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Auf der Holzkiste ins Lese-Paradies

Auf der Holzkiste ins Lese-Paradies

Ottweiler. Vielleicht sollte man den Tag des Vorlesens nicht auf einen Freitag, den 13. legen. In dem Fall half auch der selbstbewusste Titel der parallel laufenden Kampagne des Deutschen Bibliotheksverbandes nichts. "Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek" mit dem in Idar-Oberstein lebenden Autor Armin P. Faust war in Ottweiler kein wirklicher Besuchermagnet

Ottweiler. Vielleicht sollte man den Tag des Vorlesens nicht auf einen Freitag, den 13. legen. In dem Fall half auch der selbstbewusste Titel der parallel laufenden Kampagne des Deutschen Bibliotheksverbandes nichts. "Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek" mit dem in Idar-Oberstein lebenden Autor Armin P. Faust war in Ottweiler kein wirklicher Besuchermagnet.Schade um den kurzweiligen Abend, der weit mehr als die angekündigte "Hunsrück-Literatur" zu bieten hatte. Zum Beispiel eine Begegnung mit Erich Mielke auf dem Londoner Highgate-Friedhof, wo die gebürtige St. Wendelerin Helene "Lenchen" Demuth im Familiengrab neben Karl Marx ihre ewige Ruhe gefunden hat. Oder Hintergrundwissen zu Wilhelm Busch, über dessen Grafik Faust promovierte. Auf Einladung von Bibliothekarin Bärbel Franz, die den gelernten Edelsteingraveur und Gymnasiallehrer schon länger privat kennt, gab der 66-Jährige Einblick in sein literarisches Schaffen. Dabei kam viel Biographisches zur Sprache - Erinnerungen an die Mutter und ihre Philosophie des Glücks in Form von zwei-, vier- oder achtblättrigem Klee ebenso wie Berichte des Vaters aus der Kriegsgefangenschaft. Mit Wonne erinnerte sich Faust an die Holzkiste vorm Küchenofen. Heines "Buch der Lieder" als Kissen unterm Kopf, verschlang der Knabe dort "zwischen Zwiebelschalen und alten Backpulvertüten" einen Kinderbuchklassiker nach dem anderen, "das Paradies auf Erden".Lokalkolorit brachte allenfalls die moselfränkische Mundart ins Spiel, der Faust 1998 ein Mundartwörterbuch widmete. Aus diesem zitierte er einen Aufsatz über den "Däsen" (Sauerteig). Gar nicht säuerlich waren die Vorträge des Flöten-Frauenkreises der Musikschule Ottweiler. Ute Müller-Biehl, Elisabeth Wegmann und Cilly Baltes setzten melodische Kontrastpunkte, die den Sprung von ernster (Faust schrieb "drei Selbstmörder-Bücher") zu leichterer Kost vereinfachten. In letztere Kategorie gehört Fausts wohl kürzestes Werk. Ganze zwei Sätze umfassend, geißelt sein Alter Ego Herr F. darin eine Werbetafel für "Honig aus eigener Schlachtung". nig