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Späte Winterkälte
Auch Vögel tanken Sonne gegen die Kälte

Bei Dauerfrost kann man den Vögeln im heimischen Garten auch etwas zu trinken hinstellen.
Bei Dauerfrost kann man den Vögeln im heimischen Garten auch etwas zu trinken hinstellen. FOTO: Franjo Schmitt
Neunkirchen. Der Nabu Neunkirchen gibt Tipps. Nach einer eisigen Nacht haben Vögel morgens Hunger. Von Heike Jungmann

Wer in der Morgendämmerung oder am frühen Abend ihr fröhliches Zwitschern hört, mag sich wundern: Singen Amseln und Meisen schon den Frühling herbei, obwohl der Winter mit aller Macht zurückgekehrt ist? „Die Vögel sind bereits in Vorbalzstimmung, obwohl es jetzt so kalt ist“, erklärt Stefan Sauer. Die milde Witterung Anfang Februar habe dazu beigetragen. Allerdings verhalten sich die Vögel derzeit bei Dauerfrost eher ‚doucement’“, ergänzt der erste Vorsitzende des Nabu Neunkirchen. Dank ihres natürlichen Instinkts warten sie ab, bis die Kälte vorüber ist, dann legen sie „richtig“ los. Wenn die Vögel jetzt brüten würden, würden ihre Eier erfrieren. Überrascht vom heftigen Kälteeinbruch wurden in der vergangenen Woche einige Kraniche, die ihren Zug schon begonnen hatten. Der Kranichzug wurde zwar jetzt gestoppt, aber die Vögel, die bereits hier sind, haben mit der Witterung zu kämpfen. „Hier trennt sich die Spreu vom Weizen“, weiß Stefan Sauer. Wer genügend Fettreserven habe, könne überleben, geschwächte Tiere hätten schlechte Chancen. Grundsätzlich solle man die Vögel jetzt in Ruhe lassen und etwa Hunde, die sie aufschrecken können, nicht frei laufen lassen, rät der Naturschutzbund. Allgemein gelte bei diesen Temperaturen in der Tierwelt, dass sie sich tagsüber ein Polster anfressen. Es ist zwar bitterkalt, aber es liegt kein Schnee, und von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang könnten die Vögel deshalb noch Nahrung finden. Ein paar Tage könne man jetzt auch zufüttern, etwa mit Meisenknödeln, das erleichtere die Futtersuche. „Ganz wichtig ist jedoch, dass man die Futterstelle hygienisch sauber hält“, betont Sauer. Hier durchmischen sich nämlich verschiedene Vogelarten und können sich etwa durch den Kot mit Krankheiten anstecken. Gleiches gilt für die Nistkästen, die man übrigens das ganze Jahr über aufhängen kann. Vögel bewohnen diese, weil sie Schutz vor eisiger Kälte bieten. Sobald der Frost aufgeht, sollte man das alte Nest im Kasten entfernen und diesen von Kot säubern. Bei Dauerfrost sollte man den Vögeln auch etwas zu trinken hinstellen. Wenn kein Schnee liegt und keine offenen Wasserstellen in der Nähe sind, nehmen sie das Angebot gerne an. Eine flache Schale mit frischem Wasser genügt. Die Schale sollte immer gereinigt sein, bevor man frisches Wasser nachfüllt, informiert der Nabu.


Wer grundsätzlich etwas für die heimische Tierwelt tun will, kann im Frühjahr Garten und Vorgarten unter diesem Aspekt unter die Lupe nehmen. Auffallend ist, dass unkrautfreie Steinwüsten immer mehr Vorgärten erobern, weil sich die Hausbesitzer die Gartenarbeit erleichtern wollen. „Steriler geht es nicht mehr“, spricht Stefan Sauer ein „wachsendes“ Problem an. Dabei haben gerade Vorgärten und kleine Grünflächen eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt. Der Nabu habe deshalb die Aktion „Lebendige Vorgärten“ gestartet. Es gebe auch pflegeleichte Varianten, den Vorgarten zu gestalten. Wer in seinen Garten Tiere locken und beobachten möchte, sollte auf jeden Fall auf heimische Sträucher zurückgreifen. Sie sind für viele Tiere eine wichtige Nahrungsquelle. Heimische Sträucher sind im Übrigen anspruchsloser und widerstandsfähiger, auch gegen Schädlinge und witterungsbedingte Einflüsse. Wie die Eiseskälte in diesen Tagen.