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Illegal entsorgter Müll in Neunkirchen
Der viele Müll nervt in der Stadt

Illegal entsorgter Müll ist auch in der Stadt Neunkirchen ein großes Problem. Der Reinigungsaufwand für den Betriebshof steigt.
Illegal entsorgter Müll ist auch in der Stadt Neunkirchen ein großes Problem. Der Reinigungsaufwand für den Betriebshof steigt. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Neunkirchen. Städtische Mitarbeiter sammeln im Jahr rund 300 Tonnen illegalen Müll im öffentlichen Neunkirchen. Von Michael Beer

Das Thema tauchte über den Sommer gleich mehrfach auf. Ob im Zusammenhang mit Ratten oder einfach nur, weil es nervt: Müll in der Stadt.


An den 61 Standplätzen der Wertstoffcontainer in Neunkirchen werden immer häufiger Hausmüll, Sperrmüll, Bauschutt, Elektrogeräte und ausgediente Einrichtungsgegenstände abgelegt. Wer mit offenen Augen die Wanderwege rund um Neunkirchen und im Kreis ab­geht, trifft aber auch dort immer wieder auf schlimmen Müll-Frevel. Der Zentrale Betriebshof der Stadt muss für die Reinigung der Containerplätze viel Zeit aufwenden. Und dieser Aufwand sei enorm angestiegen, da viele Standplätze täglich gereinigt und dabei Massen von Müll und Unrat weggeräumt werden müssten, so das Rathaus jüngst.

Auch abseits der Container haben die Mitarbeiter der Stadt genug zu tun. 291 225 Meter Fahrbahn muss das Team alle 14 Tage, 19 185 Meter Fahrbahn wöchentlich, 1258 Meter sechmal wöchentlich und 5850 Meter Fahrbahn einschließlich der Bürgersteige zweimal die Woche reinigen. Das ist gebührenpflichtig. Dazu kommen öffentliche Wege, Radwege, Fußwege, die öffentlichen Plätze Grünbeete, Baumscheiben, Friedhöfe, Spielplätze, Bolzplätze und die Grün- und Parkanlagen, wie das Rathaus auf SZ-Anfrage erläutert. Mit der Straßenreinigung sind üblicherweise 18 Mitarbeiter beschäftigt. Grünbeete, Baumscheiben, Friedhöfe, Spielplätze, Bolzplätze und die Grün- und Parkanlagen werden durch die Grünreviere gereinigt, erläutert die Stadtpressestelle. Und sie betont: „Dort verbringen die siebzig Mitarbeiter rund zehn Prozent ihrer Arbeitszeit mittlerweile damit, Abfälle aufzusammeln und die rund 180 Papierkörbe in den Grünanlagen zu entleeren.“



Was an illegalem Müll im Stadtgebiet anfällt, ist enorm. Die Pressestelle des Rathauses: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentralen Betriebshofes sammeln jedes Jahr 300 Tonnen illegalen Müll in Parkanlagen, auf öffentlichen Wegen und Plätzen, an Wertstoffcontainern, im Stadtwald, an Straßenrändern und den Papierkörben ein. Dies entspricht einer Menge von 1200 Kubikmetern, die größtenteils in mühevoller Handarbeit eingesammelt werden muss.“ Was sie dabei alles vorfinden, ist gleichermaßen beachtlich. Die Palette, die achtlose Zeitgenossen der Öffentlichkeit zumuten, reiche von der eben mal weggeschnippten Zigarette über Bauschutt, Hausmüll, Getränke- und Lebensmittelverpackungen, Flaschen, Altreifen bis zu kompletten Wohnungseinrichtungen, Matratzen und Schlachtabfällen. Das Rathaus: „Stark zugenommen hat auch die illegale Entsorgung von Hausabfällen in öffentlichen Papierkörben, die dadurch in einigen Bereichen bereits unmittelbar nach der Entleerung wieder überquellen.“

Die Stadt hat schon im Sommer in Bezug auf Ratten an den Containerplätzen den Entsorgungsverband Saar, EVS, angegriffen.

Das Identsystem, bei dem der Bürger bei weniger Leerungen der Mülltonnen auch weniger bezahlt, sieht die Verwaltung zwiegespalten. Das System habe einerseits dazu geführt, dass vermehrt Wertstoffe odnungsgemäß entsorgt und einer Wiederverwertung (Duales Sytem/Gelber Sack, Wertstoffcontainer, Papiertonne, Wertstoffhof) zugeführt und verstärkt Bioabfälle getrennt vom Restmüll über die Biotonne und den Grünschnittsammelplatz entsorgt werden.

Die Kehrseite der Medaille sei jedoch die illegale Entsorgung von Restmüll und Sperrabfall. Dazu zähle auch das falsche Befüllung von Gelben Säcken. Das Rathaus erläutert: „So werden beispielsweise gebrauchte Babywindeln, Essensreste oder benutzte Damenbinden von einigen Haushalten zum Wertstoff ,erklärt’ und den Gelben Säcken beigegeben. Diese werden dann vom zuständigen privaten Entsorgungsunternehmen nicht abgefahren. Da die Verursacher diese Säcke nicht zurücknehmen und sich ihrer Verantwortung entziehen, müssen diese beziehungsweise deren Inhalt, wenn er sich nach Aufplatzen der Säcke über die gesamte Fahrbahn verbreitet, von der Stadtreinigung entsorgt werden.“
Wäre ein anderes System der Müllabfuhr besser?

Im Saarland gibt es innerhalb des EVS neben dem Identsystem auch noch die Verwiegung als Option, wie sie St. Ingbert 2011 eingeführt hatte. Aber auch darin sieht die Verwaltung keine bessere Lösung: „Aus Sicht des Betriebshofes würde sich die Situation der illegalen Abfallentsorgung bei einer Verwiegung von Haus- und Biomüll noch verschärfen.“

Der Stadt bleibt nur der Appell, den Müll auf den richtigen Wegen zu entsorgen. Und sie weist darauf hin, dass es kein Kavaliersdelikt sei, seine Abfälle einfach am nächsten Wertstoffcontainer abzuladen. Dabei handele es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werde. Müllsünder zu überführen hänge letztlich von deren Cleverness und der Anzeigenbereitschaft der Bevölkerung ab. Videoüberwachung habe die Landesdatenschutzbeauftragte bisher an den Standplätzen nicht genehmigt.