1. Saarland

Neue Corona-Regeln: Ärzte atmen auf, doch andere sind gar nicht begeistert

Gemischte Gefühle : Neue Corona-Regeln: Ärzte atmen auf, doch andere sind gar nicht begeistert

Ärzte und Pfleger atmen auf, Gastronomen und Veranstalter sind verun­sichert und machen sich Sorgen. Die neuen Corona-­Regeln im Saarland sorgen für viel Gesprächsstoff.

„Es war allerhöchste Zeit, dass die Regeln endlich verschärft wurden“, sagt Dr. Christian Braun, Ärztlicher Direktor des Klinikums Saarbrücken auf dem Winterberg. Wichtig neben den G-Regeln sei aus seiner Sicht aber auch, dass die „bekannten Elemente der Pandemiebekämpfung wie AHA-Regeln, Maskenpflicht, Händehygiene, etc. nochmals in den Fokus rücken“. Aktuell (Stand: Freitag) werden im Winterbergklinikum 15 Covid-Patienten behandelt, davon fünf auf der Intensivstation. „Es ist gut und folgerichtig, dass die Corona-Regeln verschärft werden und dass die Möglichkeit besteht, diese zu überprüfen und gegebenenfalls kurzfristig weiter zu verschärfen. Dazu muss der weitere Verlauf genau beobachtet werden“, sagt auch Margret Reiter, Ärztliche Direktorin des Caritas Klinikums Saarbrücken.

Die Saarländische Pflegegesellschaft (SPG) hält Verschärfungen, die ab diesem Samstag im Saarland gelten, für „notwendig und angemessen“. Vorsitzender Holger Wilhelm und Geschäftsführer Dr. Jürgen Stenger weisen aber auch darauf hin, dass die Einrichtungen der Altenhilfe im Saarland in der aktuellen Situation keineswegs als „Pandemietreiber“ bezeichnet werden könnten. „Seit Wochen liegt die Zahl der Covid-19-positiv getesteten Heimbewohner konstant zwischen 20 und 30; bei insgesamt mehr als 13 000 Heimbewohnern macht dies einen Anteil von lediglich rund 0,2 Prozent aus.“

Der Sozialverband VdK Saarland begrüßt, dass sich die Landesregierung „endlich zu neuen Maßnahmen für den Schutz der Gesundheit der Saarländerinnen und Saarländer und gegen die Überlastung des Gesundheitswesens durchringen konnte“. Allerdings befürchtet der Sozialverband, dass die Maßnahmen zu spät kommen und einen Lockdown nicht mehr verhindern können. „Selbst wenn die Impfungen nun wieder Fahrt aufnehmen, wird es zu lange dauern, bis sich dieser Effekt bemerkbar macht“, teilt der Verband mit.

Während Ärzte und Pfleger aufatmen, sind Gastronomen, Veranstalter und das Friseurhandwerk in großer Sorge. Sie tragen die Maßnahmen mit, haben dafür Verständnis, fragen sich allerdings, wie es für sie wirtschaftlich weitergeht.

Die groben Regeln sind bekannt, zumindest aus den Medien. Doch bis zum Freitagmittag lag den Gastronomen im Saarland noch keine genaue Verordnung zu den Corona­maßnahmen vor. „Bei uns stehen die Telefone nicht still“, sagt Frank C. Horath, der Hauptgeschäftsführer des Dehoga Saarland. „Es stellen sich tausend Fragen.“ Viele Gastronomen hätten sich auf den Montag eingestellt. Jetzt seien sie verunsichert, wüssten nicht, wie sie sich verhalten sollten. „Es ist mal wieder so, der Teufel steckt halt im Detail.“

Das fange in den Hotels an. Wie gehe man mit Gästen um, die nach der alten Verordnung angereist seien? „Muss ich die um 24 Uhr rauswerfen, weil dann die neuen Regeln in Kraft sind?“ Und das gehe in den Restaurants weiter. Wer zahlt, weil Gäste kurzfristig bestellte Tische oder ein großes Gänse-Essen absagen? „Die ganzen rechtlichen Fragen, die sich um ein Storno drehen“, so Horath, „die müssen dann wohl zwischen Gästen und Gastronomen geklärt werden.“ Es sei zu befürchten, dass jetzt „eine große Stornowelle so richtig durch die Branche rauscht.“

Die jetzige Situation sei für die Gastronomie und Hotellerie eine Gratwanderung. „Die Maßnahmen sind notwendig, keiner von uns will einen Lockdown“, sagt Horath. Aber je schärfer die Regeln ausfallen, umso mehr komme das dann einem faktischen Lockdown gleich. „Und die Hilfen kompensieren das nur zum Teil.“

Die kurzfristig erlassenen neuen Corona-Regeln bringen auch die Veranstalter im Saarland in die Bredouille. 2G-Regel bei Konzerten, 2G-Plus bei Discos und Partys – das stellt sie vor immense Probleme. „Das kommt jetzt alles arg kurzfristig“, sagt Heiko Renno, Geschäftsführer des Veranstalters Saarevent in Saarbrücken. „Wenn die neuen Regeln wenigstens erst ab Montag eingeführt worden wären, hätte uns das sehr geholfen.“ Dann hätte man sich übers Wochenende vorbereiten können.

Die kurzfristige Umstellung auf die neuen Regeln werde zu Besucherrückgängen führen, meint der Saarevent-Geschäftsführer. „Das wird uns sicherlich ein paar Leute kosten“, sagt Renno, vor allem Ungeimpfte, aber auch Geimpfte, die sich jetzt zusätzlich noch testen lassen müssen.

Auch im Friseurhandwerk gilt ab diesem Samstag die 2G-Nachweis­pflicht. Wie reagiert die Branche darauf, wie ist die Stimmung? „Es herrscht ein großes Durcheinander und es gibt etliche Anfragen, was denn jetzt genau zu tun sei“, berichtet der Geschäftsführer der Landesinnung Friseure und Kosmetik, Mirko Karkowksy „Wir wissen nicht mehr, als in der Presse steht.“ Deshalb sei es schwierig, mit der neuen Situation und den Corona-Regeln umzugehen, sagt der studierte Jurist und Rechtsanwalt. „Wir haben noch keine direkten Informationen bekommen, die Verordnungstexte liegen uns noch nicht vor.“ Deshalb könne er den Friseurinnen und Friseuren und der Kosmetikbranche nicht sicher sagen: „Leute, das müsst ihr jetzt so und so machen.“

Auch, was die Mitarbeiter in den Betrieben betreffe, herrsche Unsicherheit. Dafür sei das Bundesarbeitsministerium zuständig, erklärt Karkowsky. Die Betriebe hätten Verständnis für die getroffenen Maßnahmen angesichts der hohen Coronazahlen, auch wenn einige fragen würden, ob das alles verhältnismäßig sei. „Doch sie sehen das ein und sind bereit, die Maßnahmen mitzutragen.“

Aber es würden Unsicherheit und Ängste herrschen, denn die wirtschaftliche Not sei nach wie vor groß. „Die Betriebe kämpfen noch mit den Ausfällen wegen Corona, viele haben noch massive Probleme.“