1. Saarland

Nachdenkliche Worte und ein Teller Gulaschsuppe

Nachdenkliche Worte und ein Teller Gulaschsuppe

„Außergewöhnlich gut“ fand Pfarrer Carlo Holzmann die Resonanz auf den Gottesdienst am gestrigen Sonntagmorgen. Das Besondere: Nach der Predigt in der evangelischen Kirche in Sulzbach lud der Geistliche noch zum Frühschoppen im angeschlossenen Gemeindezentrum ein. Gut vier Dutzend Bürger folgten der Einladung und machten es sich bei Gulaschsuppe und Getränken – beides kostenfrei – gemütlich.

Zwischen 40 und 50 Besucher zieht die sonntägliche Predigt jeweils an, eine "sehr gute Zahl für einen evangelischen Gottesdienst", wie Carlo Holzmann betont. Dies mag am ansteckenden Lachen des Theologen liegen oder auch an den nachdenklich stimmenden Worten während der Predigten.

So sieht das zum Beispiel Rolf Strauß. Der Buchhändler in Sulzbach kommt in unregelmäßigen Abständen zu den Gottesdiensten, auch wenn er selbst konfessionslos ist. "Ich finde, es ist ein schönes gesellschaftliches Ereignis", erzählt er.

Natürlich ist es auch für Pfarrer Holzmann kein Problem, wenn Konfessionslose den Gottesdienst und den anschließenden Frühschoppen besuchen. "Ich finde, genau so sollte es heute in der Kirche zugehen", meint der Geistliche. Er sieht gerade den Frühschoppen, der sich an den Gottesdienst jeden letzten Sonntag im Monat anschließt, als interreligiös und ökumenisch an. "Essen, trinken und gute Gespräche führen" sollen die Besucher bei diesen Veranstaltungen. Diese Einstellung zieht sogar Menschen von außerhalb Sulzbachs an. Aus Dudweiler, Saarbrücken und St. Ingbert kämen zum Beispiel die Gäste.

Seit 2006 findet der Frühschoppen regelmäßig statt, initiiert wurde er von Carlo Holzmann. Für das Essen fragt er immer wieder Restaurants aus der Umgebung, das Kirner Eck zum Beispiel. Auch der Tennisclub, in dem der Pfarrer selbst spielt, unterstützte die Veranstaltung bereits. Die Gulaschsuppe, die es gestern gab, stammte ursprünglich vom Gemeindefest am ersten Advent. Eingefroren und jetzt wieder aufgetaut - schließlich will man ja nichts wegwerfen, so Holzmann.

Zwischen der guten Laune und dem ungezwungenen Gespräch gibt es natürlich auch immer Platz für ernstere Themen. So bedauerte Presbyter Walter Schwingel, dass man zurzeit keinen Jugendclub hätte und Jugendliche anderen Hobbys nachgingen. Das finde er persönlich doppelt schade, weil ihm die Jugendarbeit stets am Herzen lag. "Doch", so sein Fazit, "man sollte nicht über bestimmte Dinge weinen, sondern sich an denen erfreuen, die klappen". So verweist er auf die verschiedenen Gruppen, die regelmäßig zusammenkommen: Kamintreff, Männerkreis etwa oder das weibliche Pendant, der Club 82.

Ernst war es bereits im Vorfeld geworden. In seiner Predigt ging Pfarrer Carlo Holzmann gestern Vormittag auch auf aktuelle Themen ein, prangerte an, dass die Gesellschaft von wirtschaftlicher Gerechtigkeit noch weit entfernt ist. Oder er bedauerte es, dass "der Zauber von Weihnachten verflogen ist". Statt Adventslichtern leuchte nun grelles Neonlicht auf, eine Art "seelischer Kater am Morgen nach der besinnlichen Zeit".

kirchengemeinde-sulzbach.de