbär Lars guckt gespannt, was da auf seinem Grund und Boden passiert. Nächstes Schloss auf, drittes Schloss auf, links futtert die alte Bärendame Sofie. Von geradeaus faucht‘s. Eine vanillefarbene Tatze schlägt dem Zoodirektor entgegen. Gott sei Dank ist ein Gitter dazwischen. „Der spielt sich hier nur auf vor lauter Angst“, lässt sich Fritsch nicht beirren und redet geduldig auf den jungen Mann ein.

Zusammen mit seinem Bruder, der sich längst nicht so mutig zeigt und sich hinter ihm versteckt, ist der Löwenjunge am Montag aus dem Zoo Magdeburg angereist. „Das war eine ganz kurzfristige Sache, da mussten wir schnell entscheiden“, erläutert Fritsch. Ein Wurf von vier Jungen ist dort vergangenes Jahr zur Welt gekommen: Drei Männchen, ein Weibchen. Am 7. Juli haben sie noch gemeinsam ihren ersten Geburtstag gefeiert. Im Rahmen des Europäischen Zuchtprogrammes (EEP) hat sich der befreundete Zoo um neue Heimstätten für zwei der jungen Männer bemüht – und auch gefunden. „Im Herbst werden sie an ihren eigentlichen Bestimmungsort außerhalb Deutschlands kommen“, erzählt Fritsch. Eine Zwischenstation wurde gesucht. Der Zoo Neunkirchen hat Platz. „Also haben wir uns schnell entschieden und gerne geholfen.“ Seit ihrer Ankunft sind die beiden im Innengehege, direkt auf dem Gelände des Bärengeheges. Am Donnerstag war dann der große Tag: Die Klappe zum Vorgehege wurde geöffnet. Tierpflegerin Selina verfolgt von gegenüber. Obertierpfleger Dirk Backes entsorgt noch schnell die knochigen Überreste vom Frühstück („vier Kilo Fleisch pro Tier und Tag, einen Fasttag gibt es. Die Tiere schlafen 20 von 24 Stunden, werden sonst zu träge.“). Die neugierigen Menschen warten im Vorgehege von Bärendame Sofie („keine Angst, die Klappe ist zu“), der Durchgang öffnet sich, und es tut sich – nichts. Selina hat von ihrer Seite freie Sicht und meldet: „Sie liegen da.“

Erst wenn sich die beiden mit ihrem Umfeld angefreundet haben, wird Schritt zwei folgen: Der freie Weg ins rund 100 Quadratmeter große Außengehege. Das komplette Bärengehege misst über 2000 Quadratmeter. Damit man mit dem Weg ins Freie schnell reagieren kann, werden in diesem Moment noch die Elektrodrähte am Außengitter überprüft. Und wie wird Lars wohl zu den neuen Nachbarn stehen? „Passieren kann nichts, die beiden Gehegeteile sind durch doppelte Gitter voneinander getrennt“, erläutert Backes. Spätestens bis zum Wochenende, wünscht sich Fritsch, sollen die Löwen diesen Schritt wagen. Zwingen aber, das erläutern Direktor und Pfleger, kann man nichts. „Die Tiere müssen das Gefühl haben, dass sie sicher sind und in Ruhe gelassen werden.“ Deshalb passiert auch jetzt erst einmal genau das. Backes bringt ein Röhrchen mit Stuhlprobe zum Zootierarzt Mark Eichelmann. „Auch, wenn die aus einem zertifizierten Zoo kommen, der die Tiere dauerhaft medizinisch betreut, gehen wir lieber auf Nummer sicher“, erläutert er. Durch den Umzugsstress könnten immer mal Parasiten freigesetzt werden. Da will man nichts riskieren. Fritsch präsentiert der SZ derweil den Blick von oben. Ganz am Ende des Weges, am höchsten Platz des Zoos, vorbei an Schneeleoparden und Rot­hunden, wird man eine wunderbare Aussicht auf die beiden hellen Löwen („keine Albinos, aber heller als normal, das gibt es so auch in freier Wildbahn“) haben. Unterm Holzdach auf Bänken mit großer Glasfront vornedran. Ein Großelternpaar mit Enkeln kommt vorbei, der Zoodirektor macht schon Appetit: „Hier gibt es bald was Tolles.“

Die beiden Junglöwen aus Magdeburg wagen ihren ersten kleinen Ausflug im Neunkircher Zoo. Foto: Elke Jacobi

Der Abstecher hat sich schließlich gelohnt: Zurück am Vorgehege sind die beiden Herren tatsächlich der Mut selbst gewesen und erkunden die neue Umgebung – sind dann aber schnell wieder weg, als diese nervigen Menschen schon wieder auftauchen. Nur einer von beiden kommt schließlich zurück, so halb zumindest, legt sich in den Übergang von Vor- und Innengehege und zeigt ganz deutlich, dass er sich sehr wohl bewusst ist, dass man ihn als den König der Tiere kennt. Auch, wenn die Mähne noch mickrig ist und die aktuell rund 70 Kilo noch ein bisschen vom Endgewicht 250 Kilo entfernt sind, fauchen kann er schon wie die Großen.

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