1. Saarland

Mögliche Geburtsstunde für Nationalpark

Mögliche Geburtsstunde für Nationalpark

Börfink/Nonnweiler. Dunkle Wolken über dem Hochwald - nicht aber für das Projekt "Nationalpark im Hunsrück", für das Umweltministerin Ulrike Höfken in Börfink grünes Licht für den Eintritt in die Phase zwei gab. "Es besteht Grund für feierliche Stimmung

Börfink/Nonnweiler. Dunkle Wolken über dem Hochwald - nicht aber für das Projekt "Nationalpark im Hunsrück", für das Umweltministerin Ulrike Höfken in Börfink grünes Licht für den Eintritt in die Phase zwei gab. "Es besteht Grund für feierliche Stimmung. Hier und heute kann die Geburtsstunde eines Nationalparks im Hunsrück sein", sagte die Grünen-Politikerin im überfüllten Gemeinschaftshaus.Draußen hatte sich auch das Sommergewitter schnell wieder verzogen, als drinnen die Pläne für einen Nationalpark im Hochwald konkreter wurden. Gute Vorarbeit habe man im Kreis Birkenfeld geleistet, lobte die Ministerin und unterstrich, dass "kein Nationalpark von oben herab" entstehen soll. Ein solches Projekt funktioniere "nur mit den Menschen in der Region". Auch sei mit dem jetzigen Schritt "die Tür für den Soonwald nicht zu". Am Ende der Phase zwei entscheide "die Region, ob und in welcher Weise der Nationalpark umgesetzt wird".

Der Birkenfelder Landrat Matthias Schneider sprach von einer vorbildlichen Art und Weise, wie in den Gremien in seinem Kreis und in den Verbandsgemeinden in Sachen Nationalpark zusammengearbeitet wurde, es sei "kritisch, aber ergebnisoffen diskutiert" worden. Der rheinland-pfälzische Staatssekretär Thomas Griese bestätigte: "In Birkenfeld wurde herausragende Vorarbeit geleistet." Er sagte aber auch: "Phase zwei bedeutet nicht beschlossene Sache", erst am Ende der Gespräche und Erkundungen werde man mehr wissen.

Griese widersprach aber sehr deutlich Stimmen, der Standort genüge nicht den Anforderungen: "Der Hochwald ist naturschutzfachlich herausragend geeignet als Nationalpark, ein Schatzkästchen der biologischen Vielfalt." Wildkatze, Schwarzstorch, Schwarzspecht, Bechsteinfledermaus und Fischadler sind bereits vertreten, der Luchs nicht mehr weit weg - die Stellung des Gebiets zwischen Primstalsperre in Nonnweiler und Mörschieder Burr unterstreiche auch die Aufnahme in die Liste der "30 Hot Spots" des Umweltbundesamtes.

Die Suche nach der besten Gebietskulisse kann nun beginnen: In der vom Mainzer Umweltministerium derzeit präferierten "Variante II" liegt auf etwa 7000 Hektar der Buchenanteil bei rund 60 Prozent. Kommt das Saarland mit dem Dollberg hinzu, werden es gut 8500 Hektar - laut Griese völlig ausreichend für einen Nationalpark nach internationalem Standard. Zum Vergleich: Der Kellerwald, Deutschlands kleinster Nationalpark, hat 6000 Hektar. Die Variante I weist einen größeren Kernbereich um Börfink und Sandkopf herum auf mit rund 11 000 Hektar und einem Laubholzanteil von 54 Prozent.

Ulrike Höfken erteilte der Perlenketten-Idee des Kreuznacher Landrats eine klare Abfuhr: "Das ist naturschutzfachlich nicht vorstellbar." Dagegen gefällt ihr der Charme des Modells "Kelten-Nationalpark": "Kultur und Geschichte sind in der Region ein Edelstein." Würde der Nationalpark grenzüberschreitend bis ins nördliche Saarland reichen, dann wäre die größte keltische Festungsanlage, der Hunnenring bei Otzenhausen, Teil des Parkes. Die Ministerin ist sich sicher, dass ein Nationalpark ein weiterer Anschubmotor wäre: "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, führt zu bundesweiter Resonanz und einem hohen touristischen Nutzen", das zeigten die Erfahrungswerte in allen deutschen Nationalparks. Zur Zeitschiene meinte sie: "Laut Koalitionsvertrag wollen wir einen Standort bis zum Ende der Legislaturperiode gefunden haben" - das ist im Jahr 2016. "Der Hochwald ist naturschutz- fachlich herausragend geeignet als National- park, ein Schatzkäst- chen der biologischen Vielfalt."

Der rheinland- pfälzische Staatssekretär Thomas Griese

Auf einen Blick

 Mit Hainsimsenblüten ließ sich Umweltministerin Ulrike Höfken im Wald bei Börfink ablichten. Links: Landrat Matthias Schneider. Rechts: Staatssekretär Thomas Griese. Foto: Stefan Conradt
Mit Hainsimsenblüten ließ sich Umweltministerin Ulrike Höfken im Wald bei Börfink ablichten. Links: Landrat Matthias Schneider. Rechts: Staatssekretär Thomas Griese. Foto: Stefan Conradt

Seit einiger Zeit wird vor allem in Rheinland-Pfalz viel über die Einrichtung eines Nationalparks direkt an der Grenze zum nördlichen Saarland diskutiert. Am Dienstag, 5. Juni, wird der ehemalige Umweltstaatssekretär Klaus Borger, der für die saarländische Seite die Einrichtung eines grenzüberschreitenden Nationalparks mitvorbereitet hat, ab 19 Uhr im Hotel Parkschenke Simon in Nonnweiler in einer reich bebilderten Präsentation allgemeine Informationen zu Nationalparks geben und die Chancen eines grenzüberschreitenden Nationalparks im Hochwald aufzeigen. Dazu laden die Grünen ein. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei. red