Wünsche fürs neue Jahr: Achtsam und gelassen sein

Wünsche fürs neue Jahr : Achtsam und gelassen sein

2018: Was Menschen im Kreis Neunkirchen für sich und die Welt wünschen.

Quasi druckreif diktierte der Eppelborner Priester und Lurçat-Kunstexperte Matthias Marx seine Wünsche fürs neue Jahr – reine Routine. Formuliert er doch regelmäßig fürs Radio unter der Rubrik „Innehalten“ eine Zwei-Minuten-Predigt. Ganz allgemein wünscht Marx, dass „alle, die öffentlich Verantwortung tragen, mit klarem Kopf und weitem Herzen dem Einzelnen und der Allgemeinheit dienlich sind“. Beruflich hofft der Leiter des Dekanats Illingen darauf, dass „alle mithelfen beim Abbau von Ängsten“, die viele Gläubige beim Blick auf den „Zustand der Kirche von heute“ beschleichen. Grund zum Optimismus gibt es immer, „weil Gott seine Hand im Spiel hat“. Mit Blick auf seine ehrenamtliche Tätigkeit wünscht sich Marx, dass das Jean-Lurçat-Museum „kein Geheim-Tipp bleibt“.

Für Aline I., Rosenkönigin im Landkreis Neunkirchen, ist 2018 Schluss mit der Blaublütigkeit. „Ich habe meine Amtszeit bereits verlängert“, verrät die Einzelhandels-Kauffrau. Die drei Jahre als Aushängeschild für den Rosenkreis seien „super interessant“ und spannend, aber auch anstrengend gewesen. „2018 soll so schön wie 2017 werden“, das würde schon reichen. „Ich habe einen neuen Partner kennengelernt“, mit dem sie zusammengezogen ist. Allgemein wünscht sich Aline Schmolze, „dass man mehr auf seine Mitmenschen und die Umwelt achtet und nicht nur an sich denkt. Heute weiß man oft nicht mal, wie der Nachbar heißt.“ Schön für den Rosenkreis wäre, wenn es mehr Privatinitiative gäbe: Statt der sich epidemieartig ausbreitenden Kiesflächen im Vorgarten könnten wieder ein paar Sträucher oder Stauden, vor allem aber Rosen gepflanzt werden.

Auch für Kreisbrandinspektor Werner Thom steht 2018 ein Umbruch an: „Es ist mein letztes Berufsjahr.“ Sorge bereitet dem Sachbearbeiter im Landratsamt „das Sterben des Ehrenamtes“. Politisch müsste da einiges passieren, sowohl was Berlin betrifft als auch vor Ort. Gerade die Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, THW oder DRK verdienen mehr Unterstützung, Wertschätzung und dass man ihnen aktiv „zur Seite steht“. Für sich und seine Familie wünscht sich Thom vor allem eins: „gesund bleiben“.

„Ohne Neuwahlen zu einer handlungsfähigen Regierung zu kommen“, wünscht Norbert Fritsch, Direktor des Neunkircher Zoos, Deutschland. Hier vor Ort würde es ihn freuen, wenn die „weitgehend fertige“ Hyänenanlage – „da arbeiten wir seit Monaten dran, derzeit ist es nur zu matschig“ – im Frühjahr zu Saisonbeginn eröffnet werden kann. „Ein Stück mit dem Drachengarten voran kommen“, lautet ein weiterer Wunsch für „seinen“ Zoo. „Wenn es beruflich gut läuft, geht es mir generell besser, dann klappt es privat auch.“

Allesamt lokal verankert sind die Wünsche von Annelie Scherschel-Freudenberger. Zum Beispiel der nach „weniger Baustellen“ oder wenn doch, dann „besser ausgeschilderte“. Der Vorsitzenden des Künstlerkreises Neunkirchen liegt es für 2018 am Herzen, dass „die Stadt mehr tut für Unternehmen“, die alteingesessenen vorneweg. Gerade am Oberen Markt fühlen sich die Einzelhändler und Dienstleister „im Stich gelassen“, alles dreht sich nur noch „um unten“. Und selbst dort sieht die Bildende Künstlerin Handlungsbedarf: „Mit der Weihnachtsbeleuchtung geht es, aber sonst ist der Parkplatz an der Christuskirche stockdunkel“, gerade beim Kleingeldsuchen für den Automaten fällt das auf. Dringend „frisches Blut“ benötige der Künstlerkreis, weshalb sich Annelie Scherschel-Freudenberger für ihn neue Mitglieder wünscht. Denn: „Wir sterben langsam aus.“ Für sehr gelungen hält sie das KULT, insbesondere über die Bibliothek ist sie „sehr froh“. Noch schöner wäre es, wenn die „tollen Räumlichkeiten“ der städtischen Galerie stärker genutzt würden als nur für drei Ausstellungen pro Jahr.

Markus Müller, Hauptdarsteller des Musicals „The Producers“ und im „richtigen“ Leben Stadtpressesprecher, wünscht sich und seinen Zeitgenossen „mehr Gelassenheit, mehr Leichtigkeit und mehr Achtsamkeit“ – etwa „in der Kommunikation und dem Umgang miteinander“. Womit man möglicher Weise auch der „Hexenjagd-Entwicklungen in den Social Media“ entgegen wirken könne. Fürs Musicalprojekt der Kreisstadt gelte dasselbe „vor, auf und hinter der Bühne, um so das Projekt noch weiter reifen zu lassen‘“. Und „natürlich“ hofft Müller auf ein „volles Haus“ bei der Wiederaufnahme der „Producer“ ab Anfang August. Mit bald 50 Jahren will der Schauspieler und Regisseur zudem versuchen, „mehr Zeit mit den Menschen“ zu verbringen, „die mir wichtig sind“.

Ganz ähnlich geht Dechant Olaf Harig dieses Thema an, zuständig für 41 000 Katholiken in Neunkirchen, Spiesen-Elversberg sowie Schiffweiler. Statt die „Krimmel im Käse“ zu suchen, wünscht er seinen Mitmenschen „mehr Geduld und Friedfertigkeit – im Großen wie im Kleinen“. Oft beobachte er eine „gewisse Unzufriedenheit“, welche „die Sicht auf die vielen kleinen Dinge verblendet“. Für den Wandel in der institutionellen Kirche – sie wird „differenzierter und bunter“ und macht einer „lockeren Form von Gemeinschaft“ Platz – wünscht sich Harig wie schon sein Kollege Marx „mehr Gottvertrauen“. Er selbst feiert 2018 sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Froh wäre er, „weiter so motiviert, glücklich und zufrieden leben und arbeiten“ zu dürfen wie bisher. Ist darüber hinaus noch ein kleiner Bonus drin, wäre das „mehr Zeit und Muße für absichtsloses Lesen“ und „freundschaftliche Kontakte“ wieder mehr zu pflegen.

Zoodirektor Norbert Fritsch. Foto: Picasa
Annelie Scherschel-Freudenberger. Foto: Seeber
Dechant Olaf Harig. Foto: Schneider/Bistum

Die Gedanken von Pfarrerin Britt Goedeking gehen derweil in die Türkei und andere Gebiete, wo es mit Menschenrechten nicht weit her ist. Dass „Freiheit und Respekt für die Menschheit nicht untergehen, sondern wachsen“, lautet ihr größer Wunsch fürs neue Jahr. Für sich selbst und möglichst viel andere erlebbar werden sollte zudem die Jahreslosung 2018: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Gern möchte die Neunkircher Seelsorgerin dazu inspirieren, sich von Gott erfrischen und stärken und „zum Teilen ermutigen zu lassen“.

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