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Kolumne Unsere Woche
Altenheim als Schreckgespenst

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Das Interesse an der Stadtratssitzung in Ottweiler war am Dienstag so groß, dass noch ein paar Stühle in die Zuhörer-Reihen geschoben wurden. Das Aufrege-Thema war dabei auf den ersten Blick gar nicht auszumachen.

Die Tagesordnung las sich eher etwas technokratisch - nicht unbedingt spannend. Das sahen Anlieger des Wohngebietes Betzelhübel ganz anders. Ging es doch unter anderem um einen Grundsatzbeschluss zu ihrem Wohngebiet. Der Saarländische Schwesternverband überlegt, dort ein Altenheim zu bauen. Der Betzelhübel ist nämlich nicht, wie sich vermuten ließe, ein reines Wohngebiet. In Richtung Steinbach hat er auch ein Areal, das nach den Plänen von Anfang der 200er Jahre für Gewerbe vorgesehen ist. Stilles Gewerbe wohlgemerkt, denn natürlich wollte die Stadt den Häuslebauern keine stinkenden und knatternden Betriebe vor die Tür setzen. Aus dem Gewerbe ist über die Jahre nichts geworden. Nun könnte dort ein Gebäude für Senioren und Pflege entstehen.


Klingt zunächst nicht schlecht. Aber einige Anlieger haben in der Einwohnerfragestunde am Mikro massive Bedenken angemeldet. Sie fürchten eine steigende Lärmbelastung durch den Verkehr, den ein solches Haus mit seinen Mitarbeitern, mit Gästen, Besuchern, Ärzten, Krankenwagen oder Therapeuten mit sich bringt. Ein Anwohner brachte auch seine Befürchtung zum Ausdruck, der Wert seiner Immobilie werde sinken, wenn es zu dem Bau kommen sollte. Von Protesten gegen Kita-Neubauten war in der Vergangenheit schon desöfteren zu hören. Aber ein Altenheim? Natürlich wird es mehr Straßenverkehr am Betzelhübel geben, wenn das Haus mit geplant 45 Wohneinheiten denn käme. Natürlich kann man auch darüber nachdenken, ob es nicht im Zentrum der Stadt besser aufgehoben wäre. Aber ein Altenheim als Lärmbelästigung? Der Schwesternverband plant sicher keine Einrichtung speziell für Hartrock-Fans in reiferen Jahren.