Amtsübergabe in Neunkirchen: Aumann ist neuer OB, Fried im Ruhestand

Kostenpflichtiger Inhalt: Stabwechsel : „Neunkirchen ist ein Mut machendes Beispiel“

Amtsübergabe in der Gebläsehalle: Oberbürgermeister Jürgen Fried in den Ruhestand verabschiedet, Jörg Aumann zum OB ernannt.

„Wenn ich nun die Amtskette ablege, so tue ich dies mit dem guten Gewissen, stets immer das Beste für unsere Stadt gewollt zu haben. Den äußeren Strukturwandel habe ich fortgeführt, aber auch den inneren Wandel vorangetrieben. Insoweit würde ich mich freuen, wenn die geleistete Arbeit auch weiterhin Früchte tragen würde.“ Das sagte der Neunkircher Oberbürgermeister Jürgen Fried gegen Ende seiner Abschiedsrede. Die 350 Gäste in der Gebläsehalle würdigten Frieds Leistung als OB stehend mit lang anhaltendem Applaus. Sie waren am Montagabend zur Feierstunde anlässlich der Übergabe des Oberbürgermeisteramtes an Jörg Aumann in die Gebläsehalle gekommen.

Jürgen Fried beschrieb in seiner Ansprache noch einmal seinen Neunkircher Weg. Dabei gehe es zum einen um den äußeren Strukturwandel von der Montan- zur Industrie- und Dienstleistungsstadt. Fried: „Der äußere Strukturwandel wurde von meinen Vorgängern Friedrich Decker und Peter Neuber in sehr kurzer Zeit zum größten Teil geschafft.“ Dann gebe es aber auch den inneren Wandel: „Damit meine ich die Verbesserung der sozialen Situation, die notwendige Imagebildung nach außen, aber auch das Identitätsstiftende nach innen.“ Um diesen doppelten Strukturwandel zu meistern, habe man vor zehn Jahren vier Handlungsfelder aufgelegt: Arbeit und Wirtschaft, die Soziale Stadt, Freizeit, Sport und Kultur sowie neue Urbanität. Dabei sei vieles gelungen. Fried zählte einige Beispiele auf, erwähnte aber auch die Bedeutung der Kultur: „Aus dem Kulturbereich heraus soll sich ein neues aktives Selbstverständnis der Bürgerinnen und Bürger entwickeln, ein Nährsubstrat für mehr Bildung, mehr multikulturelles Miteinander und mehr Zufriedenheit.“

Fried: „Wenn man von einem richtigen Weg überzeugt ist, muss man ihn gehen. Ich bin fest überzeugt, dass wir das Richtige getan haben, um diese Stadt zukunftsfähig zu machen.“

Viel Lob für den scheidenden Oberbürgermeister gab es von den Festrednern des Abends. „In Neunkirchen weiß man, was Strukturwandel ist“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans mit Blick auf die aktuelle Entwicklung im Land. Jürgen Fried habe sich um die Dinge in seiner Stadt gekümmert, „er war ein guter OB“, so Hans, der ihm im Namen der Landesregierung Dank sagte.

Es sei außerordentlich wichtig, dass es Beispiele eines gelingenden Strukturwandel gebe, unterstrich Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger: „Neunkirchen ist für uns das Mut machende Beispiel für das Saarland.“

Der Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt würdigte Frieds Engagement als Präsident des saarländischen Städte- und Gemeindetages: „Du warst das Gesicht der Städte und Gemeinden im Saarland.“ Er habe deren Interessen immer vertreten. Fried habe die Gestaltungsmöglichkeiten genutzt, seine Stadt voranzubringen. Schmidt: „Das erreicht man durch harte Arbeit und Verbindlichkeit.“

Nach Frieds Abschiedsrede sang Matthias Stockinger „Let it be“ von den Beatles, übersetzt: „Lass es geschehen“. Und so kam es dann. Oberbürgermeister Jürgen Fried ernannte in einer schlichten Zeremonie Jörg Aumann zum neuen Oberbürgermeister. Jörg Aumann überreichte Fried anschließend die Entlassungsurkunde und versetzte ihn damit in den Ruhestand. Abschließend bekam er die Amtskette.

In ihren Ansprachen waren die Festredner zuvor natürlich auch auf den angehenden OB eingegangen, hatten ihm viel Erfolg gewünscht. Jörg Aumann sei jemand, der sich akribisch in die Themen einarbeite, sagten sowohl Tobias Hans als auch Anke Rehlinger. „Heute wirst Du auf das städtische Fahrrad gesetzt“, betonte Hermann Josef Schmidt: „Fahr los.“

Die Fahrt-Richtung deutete Aumann dann in seiner Rede schon an: „Neunkirchen hat sich hervorragend entwickelt, und diesen Weg will ich fortsetzen.“ Sorgen bereiteten die dunklen Wolken am Konjunkturhimmel. Über 2500 Arbeitsplätze in der saarländischen Stahlindustrie sollen wegfallen, es wäre blauäugig anzunehmen, Neunkirchen käme dabei ungeschoren davon. Aumann: „Ebenso Sorgen bereiten uns der Klimawandel und die Herausforderungen insbesondere der Migrationspolitik. Wir müssen den Weg weitergehen, in unserer Stadt den Mittelstand und den Handel zu stärken, als Gesundheitsstandort unsere herausgehobene Stellung im Ostsaarland auszubauen.“ Er wolle ein Radwegekonzept für Neunkirchen erstellen. Probleme bereite in der Innenstadt der Zustand vieler Immobilien. Hier plädierte Aumann wie Fried für ein Wohnungsaufsichtsgesetz. Er wünsche sich auch mehr Einsatz der Bürger: „Eigenverantwortung und bürgerschaftliches ehrenamtliches Engagement sind Stützen unserer Gesellschaft.“ Aumann: „Unsere Stadt befindet sich seit vielen Jahren in einem stetigen Wandel. Ich wünsche mir manches Mal etwas mehr Bereitschaft zur Veränderung, und auch etwas weniger Beharren auf Gewohntem und Vertrautem.“

Aumann abschließend: „Wir sollten den Blick gemeinsam nach vorne richten und zusammen alles tun, dass Neunkirchen seine Stellung als größte und wichtigste Stadt des Saarlandes nach Saarbrücken nicht nur behält, sondern auch ausbaut. Das geht nur mit Mut und Freude auf das, was kommt. Und mit Zupacken.“

Stehend applaudierten die Besucher der Feierstunde Oberbürgermeister Jürgen Fried und würdigten so sein Engagement für Neunkirchen. Foto: Thomas Seeber

Erstklassige musikalische Beiträge bereicherten die Feierstunde, vorgetragen von Kulturschaffenden aus Neunkirchen. So begeisterten die Musikfreunde Hangard gleich zu Beginn, kamen Nino Deda und Michael Marx mit ihrem Gitarren- und Akkordeon-Duo bestens an und sorgte Matthias Stockinger für den klangvollen Abschluss. Die Moderation lag in den bewährten Händen von Markus Müller.