Neue Töne im Kirchenchor Die Tradition der Hausmusik wird gepflegt

Neue Töne im Kirchenchor Die Tradition der Hausmusik wird gepflegt

Merzig/Tünsdorf. Das ist mittlerweile ein eher ungewöhnlicher Vorgang: In einer Zeit, in der viele Vereine und insbesondere Gesangvereine und Chöre wegen des demographischen Wandels unter akutem Mitgliederschwund leiden, konnte der Kirchenchor St. Josef in Merzig die Zahl seiner Aktiven fast verdoppeln

Merzig/Tünsdorf. Das ist mittlerweile ein eher ungewöhnlicher Vorgang: In einer Zeit, in der viele Vereine und insbesondere Gesangvereine und Chöre wegen des demographischen Wandels unter akutem Mitgliederschwund leiden, konnte der Kirchenchor St. Josef in Merzig die Zahl seiner Aktiven fast verdoppeln. Von 20 auf inzwischen 38 wuchs die Zahl der Sängerinnen und Sänger in den letzten Monaten an. Es spricht einiges dafür, dass dies mit einer personellen Veränderung zu tun hat: Denn seit November hat die Pfarrei St. Josef in Merzig einen neuen Organisten und Chorleiter, Jürgen Diedrich aus Tünsdorf. Zum 31. Oktober kündigte Diedrich seine Stelle als Organist und Chorleiter in der Pfarrei St. Martin Tünsdorf und trat anschließend seine neue Stelle als Kirchenmusiker in der Pfarrei St. Josef in Merzig an. Zusätzlich ist er noch Chorleiter in Besseringen. "Beide Stellen machen mir sehr viel Spaß und sind jeweils eine neue Herausforderung für mich", freut sich Diedrich.

Chor neu aufbauen

Auf den neuen Chorleiter wartet eine Menge Arbeit: "Der Merziger Chor in St. Josef muss wieder neu aufgebaut werden, da er seit einiger Zeit geruht hat. Aber nichtsdestotrotz singen einige Damen und Herren fast vom Blatt, so dass die Arbeit recht schnell voran geht und ich jeden Montag gerne dorthin zur Chorprobe gehe", betont der Chorleiter. Für die Zukunft des Chors in St. Josef hat Diedrich sich einiges vorgenommen: "Das Chorleben soll aber nicht nur - wie in früheren Jahren - an den Hauptfeiertagen stattfinden, sondern über das ganze Kirchenjahr fester Bestandteil sein, wie dies in anderen Pfarreien selbstverständlich ist."

Die Hochfeste (Wallfahrt zum Josefstag, Ostern, Pfingsten, Allerheiligen, Ewig Gebet, Weihnachten, Neujahr) sollen zwar herausgestellt werden, beispielsweise durch Hinzunahme von Instrumentalisten. Doch soll der Chor auch an einfachen Festen teilnehmen. "Bei der Mitgestaltung unserer Messen und Feiern helfen mir immer wieder, wie schon in Tünsdorf, meine beiden Töchter Lena, 15 Jahre, und Theresa zwölf Jahre, die schon seit elf beziehungsweise neun Jahren Geige spielen", ergänzt Diedrich.

Ein bisschen wachsen dürfte der Chor trotz des jüngsten Zuwachses nach Diedrichs Meinung noch: "Für unsere Zukunft suchen wir noch singfreudige Damen und vor allem Herren, die einfach Spaß an der Musik haben und ihren Gesang gerne in den Dienst der Kirchenmusik stellen. Notenkenntnisse sind gern gesehen, aber nicht unbedingt Voraussetzung." Eine gute Stimme, Spaß an der Musik und ein bisschen Selbstvertrauen genügen schon.

Spenden für Orgelrenovierung

Der Klang in der Kirche St. Josef sei hervorragend. Man brauche sich als Sänger nicht großartig anzustrengen. Die Akustik komme einem sehr entgegen, erklärt Diedrich.

Ein großes Projekt steht in St. Josef an: die Renovierung der Orgel. Die Pfeifen müssen komplett überholt werden, der Spieltisch soll fahrbar gemacht werden, sowie die gesamte Elektronik (Setzanlage und Traktur) erneuert werden. Hierfür müssen Gelder gefunden werden. Deshalb soll ein Orgelbauförderverein beziehungsweise ein Verein für Kirchenmusik in St. Josef gegründet werden, der sich dieses Themas annehmen soll.Merzig/Tünsdorf. Jürgen Diedrich wurde 1964 in Mettlach geboren. Nach dem Besuch der Grundschule Tünsdorf absolvierte er seine Gymnasialzeit am Merziger Gymnasium am Stefansberg, wo er 1984 das Abitur machte. Nach dem Wehrdienst studierte Diedrich von 1987 bis 1994 an der Musikhochschule des Saarlandes in den Fächern Katholische Kirchenmusik und Musik für das Lehramt an Gymnasien (LaG). Dem schloss sich von 1990 bis 1995 ein Studium der Musikwissenschaft und Politikwissenschaft für das Lehramt an Gymnasien an der Universität des Saarlandes. Seine Staatsarbeit beschäftigte sich mit den Messen Joseph Rheinbergers.

Von 1996 bis 1998 machte Diedrich sein Referendariat am Robert-Schuman-Gymnasium in Saarlouis, arbeitete anschließend von 1998 bis 2006 als Studienrat an der Peter Dewes Gesamtschule in Losheim. Seit 2006 ist Diedrich Studienrat am Gymnasium am Stefansberg (GaS) in Merzig. Diedrich trat dort die Nachfolge von Inge Beducker an. "Wir waren der erste Leistungskurs Musik bei ihr von 1982 bis 1984; ich dagegen leitete den letzten Leistungskurs Musik von 2007 bis 2009, danach wurde das Kurssystem aufgehoben."

Stimme statt Stimmchen

Seit 1982 ist Diedrich auch als Organist tätig, und zwar zunächst in Orscholz und Büdingen sowie in Tünsdorf. "Seither habe ich auch engen Arbeitskontakt mit der Stimmbildnerin Waltraud Krompholtz, die meine erste Gesangslehrerin war und mich auch auf die Aufnahmeprüfung für das Musikstudium vorbereitete und aus meinem Stimmchen schon mal eine Stimme machte", berichtet Diedrich. Von 1985 bis 1992 war er zudem Organist und Chorleiter in Brotdorf. "Dies war eine tolle Zeit, deshalb habe ich auch gerne zugesagt, als man mich Anfang 2007 fragte, ob ich die Vorbereitung und Leitung des 125-jährigen Jubiläums des Kirchenchores übernehmen würde", erzählt Jürgen Diedrich.

"Im Jahre 1991 übernahm ich die Kirchenmusikerstelle in Saarbrücken St. Josef, den Kirchenchor Brotdorf leitete ich parallel dazu noch bis Ende 1992. Von 1993 bis 1999 war ich Kirchenmusiker in Saarlouis-Roden." Im Oktober 1999 gründete Diedrich zusammen mit vielen Mitgliedern des Kirchenchores und weiteren Sängern den Mendelssohn-Chor Saarlouis-Roden.

Auf Wunsch von Ralf Hiebert, dem damaligen Pfarrer in Tünsdorf, übernahm Diedrich im Jahr 2000 den Tünsdorfer Kirchenchor, der sich unter seinem Leiter Markus Stein einen richtig guten Namen gemacht hatte, aber schon kurz nach dessen Ausscheiden "desaströs am Boden lag". Aus der Vertretung wurden dann über zehn Jahre kontinuierliche Arbeit. Pfarrer Hiebert war auch derjenige, der Diedrich in Sachen Kinderchorarbeit (Martinus-Chörchen) immer wieder unterstützte. So führte Diedrich mit dem Martinus-Chörchen fünf Singspiele sehr erfolgreich auf und war auch wiederholt für große musikalische Darbietungen zu besonderen Anlässen verantwortlich.

Jürgen Diedrich und der Merziger Kirchenchor bei der Chorprobe.
Vater Jürgen Diedrich mit seinen Kindern beim Musizieren in ihrem Haus in Tünsdorf. Am Cello vorne Benedikt, am Klavier Moritz und Vater Jürgen, an der Geige Lena (rechts) und Therese.

Jürgen Diedrich pflegt auch die Tradition der Hausmusik, seine vier Kinder spielen alle ein Instrument. Lena (15), die Älteste, spielt wie ihre Schwester Therese (12) Geige, Sohn Moritz (9) Klavier und der Jüngste, Benedikt (8), spielt Cello. Mutter Judith unterstützt ihren Mann nach Kräften und hält die Familie zusammen.