1. Saarland

Neues Gesetz kostet Jobs "Wir bemühen uns um Stellen für die Betroffenen"Lauer kritisiert Änderungen auf Arznei-Markt

Neues Gesetz kostet Jobs "Wir bemühen uns um Stellen für die Betroffenen"Lauer kritisiert Änderungen auf Arznei-Markt

Merzig. Mit den Auswirkungen der geänderten Arzneimittel-Gesetzte kämpft derzeit das Merziger Pharmaunternehmen Kohlpharma. Wie die Geschäftsleitung mitteilte, werden in der Kohl-Gruppe 150 Arbeitsplätze abgebaut. "Zwangsrabatte wirken sich für die Arzneimittelimporteure ruinös aus", teilte das Unternehmen mit

Merzig. Mit den Auswirkungen der geänderten Arzneimittel-Gesetzte kämpft derzeit das Merziger Pharmaunternehmen Kohlpharma. Wie die Geschäftsleitung mitteilte, werden in der Kohl-Gruppe 150 Arbeitsplätze abgebaut. "Zwangsrabatte wirken sich für die Arzneimittelimporteure ruinös aus", teilte das Unternehmen mit. "Mit den Entlassungen reagiert die Kohl-Gruppe auf die angespannte Ertragslage infolge des erhöhten Herstellerzwangsrabattes und anderer erschwerter Regelungen", sagte Sprecher Karsten Wurzer. Das GKV-Änderungsgesetz und das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz seien Gründe für die Maßnahmen. Bereits im Juni des vergangenen Jahres hatte die Kohl-Gruppe 150 Stellen abgebaut. "Jetzt sollen weitere Umstrukturierungen in der Gruppe zusätzliche Synergien schaffen und die Kosten senken", hieß es. owa

Herr Wurzer, jetzt gibt es zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres schmerzliche Entlassungen bei Ihrem Unternehmen. In welcher Weise können Sie die Kündigungen abfedern?

Wurzer: Zunächst sind wir bemüht, in anderen Unternehmen der Region offene Stellen für die Betroffenen zu finden. Das sind wir unseren Mitarbeitern schuldig.

Wird es zuerst die Personen mit Zeitverträgen treffen? Gibt es betriebsbedingte Kündigungen?

Wurzer: Natürlich sind bei solchen Maßnahmen stets zeitbefristete Beschäftigungsverhältnisse zuerst betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen wird es leider ebenfalls geben.

Von der Gesetzesänderung sind Sie stark betroffen, weil Ihr Unternehmen als Hersteller gilt. Warum wird die Kohl-Gruppe als Hersteller und nicht als Handelsunternehmen eingestuft?

Wurzer: Wir gelten als Hersteller, weil das Etikettieren der Arzneimittelpackungen nach dem Gesetz einen Herstellungsprozess darstellt. Insofern gelten wir als pharmazeutisches Unternehmen mit Herstellungserlaubnis. Deshalb sind wir auch von der Maßnahme des erhöhten Herstellerrabattes betroffen.

Wird Kohlpharma trotz der einschneidenden Maßnahmen Marktführer bleiben?

Wurzer: Wir setzen alles daran, Marktführer zu bleiben. Zu den Maßnahmen zählt auch eine angepasste Sortimentspolitik in der Phase des erhöhten Zwangsrabattes bis Ende 2013, um die Nachfrage nach preisgünstigen Importarzneimitteln zu bedienen.

Ist mit den Entlassungen ein Ende der Spirale in Sicht, oder befürchten Sie weitere Einschnitte?

Wurzer: Zunächst gelten die Änderungsgesetze noch bis Ende 2013. Wir hoffen, mit den jetzigen Maßnahmen die Kohl-Gruppe für die nächsten Jahre zukunftsfest zu machen.Merzig. Merzigs Oberbürgermeister Alfons Lauer (SPD) bedauert die Entscheidung der Kohl-Gruppe, 150 Stellen abzubauen. Bei solchen Entscheidungen stünden hinter jedem einzelnen Arbeitnehmer immer auch schwere persönliche Schicksale, so der Sozialdemokrat.

Die gesetzlichen Änderungen der Bundesregierung, die letztendlich für den Stellenabbau verantwortlich seien, seien arbeitsmarktpolitisch falsch und auch gesundheitspolitisch ein Irrweg, so Lauer weiter. Denn die Merziger Kohl-Gruppe trage durch ihre Geschäftsmodelle entscheidend zur Kostensenkung im deutschen Gesundheitswesen bei. Die Kohl-Gruppe arbeite weiter an der erfolgversprechenden Blister-Einführung, die im Ergebnis sowohl für den Gesundheitsmarkt Deutschland als auch für den Wirtschaftsstandort Merzig ein Segen wäre.

"Ich hoffe", sagte Lauer auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung, "dass die Mitarbeiter der Kohl-Gruppe, die jetzt ihre Beschäftigung verloren haben, auf dem regionalen Arbeitsmarkt schnell wieder eine Anstellung finden werden." red