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Nationalpark bietet mehr als Naturschutz

Nationalpark bietet mehr als Naturschutz

Kreis Birkenfeld. Ein Nationalpark bietet sehr viel mehr als Naturschutz. Darin waren sich die Referenten des Nationalparkforums im Rahmen der zwölften Biomassetagung auf dem Umweltcampus einig. Der Birkenfelder Landrat Matthias Schneider sieht darin vor allem ein Strukturförderprojekt für die Region. So weit wollte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken zwar nicht gehen

Kreis Birkenfeld. Ein Nationalpark bietet sehr viel mehr als Naturschutz. Darin waren sich die Referenten des Nationalparkforums im Rahmen der zwölften Biomassetagung auf dem Umweltcampus einig. Der Birkenfelder Landrat Matthias Schneider sieht darin vor allem ein Strukturförderprojekt für die Region. So weit wollte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken zwar nicht gehen. Doch als Impulsgeber für Regionalentwicklung sieht auch sie den Nationalpark. Die Veranstaltung auf dem Umweltcampus trage dazu bei, den Blickwinkel auf die weitreichenden Potenziale zu lenken. Der Park könne nicht nur Motor sein für die anerkannten Chancen für Tourismus, Gastronomie und die Vermarktung regionaler Produkte, sondern auch für wirtschaftliche Innovation in Fragen der nachhaltigen Landnutzung oder der Effizienzentwicklung beim Brennholz (Biomasse), sieht die Ministerin Ansatzpunkte für eine Zusammenarbeit zwischen FH, Handwerk, Wirtschaft, Naturschutz und Region.Vorstellbar wären aus ihrer Sicht "energieeigenständige Modelldörfer" in der Nationalparkregion. Sie stellte aber auch klar: Ein Nationalpark entsteht nicht von allein, er braucht auch die Akteure vor Ort, wenn man Regionalentwicklung betreiben wolle.

Einen Engpass beim Holz sieht Ulrike Höfken nicht. Die aus dem Nationalparkgebiet bezogene Holzmenge mache gerade einmal ein bis zwei Prozent der in den Sägewerken der Region verarbeiteten Menge aus.

In den stark zersplitterten Kleinstparzellen an Privatwald schlummert nach Ansicht von Landrat Schneider ein großes, bislang ungenutztes Brennholzpotenzial. Das könne durch eine Waldflurbereinigung genutzt werden, was die Verluste im Nationalpark bei Weitem wettmachen würde.

Als lohnendes Projekt sieht die saarländische Umweltministerin Anke Rehlinger die grenzübergreifende Nationalparkidee. Mit 940 Hektar Staatswald könne sich das Saarland beteiligen. Selbstbewusst und charmant sprach sie von den Möglichkeiten: "Hübsch, wie die Braut im Saarland ist, haben wir Interesse, mit von der Partie zu sein." Allerdings werde die Mitgift für diese Braut wenig üppig ausfallen können. Da ließ sie keine allzu großen Hoffnungen aufkommen. Als "Haushaltsnotlageland" habe man nur begrenzte Möglichkeiten, ein paar Hunderttausend Euro aus dem Ärmel zu schütteln. Ihre rheinland-pfälzische Amtskollegin Höfken verwies auf die Zusagen des Landes, die Nationalparkregion innerhalb der bestehenden Fördermöglichkeiten zu nutzen.

Auch bestünden Möglichkeiten der Förderung von Regionalentwicklungsentwürfen durch die EU. Rehlinger machte ganz konkrete Vorschläge zur Gestaltung: Jagd müsse im Nationalpark möglich sein ("Da brauchen wir kreative Formen"), Wandern und Radfahren ebenso wie Pilze- und Beerensammeln.

Auch die Angst der Privatwaldbesitzer vor Borkenkäferbefall sprach sie an: Durch die Reduzierung der Fichten werde sich auch der Borkenkäfer zurückziehen. Doch falls er auftrete, dürfe seine Bekämpfung nicht ausgeschlossen werden.

Professor Peter Heck, geschäftsführender Direktor des Ifas-Instituts am Umweltcampus, verspricht sich von der Marke Nationalpark Chancen für die Fachhochschule in Neubrücke. Sei es durch Forschungsaufträge, Attraktivitätssteigerung oder Alleinstellungsmerkmale.Foto: SZ-Archiv