1. Saarland

Nachwuchshistoriker auf großer Tour

Nachwuchshistoriker auf großer Tour

Wallerfangen. Eine traurige Geschichte umgibt das heutige Kinderheim in Wallerfangen. Als schwarzes Schloss wird dieses Gebäude auch bezeichnet. "Ich weiß, warum das so heißt", sagt Grundschülerin Sarah nicht weit von dem mehrstöckigen Haus entfernt. "Meine Oma hat es mir erzählt. Die Frau hatte einen Sohn, und der ist gestorben

Wallerfangen. Eine traurige Geschichte umgibt das heutige Kinderheim in Wallerfangen. Als schwarzes Schloss wird dieses Gebäude auch bezeichnet. "Ich weiß, warum das so heißt", sagt Grundschülerin Sarah nicht weit von dem mehrstöckigen Haus entfernt. "Meine Oma hat es mir erzählt. Die Frau hatte einen Sohn, und der ist gestorben. Dann hat sie das Schloss schwarz machen lassen." Das war vor 150 Jahren.Mit 19 Schülerinnen und Schülern der Klasse 3.2 der Wallerfanger Grundschule sowie Sachlehrerin Sina Uder startete Heimatforscher Rainer Glatigny zum Rundgang durch den geschichtsträchtigen Ort. Über die mittelalterliche Stadt berichtete er, die Steingutfabrik und markante Objekte.

"Man nimmt an, dass die Mauer fünf bis sieben Meter hoch war", informiert Glatigny in der Dreimarienstraße über die alte Festungsmauer. Eines der drei Stadttore lag hier, nicht weit von der Maschinenstraße entfernt. Das war vor der Zerstörung 1687. "Und was haben die Franzosen mit den Steinen gebaut?", fragt er. "Saarlouis!" rufen ein paar der Kinder.

"Das hier", Glatigny hält in der Saarstraße einen bedruckten Teller hoch, "hättet ihr gesehen, wenn ihr vor vierhundert Jahren hier gestanden hättet". Das Bild darauf zeigt die Festung Walderfingen vom heutigen Saar-Altarm aus gesehen. "Meine Oma hat auch noch so einen Teller", merkt Tom an, bevor es durch das so genannte Mühlengässchen an einer hohen Sandsteinmauer entlang weitergeht. "Dahinter liegen Keller", weiß Glatigny. Und die wiederum werden wohl von der alten Stadtmauer begrenzt. Das Teilstück am Anstieg zur Pfarrkirche jedoch sei vermutlich Festungsmauer.

Acht bis neun Jahre sind die Schülerinnen und Schüler alt. "Wallerfangen hieß mal Vaudrevange", rattert Tara herunter. "Wo das Kinderheim ist, war mal das Schwarze Schloss. Die Grundschule war mal das alte Rathaus." Raphael hingegen erklärt das Wallerfanger Wappen. Blau für das Wallerfanger Azurit, ein Mühleisen wegen der Mühlen früher und ein goldener Stern, weil es hier mal einen Gerichtshof gab.

"Wer hat den Adlerblick?", fragt Glatigny. Dann suchen die Kinder am ehemaligen Goldenen Schwan nach dem Baujahr. Das ist hoch oben über dem Eingangsbereich eingemeißelt: 1897. "Lustig", findet Janina am Ende, dass einmal die alte Fabrikbahn die Hospitalstraße in einer Vertiefung querte. Dagegen staunte Natalie über den technischen Hintergrund. "Dass die früher schon solche Sachen gemacht haben."