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Müller läuft, als wäre er nie weg gewesen

Müller läuft, als wäre er nie weg gewesen

Saarlouis. Sonntagmorgen, 9.45 Uhr, im Zielbereich des 19. Laufs in der Saarlouiser Woche der LSG Saarlouis: Als der Mann mit der Startnummer 284 scheinbar mühelos in 1:13:14 Stunden die Zeitmessanlage passiert, reiben sich viele Zuschauer die Augen

Saarlouis. Sonntagmorgen, 9.45 Uhr, im Zielbereich des 19. Laufs in der Saarlouiser Woche der LSG Saarlouis: Als der Mann mit der Startnummer 284 scheinbar mühelos in 1:13:14 Stunden die Zeitmessanlage passiert, reiben sich viele Zuschauer die Augen. Ist er es wirklich? Als Sekunden später der Name des Siegers auf der Anzeigetafel erscheint, wird aus dem Verdacht Gewissheit: Rainer Müller ist zurück. Die saarländische Laufsport-Legende von den LTF Marpingen hat sich wieder die Laufschuhe angezogen und nach langer Abstinenz eine grandiose Rückkehr gefeiert."Mein letzter Wettkampf liegt etwa sechs Jahre zurück. Seit dem Frühjahr trainiere ich wieder mehr, aber nicht optimal. Deshalb bin ich mit der Zeit auch ganz zufrieden", meint der fünfmalige deutsche Meister im 100-Kilometer-Lauf, der in den Neunzigern fast alle saarländischen Laufstrecken beherrschte. Weil die berufliche Belastung in seinem Sportgeschäft in Rappweiler ständig zunahm, fehlte dem heute 45-Jährigen die Zeit. Gelaufen sei er aber immer. "Rein hobbymäßig", wie er es nennt.

Im Januar 2010 rutschte er auf einer Eisplatte aus und musste wegen einer Knie-Verletzung ein halbes Jahr pausieren. Seine Frau Claudia ist schuld, dass ihr Mann künftig wieder die Szene aufmischen wird. "Er wollte gar nicht mehr. Aber dieses Talent verschwenden, das ging doch nicht. Ich musste ihn überreden, wieder an Wettkämpfen teilzunehmen", lacht Müllers bessere Hälfte.

Beim Saarlouiser Halbmarathon hielt Christian Quinten 4,5 Kilometer mit Müller mit. Dann musste der Schmelzer den drei Jahre älteren Konkurrenten ziehen lassen, der sich bei den im Rennen integrierten Halbmarathon-Saarlandmeisterschaften der Senioren auch den Titel sicherte. Tanja Hooß gewann bei den Frauen in 1:24:26 Stunden vor Nicole Woysch von Tri-Sport Saar-Hochwald (1:25:44 Stunden). Der erste Kommentar der Marpingerin gilt dem Vereinskollegen. "Rainer war so lange weg und gewinnt dann in dieser tollen Zeit. Wahnsinn", schwärmt sie.

Wahnsinn war auch die Leistung von Hans Knauf (LAG Saarbrücken). Der älteste Starter im Rennen finishte die 21 Kilometer in 1:59:55 Stunden und hatte kurz nach dem Zieleinlauf wieder genug Puste für einen Scherz. "Ich wollte unter zwei Stunden bleiben, da hätte ich mir ja noch vier Sekunden Zeit lassen können", schmunzelt der 77-Jährige. ros