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Ausstellung im Arthouse in Neunkirchen

Ausstellung in Neunkirchen : Farbstarke Schau im Arthouse

Die Gemeinschaftsausstellung „Farben = Emotionen“ ist bis 15. Oktober im Arthouse in Neunkirchen zu sehen. Am 6. Oktober findet ein Nachmittag mit den Künstlern statt.

Der Mythos des künstlerischen Einzelkämpfers wird derzeit im Arthouse Neunkirchen in Frage gestellt. Wie man dort noch bis 15. Oktober sehen kann, vermag sich künstlerische Kreativität durchaus zu potenzieren, wenn man gemeinsam arbeitet. Die unter dem Motto „Farben = Emotionen“ ausgestellten Werke entstanden während dreier Symposien vor Ort. Voller Schaffensdrang und Neugier hatten sich Hausherr Jürgen Trösch, Anastasia Weisbeck, Alexander Burton und Hermann Weis zunächst im Dezember drei Tage im Atelier eingeschlossen – um zu produzieren, wie Kunsthistorikerin Brigitte Quack bei der Eröffnung verriet. Die Intensität des Prozesses überraschte das Quartett und bewog es, zeitnah zwei weitere Symposien zu realisieren: im Februar und zuletzt im Juli. „Krass, wie wir aufeinander gewirkt haben“, wunderte sich Gastgeber Trösch.

„Zeitintensive Beschäftigung mit der Kunst zeigt, was alles entstehen kann“, postete Weis im Internet. „Kraftvolle bunte, aber auch schwarz-weiß gestaltete Leinwände, meist großformatig, kommunizieren mit den Arbeiten von anderen Künstlern auf eine Art und Weise, die es in sich hat.“

„Mit Farben ausgetobt“ hat sich Anastasia Weisbeck. Sie entdeckte Blattgold und reliefartige Oberflächenstrukturen für sich und ging „einen großen Schritt in die farbige Abstraktion“, so Quack. Anders als seine Kollegin, die schon als Kind malte, fand Alexander Burton den Zugang zu Pinsel und Farben erst 2019 nach einer schweren Fiebererkrankung. Während der Symposien schuf er völlig Neues: „Zweigeteilte Bilder, die sich unter anderem mit unserer Corona-Zeit beschäftigten.“ Hinzu kommen „beeindruckende monochrome Farbräume, die von Extremen, Hell und Dunkel, durchwirkt sind.“

Jürgen Trösch und Hermann Weis steuern vorwiegend informelle Leinwandarbeiten bei. Zu schade, dass man den Schaffensprozess von Weis nicht mitdokumentierte. Entstanden seine Bilder doch mithilfe der großen, frei im Kirchenschiff hängenden Schaukel in einer „schnellen spontanen Maltechnik, aus der eigenen Körperbewegung heraus“. Experimentell ist Weis auch in der Wahl der Malmittel, darunter Acrylfarben, Bitumen, Kohle, Silikatfarben und Holzlasuren. Statt eines Pinsels nutzt er Rakel und Spachtel. Ähnlich wie Trösch. Der Bildhauer schuf mit Rakel ebenfalls auf dem Boden seine schwarz-weißen Gemälde, angesichts derer Brigitte Quack schon mal Parallelen zu Gerhard Richter zieht.

Als Quereinsteiger kamen weitere fünf Künstler ins Boot. Zum einen Marion Kaufmann, die neun ausdrucksstarke tönerne Köpfe ihrer Serie „Der Name der Rose“ zeigt. Originelle Monotypien mit Plastiktüten stellt Hanno Huwer aus. Eugen Wassermann fasziniert mit seinen Metall- und Glasobjekten. Immer häufiger nutzt er LED-Technik, um mit Licht gestalten zu können. Als Werkstoff dienen dem diplomierten russischen Künstler recycelte Glasscheiben. Visionär wirkende Werke, fantasievoll und farbenprächtig, steuert Inge Faralisch-Schäfer bei. Richtig rund wird die Schau schließlich durch Fotos von Manfred Schmitt: Makroaufnahmen zweier Flaschen in Spektralfarben, transzendent und zart. Das galt einmal mehr für die Solostücke von Lou Rottländer. Die 16-jährige Musikerin, die vor fünf Jahren zur Harfe fand und auch selbst malt, überzeugte mit mehreren Stücken. Ihr virtuoses Spiel verlieh der Vernissage eine ganz besondere, poetisch-zauberhafte Nuance. Und bewies: Auch Klangfarben sind Emotionen pur.

Geöffnet ist die unter Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Jörg Aumann stehende Ausstellung jeden Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr sowie samstags von 11 bis 13 Uhr in der ehemaligen Herz Jesu Kirche, Kleiststraße 32. Jürgen Trösch, Galerist und Künstler, lädt für Mittwoch, 6. Oktober, 14 Uhr, zu einem besonderen Nachmittag ein: „Kunst – Dialog – Musik“. Zu diesem Termin sind die Künstler und Künstlerinnen anwesend.