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Immergrüne Festtagsbegleiter
Weihnachtsbaum gehört für viele weiter dazu

Manche bestellen ihren Baum im Internet, andere schlagen ihn selbst. Die Preise variieren: Für eine Nordmanntanne geben die Menschen im Saarland beispielsweise etwa 30 bis 40 Euro aus.
Manche bestellen ihren Baum im Internet, andere schlagen ihn selbst. Die Preise variieren: Für eine Nordmanntanne geben die Menschen im Saarland beispielsweise etwa 30 bis 40 Euro aus. FOTO: Irina Schmidt/ Fotolia
Saarland. Die Nachfrage nach Tanne, Fichte und Co. ist im Saarland weiterhin hoch. Aber immer mehr Menschen kaufen Bäume mittlerweile online. Von Philipp Fess

Wenn man bei den recht milden Temperaturen dieses Jahr schon damit rechnet, dass die weiße Weihnacht ausbleibt, so will man auf einen Weihnachtsbaum wohl erst recht nicht verzichten. Und wenn die Geschenke unter dem geschmückten Baum im Wohnzimmer liegen und der Duft seiner Nadeln in der Luft liegt, wirkt gleich alles viel festlicher, sinnlicher.


Aber woher kommt eigentlich der Brauch, sich im Winter einen Nadelbaum ins Haus zu holen? Nicht nur aus dem Christentum jedenfalls. Immergrüne Pflanzen waren schon in den ägyptischen, hebräischen und chinesischen Kulturen ein Symbol für Lebenskraft. Die alten Römer schmückten ihre Behausungen mit Lorbeerzweigen, um dem Sonnengott Mithras zur Wintersonnenwende zu huldigen. Daher stammt nicht zuletzt der 25. Dezember als Datum des Weihnachtsfestes. Im Mittelalter wurden zum 24. Dezember Bäume mit Äpfeln geschmückt, um Adam und Eva, ihrer Vertreibung aus dem Paradies und des Baumes der Erkenntnis zu gedenken. Erst im 16. Jahrhundert beginnt der Weihnachtsbaum sich als solcher zu etablieren, im 17. Jahrhundert gilt vor allem das Elsass, namentlich die Stadt Straßburg, als „Trendsetter“, was das Aufstellen von geschmückten Bäumen zur Weihnachtszeit angeht. Tannenbäume waren aber selten in Mitteleuropa, und während die Wohlhabenderen sich das Original leisten konnten, musste die übrige Bevölkerung mit Zweigen und anderem Grünzeug Vorlieb nehmen. Die Kirche übernimmt den heidnischen Brauch erst im 19. Jahrhundert. Der Christbaum wird auch zum Exportschlager: 1832 stellt ein deutschstämmiger Harvard-Professor in den USA den ersten Baum auf, acht Jahre später wird der Weihnachtsbaum im Zuge der Vermählung von Königin Viktoria und Albert von Sachsen-Coburg und Gothar salonfähig.

So entsteht eine Tradition, die auch im Saarland noch immer nicht abzuebben scheint; die Händler haben allesamt relativ stabile Verkaufszahlen zu verzeichnen – ob der Saarländer seine Bäume nun im Super- oder im Baumarkt, direkt beim Forstbetrieb oder sogar online einkauft.



Die meisten Bäume, die im Saarland zum Verkauf angeboten werden, sind nicht vor Ort einem Samen entsprungen, sondern werden meist von Baumschulen in Norddeutschland aufgezogen, bis sie etwa zwei bis vier Jahre alt sind. Diese sogenannten „verschulten“ Bäume erreichen erst mit etwa sieben bis zwölf Jahren eine Größe, die dem Weihnachtsbaumkäufer angemessen erscheint. Nach wie vor ist die Nordmanntanne der beliebteste Baum, viele Anbieter berichten aber auch von einer Rückkehr zur einfachen und auch etwas günstigeren Fichte oder einem verstärkten Interesse an der besonders intensiv duftenden Blaufichte, die zwar etwas teurer ist als die Fichte, aber günstiger als die Nordmanntanne. Der heiße Sommer dieses Jahr hat den älteren Bäumen weniger ausgemacht, bei den jungen Setzlingen allerdings könnte sich die zeitweise Unterversorgung bemerkbar machen, wenn sie einmal ausgewachsen sind.

Der Weihnachtsbaum bleibt jedenfalls ein „gesetzter Artikel“, wie ein Mitarbeiter der Baumarktkette Hornbach sich ausdrückt. Die Nachfrage sei stabil, die Tendenz sogar eher steigend. Gesteigert habe sich ihm zufolge vor allem die Zahl der Online-Bestellungen. Viele Kunden zögen die bequeme Lieferung in einem Karton dem aufwändigeren Transport des nadelnden Baumes ins eigene Wohnzimmer vor. Auch sei das Sortiment an künstlichen Bäumen gewachsen, viele Leute würden lieber einmal mehr Geld ausgeben, statt sich jedes Jahr einen neuen Baum zu holen. Ein Kunstbaum kostet im Schnitt etwa 100 Euro, eine echte Nordmanntanne liegt – je nach Größe – zwischen 30 und 40 Euro. Bis zu vier Meter große Bäume können im Baumarkt bestellt werden. Die Bäume würden mittlerweile auch schon zum ersten Advent oder zum Nikolaustag im Zimmer aufgestellt, sagt ein Mitarbeiter des Trierer Großproduzenten Bösen, welcher auch die einschlägigen Supermärkte im Saarland beliefert. Das sollte man zunächst jedoch besser vermeiden, weil die sogenannten Pfahlwurzler zum Zeitpunkt des Verkaufs zwar gut aussehen, den danach eintretenden Wassermangel könne man angesichts der trockenen Heizungsluft aber nur schwer ausgleichen.

Natürlich – im wahrsten Sinne – kann man seinen Weihnachtsbaum aber auch aus heimischen Wäldern beziehen: An der Waldarbeitsschule Eppelborn werden jedes Jahr zwischen 120 und 130 Bäume verkauft, sagt Forstwirt Roland Wirtz. Die Bäume tragen zwar offiziell nicht das Zertifikat für nachhaltige Forstwirtschaft (FSC), wurden aber genauso ohne Einsatz von Chemikalien aufgezogen – im Gegensatz zu den kommerziellen Großplantagen, wo die jungen Bäume mit Herbiziden und Pestiziden vor Schädlingen geschützt werden. Auch am Rastpfuhl hat der Saar-Forst eine Plantage von etwa 15 000 Nadelbäumen, von denen jedes Jahr zwischen 800 und 900 Stück verkauft werden. Im Unterschied zu den abholfertigen Bäumen aus dem Supermarkt stehe hier auch der „Erlebniskauf“ im Vordergrund, sagt der zuständige Forstwirt Urban Backes: „Die Eltern suchen sich zusammen mit ihren Kindern einen Baum aus und hacken ihn dann selbst.“ Eine selbst geschlagene  Nordmanntanne kostet dann 26 Euro. Leider fällt der Weihnachtsbaumverkauf auf dem Rastpfuhl dieses Jahr aus.

Wer trotzdem seinen eigenen Bio-Baum schlagen gehen will, hat beim Gut Lindenfels im Bliesgau dazu die Möglichkeit, wenn er sich einer größeren Gruppe anschließt. Fünf Wochen vor Heiligabend startet hier der Weihnachtsbaumverkauf, von acht Hektar Plantagenfläche werden jedes Jahr etwa 1500 Exemplare verkauft, sagt Sebastian Dawo vom Gut Lindenfels. Die frisch gehackten Bäume – Stückpreis: 42 Euro – werden außerdem senkrecht auf Holzbrettern dargeboten, so dass der Eindruck entsteht, dass man in der Kultur selbst unterwegs ist. Auch hier werden keine chemischen Dünge- oder Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die Unkrautvernichtung wird, ganz altmodisch, von Schafen besorgt, die durch die Baumreihen getrieben werden.

Den Trend zu Bio-Baum und Online-Versand hat ein Anbieter sogar zu seinem Geschäftsmodell gemacht. Das treffend benannte Unternehmen Bio-Weihnachtsbaum-Versand aus dem nordrhein-westfälischen Schmallenberg liefert bundesweit ökologisch angebaute Nadelbäume aus dem Sauerland ins Haus. Was die Kunden angeht, hat sich beim Weihnachtsbaumkauf nicht viel geändert: Auch wenn sich in den letzten paar Jahren vermehrt junge Pärchen für einen Baum interessieren, ist der Weihnachtsbaum nach wie vor bei allen Altersklassen beliebt.