Musiker Bosse kommt am 13. März nach Saarbrücken

Interview mit Musiker Bosse : Solange die Beine noch tanzen können

Musiker Bosse spricht über Enttäuschungen, die Liebe zum Saarland und eine zweite Karriere als Schriftsteller.

Mit „Alles ist jetzt“ hat der 38-jährige Axel Bosse sein siebtes Studioalbum vorgelegt, das er am 13. März in der Garage präsentiert. Im Interview hat er sich an verlegte Autoschlüssel im Saarland erinnert und erklärt, warum er noch kein Juror einer Casting-Show war. 

Wie ist das eigentlich zu Hause, welche Musik läuft da so?

BOSSE Ich höre ganz wenig Musik, die ich selber mache. Das liegt auch daran, dass ich mich freihalten will von allen äußeren Einflüssen. Ich höre im Moment ganz viel Agnes Obel und ganz viel Klaviermusik.

Kommt als Nächstes eine Tour Bosse mit Orchester?

BOSSE Wir hatten schon mal die „Leise Landung“, das war unsere Akustik-Tour, da hatten wir ein paar Streicher dabei. Und einer von denen ist noch da geblieben und jetzt mit mir auf der Bühne. Jetzt hab ich als B-Seite mit dem Kaiser-Quartett gearbeitet von Chilly Gonzales. Da hätte ich schon Bock irgendwann auf eine kleine Theater-Lesereise mit dem Kaiser-Quartett. Aber im Moment hab ich das Gefühl, ich bin noch drei Jahre zu jung dafür. Solange die Beine noch tanzen können, werde ich der Letzte sein, der mit Orchester auftritt.

Es gibt viele Musiker, die auch Talent haben, hart arbeiten, aber anders als du nicht den Durchbruch schaffen. Die irgendwann mit 30, 40 in Kneipen spielen, nur noch privat auftreten. Was würdest du denen mit auf den Weg geben, trotzdem der Musik treu zu bleiben, es trotzdem zu probieren?

BOSSE Ich finde, dieser Zustand, dass man seine große Liebe als Hobby hat, ist manchmal gar nicht so verkehrt. Ich verbringe im Moment 90 Prozent meiner Zeit damit, über Musik zu reden oder durch die Gegend zu fahren und zehn Prozent der Zeit damit, Musik zu machen. Das ist wahrscheinlich genauso viel oder wenig, wie die, die das abends um die Ecke bei der Jam-Session machen. Manchmal sehne ich mich auch danach und denke: Irgendwann, wenn das alles nur noch Hobby ist, dann ist das alles viel relaxter und viel besser und so. Ich habe bestimmt 14 Jahre lang so viel Miese gemacht und immer wieder geschuftet, nur um Musik machen zu können. Aber es ist schon ein ganz toller Beruf.

Das erste Konzert im Saarland war im Kleinen Club der Garage vor 13 Jahren und etwa 40 Leuten. Gibt es eine besondere Erinnerung an Saarbrücker Konzerte?

BOSSE Als wir in der kleinen Garage gespielt haben, im Hochsommer, da haben wir unseren Sprinter-Schlüssel verloren. Wir haben mit den Veranstaltern und mit Fans bis nachts um vier Uhr den Schlüssel gesucht und da stand ein Sofa drin und er war in der Sofaritze, ganz unten drin unter irgendwelchen Keksen. Ich weiß nicht, wie er da hingekommen ist. Aber das ist ein unvergessenes Erlebnis, weil wir mussten an dem Abend noch nach Kiel, also ganz woanders hin, und wir sind dann fast pünktlich zum Nachmittagskonzert angekommen, völlig fertig. Ansonsten ist es schon eine kleine Liebe mit Saarbrücken.

Wurdest du schonmal als Juror einer Casting-Show angesprochen und wäre das was für dich?

BOSSE Alle Anfragen habe ich bisher abgesagt, ich habe aus anderen Gründen angefangen, Musik zu machen. Ich habe inzwischen meine Meinung ein bisschen geändert. Früher habe ich gedacht, die Jugendlichen und Erwachsenen, die da mitmachen, denken wirklich, sie werden Popstars, und sind das vielleicht auch drei Wochen oder ein Jahr. Danach müssen sie aber wieder in die Ausbildung. Diese Vision mit der großen Enttäuschung fand ich immer Menschenquälerei. Mittlerweile weiß ich aber, dass alle die, die da mitmachen, schon wissen, wie der Hase läuft. Dass die Bock haben auf Fernsehen, ein bisschen Musik machen und dieses Erlebnis – und jetzt kann ich das auch komplett unterschreiben.

Ende 2016 wolltest du einen Schriftsteller-Workshop machen. Wie lief’s und wann erscheint das Buch?

BOSSE Ich habe den Workshop gemacht. Ich habe eine Menge gelernt, aber mit dem Buch noch nicht angefangen. Ich weiß auch immer noch nicht, wann ich das mache, weil Musik zu schreiben, ist ganz schön zeitraubend. Aber in dem Workshop ging es vor allem darum, wie man seine Kreativität bündelt, zu welchen Uhrzeiten, was für ein Typ man so ist. Ich fand das für mich ganz interessant. Ich hab zum Beispiel herausgefunden, dass ich morgens ab acht kreativ tätig sein kann. Ab 15 Uhr sollte ich lieber an der Basedrum rumschrauben, weil da kommt nicht mehr so viel raus. Sozusagen das Bild morgens anfangen und nachmittags ausmalen, so mache ich das jetzt, das hab ich gelernt.

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