1. Saarland

Nach schwerem Unfall im Meerwiesertalweg sucht Autofahrerin Ersthelfer

Unfallhilfe in der Landeshauptstadt : „Ich möchte meinem Retter danken“

Nach einem schweren Unfall sucht Bärbel E. den Ersthelfer, der ihr im Saarbrücker Meerwiesertalweg beistand.

Sie ist ein bisschen später dran als an den anderen Tagen. Sonst ist alles wie immer an diesem Donnerstagmorgen vor knapp einer Woche. Bärbel E. (47) aus St. Ingbert ist auf dem Weg zur Arbeit in ihrem schwarzen VW Polo im Saarbrücker Meerwiesertalweg. Sie fährt nicht schneller als 50. Wenig Autos. 6.10 Uhr. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen.

Plötzlich – etwa 60 Meter vom Haupteingang des Wildparks entfernt – ein Geräusch wie Bärbel E. es noch nie in ihrem Leben gehört hat. Laut, tosend, markerschütternd: „Ich dachte, der Boden oder der Himmel reißt auf. Als ich mir Gedanken machen wollte, was es war, war es schon dunkel um mich herum“, erzählt sie. Eine ausgewachsene mächtige Buche ist auf das Auto von Bärbel E. gestürzt.

 Völlig zertrümmert steht das Auto von Bärbel E. am Donnerstag an der Unfallstelle im Saarbrücker Meerwiesertalweg. „Hinten im Auto hätte niemand den Unfall überlebt“, ist sie sicher. Auf dem Foto ist nur noch ein Stück des Baumes sichtbar, der auf ihr Auto gefallen war. Die Berufsfeuerwehr hatte bereits Teile der Buche entfernt.
Völlig zertrümmert steht das Auto von Bärbel E. am Donnerstag an der Unfallstelle im Saarbrücker Meerwiesertalweg. „Hinten im Auto hätte niemand den Unfall überlebt“, ist sie sicher. Auf dem Foto ist nur noch ein Stück des Baumes sichtbar, der auf ihr Auto gefallen war. Die Berufsfeuerwehr hatte bereits Teile der Buche entfernt. Foto: BeckerBredel

Ein städtischer Baum, wie sich später herausstellen wird, der bislang nach Angaben der Stadt Saarbrücken gesund wirkte, keine äußerlichen Auffälligkeiten zeigte und wie alle Bäume entlang der Straße jährlich kontrolliert wird. Er wuchs 15 Meter von der Straße entfernt im Stadtwald unterhalb der Mehrzweckhalle des Landessportverbandes – und fiel einfach um. Quer über Radweg und Straße. Und auf das Dach von Bärbel E.’s Polo, das bis auf die Rücksitzfläche zusammen gestaucht wird.

„Nur in einem kleinen Radius von vielleicht 20 Zentimeter um mich herum nicht. Ich hatte eine Armee an Schutzengeln“, ist sich die Mutter eines 15-jährigen Jungen sicher. Die Frontscheibe bricht, das Glas schneidet Bärbel E. ins Gesicht und den Oberkörper. Der Airbag öffnet sich. Doch daran kann sich die 47-Jährige gar nicht mehr erinnern – obwohl sie nicht bewusstlos war. Ihr Auto wird durch die Wucht des Aufpralls auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Wieder hat sie Schutzengel. Denn gerade kommt kein anderes Auto entgegen. Sie kann noch selbst die Fahrertür öffnen und steigt aus.

         15 Meter von der Straße entfernt, ist die mächtige Buche umgekippt und quer über den Radweg auf die Straße gefallen. Es handelt sich um einen städtischen Baum, der laut Stadt Saarbrücken wie alle Bäume entlang der Straßen jährlich kontrolliert wurde und unauffällig und gesund schien.
15 Meter von der Straße entfernt, ist die mächtige Buche umgekippt und quer über den Radweg auf die Straße gefallen. Es handelt sich um einen städtischen Baum, der laut Stadt Saarbrücken wie alle Bäume entlang der Straßen jährlich kontrolliert wurde und unauffällig und gesund schien. Foto: BeckerBredel

Wenige Sekunden später hält ein Auto, das Richtung Universität fährt, und ein etwa 50-jähriger Mann eilt zur Unfallstelle. „Er hat mich in den Arm genommen, gewärmt, getröstet und mir einfach beigestanden und mich aufgefangen – das war in diesen Minuten so wichtig, mein ganzes Leben zog an mir vorüber“, sagt E. Sie habe seine Jacke aus Versehen mit Blut verschmiert, aber das sei dem  Mann egal gewesen, er habe ihr Tücher gegeben und Retter alarmiert – während andere Autofahrer zu Gaffern wurden und den Unfall mit ihren Handys filmten.

Der Ersthelfer habe gewartet, bis Polizei und Rettungswagen eintrafen, sei dann aber nicht als Zeuge aufgenommen worden. „Plötzlich war er weg. Und ich hätte mich einfach noch gerne bei ihm bedankt“, sagt Bärbel E. Sie vermutet, dass der Ersthelfer bei der Stadt Saarbrücken arbeitet. Ihre Hoffnung: Dass der Mann diese Zeilen liest, damit er weiß, wie wichtig seine Hilfe an diesem 21. Februar war – und sich vielleicht sogar meldet, damit sich Bärbel E. noch persönlich bei ihm bedanken kann. „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich wüsste, dass mein Dank angekommen ist“, sagt sie.

Der Schock nach dem Unfall sitzt im Moment noch tief, auch wenn Bärbel E. einfach nur froh ist, dass sie überlebt hat: „Die Retter haben an der Unfallstelle zu mir gesagt, ich könnte jetzt am 21. Februar ein zweites Mal im Jahr Geburtstag feiern. Das stimmt. Aber ich habe diesen Unfall immer noch nicht realisiert.“ Manchmal, wenn sie die Augen schließe, höre sie sofort dieses Geräusch des umstürzenden Baumes, sagt E.

Die Angestellte im öffentlichen Dienst konnte bislang noch nicht wieder arbeiten und musste am Dienstag noch einmal wegen der Halswirbel zum MRT ins Krankenhaus. Ihr Auto ist auf dem Schrottplatz, und die Ermittlungen laufen noch, um die rechtlichen Fragen nach dem Unfall klären zu können. Immerhin hat sie sich am vergangenen Samstag das erste Mal nach dem Unfall wieder ins Auto gesetzt. „Ich wusste, wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es nie mehr“, sagt die 47-Jährige. Fünf Kilometer ist sie mit dem Auto ihres Mannes gefahren. Aber nur in der Stadt. Nicht im Wald.

Kontakt für den Ersthelfer: c.kloth@sz-sb.de

Hier geht es zur Bilderstrecke: Baum stürzt im Meerwiesertalweg auf Auto