Neun Euro mehr machen den Brei nicht fett

Neun Euro mehr machen den Brei nicht fett

Um fast 50 Prozent sind die Kartoffelpreise im vergangenen Jahr gestiegen. Preiserhöhungen für Grundnahrungsmittel treffen Hartz-IV-Bezieher besonders hart. Ihr Regelsatz stieg nur um 2,27 Prozent.

. Benzin ist wieder billiger und die Preise für Fernseher und Computer sind im Sinkflug. Gut für Otto Normalverdiener, aber wer nur geringfügig beschäftigt ist oder gar keinen Job hat, profitiert von der niedrigen Inflationsrate nicht. "Hauptnahrungsmittel wie Brot, Milchprodukte und vor allem Kartoffeln sind deutlich teurer geworden", weiß Thomas Hans vom Caritasverband Schaumberg Blies. Das treffe Hartz-IV-Bezieher besonders hart, betont der Fachdienstleiter Allgemeine Soziale Dienste (ASD). Wie Margit Reinhardt, die zuständig für die Sozialberatung beim ASD ist, "klatschen wir nicht in die Hände vor Freude wegen neun Euro Erhöhung des Regelsatzes."

Seit 1. Januar 2014 haben sich die Regelsätze in der Grundsicherung um 2,27 Prozent erhöht. Ein alleinstehender Erwachsener erhält dann zum Beispiel neun Euro mehr Hartz IV im Monat. Das sei nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, denn allein die Strompreise seien von 2005 bis 2011 um 40 Prozent gestiegen, berichtet Reinhardt. "Die Menschen sind zunehmend von Energiearmut betroffen und sollen sich zwischen Essen und Heizen entscheiden." Es sei zwar möglich, bei Nachforderungen des Stromanbieters ein Darleben beim Jobcenter zu beantragen. Wenn dann noch außerplanmäßige Ausgaben wie der Austausch einer kaputten Waschmaschine kämen, seien die Menschen am Brett. Thomas Hans sieht ein strukturelles Problem. Für die Ermittlung des Regelbedarfs werde das Ausgabeverhalten der untersten 15 Prozent aller Einkommen zugrunde gelegt. Vor 2011 habe man noch die untersten 20 Prozent der Einkommen gemessen. "Die Vergleichsgruppe ist also noch ärmer als zuvor", sagt Hans. Die Folgen spüren Caritas und Diakonie auch bei der Neunkircher Tafel, die mittlerweile rund 11 000 Menschen im Monat mit Lebensmitteln versorge. "Das ist erschreckend", findet Hans. Vor allem Familien mit Kindern seien die Verlierer im System.

Unsere Zeitung fragte beim Jobcenter Neunkirchen die aktuelle Lage nach. Zum Jahreswechsel lebten im Landkreis Neunkirchen 7721 erwerbsfähige und 2883 nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte - also insgesamt 10 604 Menschen - von Hartz IV. Dies entspricht einer Zahl von 5788 Bedarfsgemeinschaften (Haushalten), die auf Leistungen nach dem SGB II angewiesen sind. Im Verhältnis zum Vorjahr ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften gestiegen: um 272 oder 4,9 Prozent.

Vom Regelsatz muss der gesamte Lebensunterhalt der Familie bestritten werden mit Ausnahme der Kosten für Unterkunft und Heizung und der Sozialversicherung.

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