1. Saarland

Neues Zertifikat ziert Unternehmen mit Zukunft

Neues Zertifikat ziert Unternehmen mit Zukunft

Gewinne und Verluste sagen nicht alles über die Stärken und Schwächen eines Unternehmens aus. Wer sich nach einem neuen Arbeitgeber umsieht, will auch wissen, wie und wo er im neuen Job dazulernen kann. Mittelständler, die ihre Belegschaft besonders fördern, können das mit einem neuen Zertifikat dokumentieren.

Der Wert eines Unternehmens wird vorwiegend in Zahlen und harten Fakten gemessen. Aber das greift nicht weit genug: Denn die sogenannten weichen Faktoren bestimmen rund drei Viertel des Unternehmenswertes, wie Diplomingenieur Hans-Günter Kunz und Kai-Uwe Weil der SZ sagten. Kunz ist Geschäftsführer des "Experten-Teams B2B", an dem der TÜV Saarland mit 50 Prozent beteiligt ist. Diplom-Bankbetriebswirt Weil ist mit eigener Firma als Mittelstandsberater unterwegs.

Sie bieten die neue Zertifizierung "1a-Zukunftsunternehmen" an, "ein ganzheitliches Bewertungssystem für Mittelstandsunternehmen". Diese Mittelständler haben etwa 25 bis 250 Mitarbeiter bei einer Bilanzsumme von rund 40 Millionen Euro oder rund 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Basis für die neue Form der Beurteilung ist ein vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenes Konzept, das den eigentlichen Wert des Unternehmens - neben den Finanzkennzahlen - in den Vordergrund stellt. In einem ersten Schritt wird das mittelständische Unternehmen analysiert, das sich zuvor um die Zertifizierung beworben hatte.

Neben den klassischen Feldern wie Strategie und Finanzen stehen die Mitarbeiter und deren Kompetenz, deren Beteiligung an Unternehmensprozessen und die interne Kommunikation im Fokus. Das neuartige Zertifikat, das auch zu Marketingzwecken genutzt werden soll, belegt, dass das Unternehmen als Arbeitgeber "ein gutes Fundament und gute Voraussetzungen für ein ausgezeichnetes Umfeld" zur persönlichen Entwicklung sowie der Stellung im Markt und in der Gesellschaft geschaffen hat.

Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wollen die Experten ihr Zertifikat als "Alleinstellungsmerkmal" verstanden wissen, um dem Fachkräftemangel "erfolgreich zu begegnen". Sie führen selbst die Gespräche in den Mittelstandsunternehmen - und zwar zunächst mit der Geschäftsführung und dann mit den Beschäftigten. Die Ernsthaftigkeit, ja Ehrlichkeit der Antworten werde dabei stets durch Querfragen überprüft. So entstehe ein realistisches Bild der Bedingungen in den zu zertifizierenden Unternehmen. Zumal die Geschäftsführungen ein Interesse daran hätten, sich neuen Marktbedingungen anzupassen und dauerhaft danach zu handeln. Sie wollten erfolgreich sein oder bleiben und gutes Personal bekommen oder behalten. Selbstredend werde die Einhaltung der Inhalte der Zertifikate im Zwei-Jahres-Rhythmus überprüft. Der EU-Sozialfonds trage bis zu 80 Prozent der Zertifizierungskosten.