Nachhaltiger Schulbau Nachhaltiger und bezahlbarer Schulbau: Grundschule in Sötern zeigt, wie es geht

Nohfelden · Wie baut man eine Schule nach höchsten ökologischen Standards, die auch noch bezahlbar sind? Das fragen sich viele Gemeinden im Saarland, die jetzt vor dieser Herausforderung stehen. Der Erweiterungsbau der Grundschule im Nohfelder Gemeindteil Sötern ist ein Modell dafür.

Grundschul-Anbau Sötern: DGNB-zertifiziert für nachhaltige Bauweise
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Viel Holz, viel Glas, viel Licht sorgen für eine Wohlfühl-Lernatmosphäre

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Foto: B. Jochum Fotografie

Es riecht angenehm. Nicht nach Neubau. Auch nicht nach Schule. Sondern einfach frisch. Wer hier lernt, blickt durch große, tiefe Fenster in die wunderbare nordsaarländische Landschaft. Sie lassen viel Licht rein – und sorgen für wohltuende Blickachsen. Das großzügig verbaute, helle Holz macht die Räume warm und gemütlich. Außerdem ist es auffallend leise. Obwohl sich bei unserem Besuch mehr als 30 Menschen in einer der „Teamzonen“ des neuen Erweiterungsbaus der Grundschule in Sötern miteinander unterhalten. Der Lärm wird quasi geschluckt. In einer solchen Umgebung lässt sich gut lernen – und leben.

Flexibles, barrierefreies Raumkonzept

Die „Teamzone“ vor den Klassenzimmern hätte man früher wohl Flur genannt. In den meisten alten Schulgebäuden blieb er weitestgehend ungenutzt, man hängte seine Sachen und ein paar Bilder auf – das war`s. Im modernen Schulbau nutzt man dagegen alle Flächen flexibel. Und so steht in der „Teamzone“ eine gemütliche Sitzecke. Wer will, sitzt auf dem Teppich. Jeweils zwei Klassenräume sind durch einen dritten „Differenzierungsraum“ für individuelle Förderung und Lernen miteinander verbunden. Schüler und Lehrer können einander durch Glaswände sehen – oder aber einen Vorhang zuziehen, um für sich zu sein. Gerade so wie es passt. Man erkennt: Pädagogen und Didaktiker haben hier mitgeplant. Die barrierefreie Architektur ist optimal zugeschnitten auf die Bedürfnisse für inklusiven, modernen Unterricht. Für alles gilt: höchste Flexibilität.

Prämiertes Modell für nachhaltigen Schulbau

Der zu Schuljahresbeginn eingeweihte Erweiterungsbau der Grundschule in Sötern ist ein Paradebeispiel für nachhaltiges Bauen und als solcher nach den strengen Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert. „Insgesamt 37 Kriterien mussten wir für den Gold-Status erfüllen“, erklärt Architektin Claudia Schuster vom Eppelborner Architektenbüro Kühn. Sie hat das Projekt begleitet und gemeinsam mit dem Projektsteuerer WPW zur Zertifizierungsreife gebracht.

Ökonomie, Ökologie und Soziales in Einklang gebracht

Der Nachhaltigkeitsansatz, den die DGNB verfolgt, bringt Ökonomie, Ökologie und Soziales in Einklang. „Es geht dabei um viel mehr als um Energieeffizienz und schadstoffarme, recyclebare Baustoffe“, erklärt Schuster. Man betrachtet den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. Also nicht nur die kompletten Entstehungskosten, sondern auch die für einen möglichen Rückbau in der Zukunft. Damit ein Gebäude langfristig und damit nachhaltig genutzt werden kann, muss es so geplant sein, dass es flexibel umbaubar ist. Schon beim Planen hat man die Betriebskosten im Blick. „Wir haben zum Beispiel darauf geachtet, dass die Fenster leicht von außen zu putzen sind, ohne Hebebühne“, erläutert Schuster. Rückbaubarkeit und Recyclingfähigkeit der Gebäudehülle sind ein Muss. Schadstoffarmut wird vorausgesetzt. Das Brettsperrholz für die massiven Wände und Decken stammt – in diesem Fall – aus Österreich, die Lieferkette ist nachvollziehbar.

Geothermie für Heizen und Kühlen über die Decke

In Sötern steht das erste von der DGNB zertifizierte Schulgebäude im Saarland. Viel Holz, viel Glas, ein ausgeklügeltes Lichtkonzept – aber kein überflüssiger „Schnickschnack“, sondern schöne Funktionalität. Geheizt und gekühlt wird mit Geothermie über so genannte Heiz- und Kühlsegel an speziellen Akkustik-Decken. Nur für das alte Schulhaus, das bis Sommer 2024 saniert sein soll, braucht man noch die Gastherme. Die Nachmittagsbetreuung kann viele Räume nach Bedarf mitnutzen. „Das Ziel war, so viel umbauten Raum wie möglich zu sparen und multifunktionale Räume zu schaffen“, erklärt Architektin Schuster. Der U-förmige Erweiterungsbau schließt an das Alte Söterner Schulhaus an. Dadurch ist ein Atrium entstanden, ein neuer, geschützter Schulhof. Im Frühjahr wird das Außengelände neu angelegt. Dabei greife man das auf, was die Natur schon vorgibt, so Schuster, die ihre Erfahrungen unter anderem beim Bau der Naturpark-Kita „Pusteblume“ in Dirmingen in Sötern einbringt und sich auf naturnahes Bauen spezialisiert hat.

Gemeinde hat viele Fördertöpfe angezapft

9,3 Millionen Euro hat dieser Schulbau samt Ertüchtigung des alten Schulgebäudes gekostet. Zwar wurde er damit 1,7 Millionen Euro teurer als 2019 veranschlagt. Doch dass sich das langfristig rechnet, davon ist der Nohfeldener Bürgermeister Andreas Veit (CDU) überzeugt. Nicht nur wegen der drastisch gesunkenen Energiekosten für den Neubau. Während der Bauzeit hatten sich durch die Corona-Pandemie und die Energiekrise die Baustoffe verteuert. „Die Holzpreise waren zwischenzeitlich um bis zu 50 Prozent gestiegen“, erläutert Bauamtsleiter Andreas Kühn. Durch clevere Vorverträge (Preisgleitpreise für Holz) konnte man aber die Mehrkosten dämpfen. Die Gemeinde trägt 5,2 Millionen Euro der Baukosten. Für den Rest zapfte man insgesamt sieben Fördertöpfe von Bund und Land an. Um die Finanzierungslücke zu schließen, ging man weiter auf Zuschusssuche. „Diese Fördermittel zu beantragen ist sehr aufwändig und kompliziert“, berichtet Veit. Nohfelden habe ein „gut besetztes Bauamt“ und eigens dafür abgestellte Mitarbeiterinnen.

Nohfelden agiert als „global nachhaltige Kommune“

Nicht alle saarländischen Gemeinden seien aber so gut aufgestellt, so dass auch ein Förderlotse, wie ihn das neue Schulbauprogramm des Landes vorsehe, nur bedingt helfe. „Es braucht Fachpersonal!“, weiß der Bürgermeister. Alle Beteiligten – von der Schulgemeinschaft über das Lehrpersonal bis zu den Planern und ausführenden Handwerkern – sollten sich frühzeitig an eine Tisch setzen, um alle Bedürfnisse und Möglichkeiten auszuloten. Ein solches Anfangsinvestment zahle sich später aus. Und es braucht Willen und Mut eines informierten Gemeinderates, sich für nachhaltiges Bauen zu entscheiden. Nohfelden hatte sich bereits 2019 auf den Weg gemacht: Die Kommune hat – als eine von zehn Gemeinden – im Rahmen des Projekts „Global Nachhaltige Kommune Saarland“ ein projektbezogenes Aktionsprogramm zur Umsetzung der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele erarbeitet. Dazu gehören beispielsweise ein Fokus auf nachhaltige Beschaffung von Material, die Unterstützung von fairem Handel, die Verpachtung kommunaler Dachflächen zur Nutzung von Photovoltaik, der Ausbau von Fahrradwegen und E-Ladesäulen, und mehr.

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