1. Saarland

Nach rund 350 Jahren wieder Jahrmarkt in Wadgassen

Nach rund 350 Jahren wieder Jahrmarkt in Wadgassen

Den „1. Wadgasser Jòòrmarkt“ kündigt das Outletcenter Myland für den 31. Mai an. Ganz richtig müsste es heißen: den ersten Wadgasser Jahrmarkt nach ungefähr 350 Jahren. Denn Mitte des 17. Jahrhunderts war der Fronleichnamsmarkt an der Abtei ein Publikumsmagnet.

Irgendwann im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) endete die rund drei Jahrhunderte alte Tradition der Fronleichnamsmärkte der Prämon stratenserabtei Wadgassen. Dieser Krieg wütete an der Saar besonders grausam. Geistlicher Anlass des Jahrmarktes war die Verehrung einer als wundertätig bezeichneten Hostie in einer großen, vergoldeten Monstranz. Weltlicher Anlass war das Vergnügen mit Schaustellern, Artisten und Händlern aller Art.

An dieses Vergnügen knüpft nun das Outletcenter Myland an, indem es am Freitag, 31. Mai, dem Tag nach Fronleichnam, zu einem ersten neuen "Wadgasser Jòòrmarkt" einlädt.

Myland ist auf das Gelände der früheren Prämonstratenserabtei gezogen. Das Areal hatte zwischenzeitlich als Glashütte gedient. "Schon die Mönche betrieben die Abtei als wirtschaftliches Zentrum. Das blieb es als Glashütte nach der Zerstörung des Klosters, und das ist es heute als Outlet", erklärt Heimathistoriker Patrik H. Feltes. Er steuerte das Fachwissen zur Wiederbelebung des Jahrmarktes bei.

Der Abt, der die Schäden des Dreißigjährigen Krieges endgültig reparieren ließ und zugleich die geistliche und wirtschaftliche Bedeutung des Klosters auf ein neues, großes Format brachte, war Michael Stein.

Stein regierte von 1743 bis 1778. Ihm soll im Rahmen des ersten neuen Jahrmarktes ein Platz im Outletcenter gewidmet werden.

Es war Stein, geboren in Lisdorf, der den großen Neubau der Abteikirche veranlasste. Er ließ auch weitere Kirchen auf damaligem Wadgasser Bann bauen oder erweitern. Dazu gehören die Pfarrkirche in Lisdorf, die später zerstörte Pfarrkirche in Roden und ein neues Kirchenschiff für St. Martin in Berus. Letztlich gab er der Abtei das bedeutende Format, mit dem sie schon 20 Jahre später, 1792, in der Französischen Revolution gewaltsam aufgehoben wurde.

Das historische Fest wird vom Freitag, 31. Mai, von 14 bis 23 Uhr gefeiert. Mit Mundart, Gauklern, Kunsthandwerk, Feuershow und Gastronomie.