1. Saarland

Narren müssen in den Keller

Narren müssen in den Keller

Saarbrücken. An Fastnacht muss Gustav Bruch in den Keller. Und die anderen Saarbrücker Ehrenbürger, die Seit an Seit mit ihm in Öl gemalt auf den Fluren des Rathauses St. Johann hängen, auch. Zu ihrer eigenen Sicherheit. Denn wenn nach der alljährlichen Erstürmung des Rathauses die Närrinnen und Narren durch die Flure ziehen, könne an die Ölschinken "was drankommen"

Saarbrücken. An Fastnacht muss Gustav Bruch in den Keller. Und die anderen Saarbrücker Ehrenbürger, die Seit an Seit mit ihm in Öl gemalt auf den Fluren des Rathauses St. Johann hängen, auch. Zu ihrer eigenen Sicherheit. Denn wenn nach der alljährlichen Erstürmung des Rathauses die Närrinnen und Narren durch die Flure ziehen, könne an die Ölschinken "was drankommen".Diese Schutzmaßnahme hat Werner Theis von der städtischen Protokollabteilung vor einigen Jahren beschrieben. Im kommenden Jahr müssen nun die Närrinnen und Narren selbst in den Keller. Zu ihrem Schutz und zum Schutz des Rathauses selbst.

Die Stadtverwaltung hat nämlich in den Decken über dem Ratskeller und über dem Hauberrissersaal im Erdgeschoss, der unter dem Festsaal liegt, Risse festgestellt. Das bestätigte Robert Mertes vom Büro der Oberbürgermeisterin gestern auf Anfrage. "Ursache sind wahrscheinlich dynamische Belastungen, wie sie durch Tanzen oder wummernde Bässe entstehen. Die historische Bausubstanz des Rathauses mit den gemauerten Gewölbedecken muss beachtet werden. Daher werden dort künftig keine Tanzveranstaltungen mehr durchgeführt werden können, um weitere Schäden zu vermeiden", sagt er. Für Sitzungen und Empfänge, bei denen es "kein Halligalli" gibt, stehen der Festsaal und der Hauberrissersaal weiter zur Verfügung. Auch auf die Trauungen im Festsaal haben die Risse keine Auswirkung. "Bei Stehempfängen können im Festsaal und im Hauberrissersaal jeweils bis zu 250 Personen teilnehmen", sagt Mertes.

Als Georg Hauberrisser das Rathaus entworfen hat, habe er wohl noch keine Ahnung davon gehabt, welchen Anforderungen es gut 100 Jahre später genügen muss, vermutet Robert Mertes. Der gebürtige Österreicher Hauberrisser hat zwischen 1867 und 1874 das Münchner Rathaus am Marienplatz gebaut. Von 1879 bis 1887 hat er das Kaufbeurener und von 1884 bis 1890 das Wiesbadener Rathaus errichtet. 1896 erteilte ihm die Stadtverordnetenversammlung dann den Auftrag, das Rathaus St. Johann zu bauen. 1900 wurde der neugotische Bau eingeweiht.