Natur schläft noch, die Viren sind munterMit Bewegung dem Winter trotzen

Natur schläft noch, die Viren sind munterMit Bewegung dem Winter trotzen

St. Wendel. Gerade einmal zwei Tretboote waren an Karfreitag auf dem Wasser - ein ungewöhnliches Bild für die Saisoneröffnung am Bostalsee. Aber nicht verwunderlich bei diesen eisigen Temperaturen. Und jetzt auch nicht mehr ratsam, wie Daniela Maslan-Mayer vom Freizeitzentrum Bostalsee sagt: "Bei einer Windstärke von fünf bis sieben wäre das nicht empfehlenswert

St. Wendel. Gerade einmal zwei Tretboote waren an Karfreitag auf dem Wasser - ein ungewöhnliches Bild für die Saisoneröffnung am Bostalsee. Aber nicht verwunderlich bei diesen eisigen Temperaturen. Und jetzt auch nicht mehr ratsam, wie Daniela Maslan-Mayer vom Freizeitzentrum Bostalsee sagt: "Bei einer Windstärke von fünf bis sieben wäre das nicht empfehlenswert." Daher ist der See derzeit auch sehr leer. Selbst die Bootsbesitzer, die Ostern gerne nutzen, um ihre Boote ins Wasser zu kranen, seien nicht gekommen. Bisher vielleicht zehn - in den Jahren zuvor waren es 50, 60. Maslan-Mayer: "Es ist einfach zu kalt, zu windig, teilweise ist ja sogar Eis auf den Stegen." Unter dem geringen Betrieb - selbst die Zahl der Spaziergänger hält sich in Grenzen - leide aber nicht nur der Bootsverleih, sondern vor allem die Außengastronomie rund um den See.Anders sieht die Situation auf dem Campingplatz aus. Im März gab es dort 680 Übernachtungen - gegenüber 238 im März 2012. Dazu Maslan-Mayer: "Leute, die in Deutschland Urlaub machen wollen, haben keine andere Wahl." Einziges Manko: Wegen des Frosts kann die Außenwasseranlage noch nicht geöffnet werden - die Camper müssen sich dann eben das Wasser innen holen.

Auch die Landwirte haben zu kämpfen. "Die Vegetation ist etwa vier Wochen zurück", sagt Peter Scherer, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. Die Natur sei noch nicht wach, "Nachtfröste verhindern jedes Wachstum". Scherer ist besorgt, dass die schwachen Pflanzen der spät gesäten Wintergetreidebestände nicht überleben. Er rechnet mit einer geringen Ernte. Und mit viel Arbeit für die Landwirte, sobald es jetzt warm wird. "Dann geht alles schnell", sagt er. Da die Landwirte lange nichts machen konnten und in den vergangenen Tagen erst mit der Frühjahrsbestellung angefangen haben, schiebe sich dann die Arbeit sehr eng zusammen.

Ein weiteres Problem in diesem ungewöhnlich langen und harten Winter: die Grippewelle. Derzeit ist sie zwar auf dem Rückzug, wie Andreas Kramer, Leiter des St. Wendeler Gesundheitsamtes, erzählt: "In den letzten 14 Tagen ist Entspannung zu spüren." Aber seit Oktober 2012 seien 120 Grippe-Erkrankungen im Landkreis gemeldet worden. Vermutlich seien es viel mehr Erkrankungen, aber viele Patienten gehen gar nicht erst zum Arzt, daher werde die Grippe auch nicht ans Amt gemeldet. Wie außerordentlich hoch die Zahl der Grippekranken aber ist, zeigt ein Vergleich mit dem Vorjahr: Von Oktober 2011 bis Mai 2012 waren es 18. St. Wendel. Für die Oberthaler Willi Brocker und Hubert Bier gehören ein täglicher Spaziergang und ausgewogene Bewegung zum Leben dazu. Mit dicker Jacke, Schal und Hut gewappnet, trotzen sie den eisigen Temperaturen. "Viel Bewegung, das ist das Beste, was man machen kann", sagt der 87-jährige Willi Brocker. Natürlich seien sie lieber bei Sonne unterwegs, weil dies nicht nur angenehmer und wärmer, sondern auch ungefährlicher sei. "Tiefschnee und Glatteis sind nicht ohne, da liegt man schnell mal auf der Nase", ergänzt Hubert Bier. Für die beiden Rentnern ist das Spazieren Ausgleich zum Alltag und Zeitvertreib zugleich.

Für Irene Matzenbacher aus Breitenbach ist die richtige Kleidung das A und O. "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung", sagt sie. Mit Schnee und Frost hat sie keine Probleme. Ihr Enkel Mika, der momentan zu Besuch ist, sieht das ein bisschen anders. Er hat keine Lust mehr auf Schnee, Minusgrade und dicke Kleidung. "Ich war zwar manchmal draußen Schlitten fahren, aber jetzt nervt mich der Winter nur noch", sagt der Drittklässler.

An Michael Wasenmann, der sowohl beruflich als auch privat viel an der frischen Luft ist, gehen die kalten Tage nicht spurlos vorbei. "Ich bin öfter müde und schneller reizbar, und ich merke es auch an den Knochen", sagt der Marther. Gegen die Kälte wappnet er sich mit warmen Getränken, üppigen Speisen und viel Bewegung. Sein Tipp: "Positiv denken und das Beste draus machen. Wenn nichts hilft, kann man sich auf die Couch legen."

Viel Bewegung und angepasste Kleidung, so schlägt sich Brigitte Schmidt aus Oberlinxweiler durch die kalte Jahreszeit. Eingeschränkt hat sie sich durch das frostige Wetter nicht gefühlt: "Man muss sich den Temperaturen anpassen. Im Sommer isst man ein Eis, im Winter trinkt man heißen Glühwein oder Kaffee." Und wenn es ihr hier doch zu kalt wird, fliegt sie nach Florida, denn dort wohnen Bekannte. "So langsam könnte die Sonne mal wieder rauskommen und es richtig warm werden. Es war lange genug kalt", sagt die 17-jährige Leonie Koch aus Furschweiler. Um sich aufzuwärmen, trinkt die Schülerin gerne mal einen Tee. In diesem Sinne: Tee trinken und auf den Frühling warten. mcp