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Diakonie-Klinikum Neunkirchen
Drohen Kündigungen am Diakonie-Klinikum?

Im Diakonie-Klinikum Neunkirchen bangen Mitarbeiter um ihren Job.
Im Diakonie-Klinikum Neunkirchen bangen Mitarbeiter um ihren Job. FOTO: Willi Hiegel
Neunkirchen. Im Neunkircher Krankenhaus bangen Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze. Die Gewerkschaft verdi schlägt Alarm. Von Michael Beer

Unruhe im Neunkircher Diakonie-Klinikum: Offenbar stehen dort betriebsbedingte Kündigungen im Raum. Unter den Beschäftigten gab es seinerzeit viel Rumoren, als aus dem Städtischen Klinikum Neunkirchen eine konfessionelle Einrichtung wurde. Die Stiftung Kreuznacher Diakonie stieg 2015 mit 94,9 Prozent bei dem angeschlagenen Haus ein und schuf das Diakonie-Klinikum Neunkirchen. Die Stadt Neunkirchen ist mit 5,1 Prozent der Anteile an Bord geblieben. Jetzt dürfte sich mancher Gegner des Verkaufs vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung bestätigt fühlen. Es geht um die Abteilungen Verwaltung und Technik, wie ein Informant der SZ mitgeteilt hat. Die sollen demnach nach Bad Kreuznach verlegt werden. Wer den neuen Arbeitsort nicht akzeptiere, dem werde gekündigt. Michael Quetting, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei verdi, erläutert auf SZ-Nachfrage, die ersten betriebsbedingten Kündigungen seien sowohl im Diakonie-Krankenhaus als auch im Fliedner-Krankenhaus geplant. Bei der Mitarbeitervertretung (MAV) lägen wohl acht Kündigungsbegehren der Kreuznacher Diakonie vor.


Die Kreuznacher Diakonie, so die Gewerkschaft weiter, wolle die Verwaltungen und technischen Abteilungen in ihren verschiedenen Standorten auflösen und in ein neu zu bildendes „Service Center“ überführen. Ohne wirksame Mitbestimmung und verweigerten Tarifvertrag stünden die Beschäftigte jetzt ohne umfangreiche Rechte da.

Inwieweit die Stadt Neunkirchen bereit sei, die von ihr beim Verkauf gestellten Altbeschäftigten zu übernehmen, sei noch nicht bekannt. Gewerkschaftssekretär Michael Quetting sagt, er habe Anfang Juli Oberbürgermeister Jürgen Fried um eine Stellungnahme gebeten. Das habe der auch versprochen. Quetting: „Bis heute vermisst die Belegschaft aber die Unterstützung durch die Stadt.“ Quetting verlangt jetzt einen Überleitungstarifvertrag und eine schuldrechtliche Erklärung, dass die Anwendung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst weiter gelte. Quetting: „Ein Sozialplan wäre ein Mindeststandard im zivilisierten Europa.“ Der Gewerkschaftssekretär erklärt weiter: „Wir erwarten von einem Träger der Diakonie, dass sie die Patienten und die Beschäftigten in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen. Es ist unverschämt, jetzt von langjährigen Angestellten, die zum Teil schwerbehindert sind, zu verlangen, dass ihr Arbeitsplatz in Bad Kreuznach ist, ansonsten erhalte man die Kündigung. Das ist skrupellos und einer kirchlichen Einrichtung nicht würdig.“ Wenn der Träger sich nicht in der Lage sehe, das Krankenhaus zum Wohle der Patienten und Beschäftigten zu führen, dann sei die Gewerkschaft verdi bereit, das Haus in Form einer Genossenschaft zu übernehmen.



Mitarbeiter-Vertretung und Geschäftsführung waren gestern Abend nicht mehr im Klinikum für eine Stellungnahme erreichbar. Das Service-Center war bereits im Juli öffentliches Thema (die SZ berichtete). Pressesprecherin Kristina Rogoß hatte dabei geäußert, in den vergangenen Jahren sei das Unternehmen stark gewachsen. Der Größe und der Vielzahl der Angebote entsprechend müssten die organisatorischen und technischen Strukturen der Stiftung Kreuznacher Diakonie angepasst werden. Für die allermeisten in Verwaltung und Technik ändere sich nichts – außer der organisatorischen Zuordnung.