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Ausverkaufte Gebläsehalle Neunkirchen zum Neustart

Ausverkauft zum Neustart : Sehnsucht nach Kultur im neuen „Club“ erfüllt

Erfolgreicher Neustart am Wochenende: Neue Gebläsehalle Neunkirchen hat ihre Bewährungsprobe bestanden.

Markus Müller, Geschäftsführer der Neunkircher Kulturgesellschaft ist seit Jahrzehnten auf und hinter der Bühne zu Hause. Und doch konnte man dem versierten Kulturschaffenden am Samstagabend ansehen, dass ihn seine Begrüßungsworte bewegten. „Herzlich willkommen zu unserem Neustart der Kultur, in, aus und für Neunkirchen. Schön, dass sie da sind!“ Für diese Worte gab es vom Publikum erst einmal lang anhaltenden Applaus.

So, wie die Künstlerinnen und Künstler die Bühne vermisst haben, so sehr sehnten sich auch die Gäste des Neustarts nach Livemusik. „Das ist ganz großartig, was der Veranstalter sich hat einfallen lassen. Zum letzten Mal waren wir hier zum Neujahrskonzert. Damals saßen wir auch in der ersten Reihe, allerdings dicht an dicht. Das hier ist schon sehr viel gemütlicher“, erklärte Eva Mersdorf aus Neunkirchen. Auf den Tag genau sechs Monate ist es her, dass die Besucher der Gebläsehalle in den Genuss von Kultur gekommen sind. „Am 12. März war Bernd Stelter zu Gast, danach folgte der Lockdown“, erinnerte Lars Lößner vom Veranstalter. Wie bei den zahlreichen Kolleginnen und Kollegen gehört bei ihm ab sofort auch die Alltagsmaske mit dem Logo der Neunkircher Kulturgesellschaft zum Outfit mit dazu. Bereits am Eingang werden die Gäste persönlich begrüßt, einmal Hände desinfizieren, danach auf die Linien auf dem Boden achten – und natürlich den Mund-Nasen-Schutz nicht vergessen. Aber auch hier hat das Team vorgesorgt und Einwegmasken für den seltenen Notfall bereitgelegt. „Die Leute haben sich an all die Dinge gewöhnt, beim Einkaufen, in öffentlichen Gebäuden. Das funktioniert alles sehr gut“, zieht Lößner kurz vor Konzertbeginn ein erstes Resümee. Auch er freut sich, dass es wieder losgeht. „Wir als Veranstalter brennen darauf, endlich was zu machen. Das ist unser Geschäft“, sagt er. Der Neustart im „Club Gebläsehalle“ sagt er, ist im kleinen Rahmen. „Man schüttelt die letzten sechs Monate nicht so einfach ab. Nach einem halben Jahr mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept haben wir jetzt ein gutes Gefühl“, sagt er.

Tickets zum ausverkauften Neustart gab es ausschließlich Online, am Empfang zählte der Name. Dafür gab es von einer netten, jungen Dame die Tischnummer. Doch auch hier mussten die Konzertbesucher nicht selbst auf die Suche gehen, sondern wurden an den Tisch gebracht. Für Eva Mersdorf war es die erste Reihe, Oberbürgermeister Jörg Aumann hatte zwar in der letzten Reihe, dafür aber auf einem der gemütlichen Ohrensessel Platz genommen. „Es wird Zeit, die Leute haben einfach Lust und das Interesse ist groß. Es sind Zeiten, in denen man flexibel sein muss, das sehe ich auch für zukünftige Veranstaltungen so“, sagte er. Bei den Gästen, die beim Neustart dabei waren, kam das Konzept sehr gut an. „Ich finde das sehr angenehm, viel schöner als ein voller Saal. Es hat so viel Atmosphäre. Auf jeden Fall muss man dieses Angebot unterstützen“, sagte Martina Schneider aus Ottweiler. Das Hygienekonzept als absolut ausgewogen und gut befand Nina Sepeur aus Dudweiler. Sie hatte sich die letzten Tickets gesichert, war am Abend zuvor schon auf einem Konzert des Trios InMitten. „Ich habe hier absolut keine Sorge, mich anzustecken. Das ist alles sehr gut organisiert“, lobte Heinz Seger aus St. Wendel, und lehnte sich an seinem Tisch mit einem Glas Wein zurück, um endlich wieder Livemusik in einer Halle zu genießen. Die kam von Amby Schillo, Hannah und Francesco Cottone. Mitgebracht hatten die drei viele, sehr gefühlvolle Songs, zumeist aus der eigenen Feder, ab und an aber auch Cover-Songs. Denen verliehen sie mit ihren Arrangements einen ureigenen Charakter. In der Pause sorgten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Nachschub in Form von Getränken an den Tischen.

Und auch nach dem Konzert, bei dem die Zugabe nicht fehlen durfte, blieben viele Besucher noch ein bisschen sitzen und genossen sichtlich, endlich wieder Teil eines Live-Erlebnisses gewesen zu sein. „Ich bin froh, dass die Kulturgesellschaft den Mut besessen hat und mit der Club-Atmosphäre den Neustart wagt. Mein klarer Appell geht an die Kommunen im Land: Verharrt nicht weiter und lehnt alles ab, überprüft, findet Wege und gebt den Künstlern die Gelegenheit, wieder auf der Bühne zu stehen“, erklärte Amby Schillo. Auch er genoss die schöne Atmosphäre. „Als Profi ist es gleich, ob du vor 800 Leuten oder in einer Club-Atmosphäre wie hier spielst“, sagte er. „Die Kunst und Kultur sind zurück! So richtig bewusst, was einem gefehlt hat, wurde es mir erst, als ich endlich wieder auf einer richtigen Bühne stand“, ergänzte Francesco Cottone. Die Bewährungsprobe hat der „Club Gebläsehalle“ bestanden – die Kulturgesellschaft freut sich auf viele weitere Veranstaltungen. „Oh, Freiheit der Kunst. Geht’s auch ne Nummer kleiner?“- zitierte Markus Müller – Nein! Geht es nicht . . . leider!