Aktionsbündnis „Bunt statt Braun“ demonstriert auf dem Lübbener Platz und zeigt Präsenz gegen eine Mahnwache

Lübbener Platz in Neunkirchen : Eine Demonstration gegen Fremdenhass

Mahnwache für mehr Polizei stehen Bürger gegenüber, die für Toleranz eintreten. Polizei: Alles blieb friedlich.

Zwei zu eins, so stellte sich am Samstagnachmittag das Kräfteverhältnis auf dem Lübbener Platz dar. Vor der Burger-King-Filiale hatten sich etwa 50 Teilnehmer um Organisator Dennis Müller zu einer Mahnwache eingefunden. Ohne Banner oder Plakate demonstrierten sie für „ein Neunkirchen, in dem wir gut und gerne leben“, wie es hieß. Rund 100 Mitstreiter und Sympathisanten des Aktionsbündnisses „Bunt statt Braun“ positionierten sich ihnen gegenüber in Sichtweite auf der Brücke. Beobachtet wurden die beiden Gruppen aufmerksam von vier Polizisten. „Wir sind mehr“, stellte Jan Schley von der Einsatzleitung klar. Kollegen in weiteren Einsatzwagen warteten in Reichweite, um sofort eingreifen zu können, sollte es auf dem Platz zu Auseinandersetzungen kommen.

Ruhige Stimmung

Dazu kam es aber nicht. Die Auflagen der Versammlungsbehörde wurden weitgehend erfüllt: keine Trillerpfeifen, keine Megaphone, friedliche Grundstimmung. Es gab auch keinerlei Redebeiträge – auf beiden Seiten. Von rechter Lokalprominenz und den angekündigten Hammerskins fehlte jede Spur.

„Ich hatte mir ein paar mehr Leute erhofft“, äußerte Müller, Mitglied der Partei Die Linke. Seiner Meinung nach „verkommt Neunkirchen immer mehr zu einer asozialen Stadt, in der Bulgaren, Rumänen und Co. die Oberhand gewinnen“, wie er im Internet verlautbart. Wobei der Lübbener Platz als Versammlungsort besonders auffällig sei. „Wir möchten, dass das Sicherheitskonzept überarbeitet wird“, nannte Müller am Samstag seine zentrale Forderung, einhergehend mit dem Wunsch nach mehr Polizeipräsenz.

Sicherheitslage hat sich verbessert

„Das wünsche ich mir auch“, äußerte Bürgermeister Jörg Aumann 50 Meter entfernt. Er habe Verständnis dafür, dass die subjektive und objektive Wahrnehmung der Sicherheitslage in der Stadt auseinanderfalle. „In den letzten Jahren hat es starke demographische Veränderungen gegeben“, die viele Bürger beunruhige. Umso wichtiger sei es, bei den Fakten zu bleiben: „Die objektive Sicherheitslage in Neunkirchen verbessert sich seit Jahren auf allen Feldern: weniger Raub, weniger Körperverletzung, weniger Einbrüche.“ Was die Polizei bestätige. Letztlich ist dies auch der Grund dafür, dass es vorerst keine City-Wache in Nähe des Lübbener Platzes geben wird oder eine „gemeinsame Streife von Ordnungsdienst und Polizei“. Für beides setzt sich Aumann ein, bisher allerdings erfolglos.

Präsenz zeigen

Für Pfarrer Uwe Schmitt, der die „Bunt statt Braun“-Aktion initiiert hatte, ging es am Samstag vor allem darum, präsent zu sein und Präsenz zu zeigen, „dass wir uns nicht von der rechten Welle überrollen lassen“. Zwei Stunden sollte die Mahnwoche dauern. Angesichts der frostigen Temperaturen meinte Schmitt optimistisch: „Wir hoffen, dass sie bald kalt kriegen.“ Nach Auskunft der Polizei Neunkirchen blieb denn auch alles friedlich.