1. Saarland

Mit Rauschbrille und Kettcar den Hütchen-Parcours bewältigen

Mit Rauschbrille und Kettcar den Hütchen-Parcours bewältigen

St. Wendel. Die nüchterne Fahrt verlief problemlos. Zielsicher steuerte Anna-Sofia Fontanini das Kettcar durch den Hütchen-Parcours, der auf dem Schloßplatz aufgestellt worden war. Doch dann zog sie eine Brille an, die einen Promillewert von 0,8 im Blut simulieren soll, die sogenannte Rauschbrille. Bereits auf den ersten Metern verlor sie die Orientierung, fuhr Hütchen um

St. Wendel. Die nüchterne Fahrt verlief problemlos. Zielsicher steuerte Anna-Sofia Fontanini das Kettcar durch den Hütchen-Parcours, der auf dem Schloßplatz aufgestellt worden war. Doch dann zog sie eine Brille an, die einen Promillewert von 0,8 im Blut simulieren soll, die sogenannte Rauschbrille. Bereits auf den ersten Metern verlor sie die Orientierung, fuhr Hütchen um. Hilflos hob sie die Hände und musste lachen. Endlich am Ende der Strecke angekommen - einige kleine Leitkegel gerieten ihr bis dahin unter die Räder -, kam die letzte Aufgabe: rückwärts einparken. Das klappte jedoch fast ohne Probleme. "Mit der Brille war ich sehr verunsichert, habe alles nur verschwommen gesehen. Orientiert habe ich mich nur an den Rädern", gab die 20-Jährige an.Der Hindernislauf war Teil einer Präventivveranstaltung, die am Freitag von der Initiative Sicherer Landkreis in Zusammenarbeit mit der Kreis- und Verkehrswacht St. Wendel auf dem Schloßplatz abgehalten wurde. Zielpublikum waren vor allem junge Menschen, denen die Gefahr von Alkoholfahrten gezeigt werden sollte. Neben der Hütchenfahrt gab es noch eine Bremssimulation, die die Reaktionszeit berechnete. Die Idee hatte die St. Wendeler Initiative Sicherer Landkreis, genauer Dominik Müller und Simon Ney. Vorstandsmitglied Müller: "Wir wollten etwas für junge Fahrer machen, die besonders gefährdet sind."

Aber die Rauschbrillen, die verschiedene Promillewerte vorgaukeln sollen, erregten auch Kritik. "Wenn ein Mensch Alkohol getrunken hat, dann hat das Auswirkungen auf sein gesamtes System, nicht nur auf die Sehfähigkeit", beanstandete Daniel Saar aus St. Wendel. Denn beim Aufsetzen der Brille sieht man nur die Umwelt verzerrt oder doppelt, das Gehirn stehe nicht unter Alkoholeinfluss. Daher sei er von der Simulation nicht überzeugt, finde die Idee jedoch gut und war von dem Bremssimulator angetan. "Es ist auch von Mensch zu Mensch abhängig, wie er auf Alkohol reagiert", fügte der Psychologiestudent an. Winfried Eckstein dazu: "Natürlich ist das Problem, dass das Auge dem Gehirn etwas vorgaukelt. Jedoch ist der Parcours eine kostengünstige Information, was passieren könnte, wenn man unter Alkoholeinfluss fährt." Dies bestätigte der St. Wendeler Justin Jakob, der zweimal mit Rauschbrille - einer, die 0,8 Promille simulierte, und einer Drogenbrille - die Strecke abfuhr. Und sich gar nicht so schlecht schlug, die Hütchen nur touchierte. "Es war ein seltsames Gefühl, die Begrenzungen konnte ich nur erahnen", sagte er im Anschluss. Sein Fazit: "Es ist eine gute Aktion für Jugendliche, damit diese wissen, wie es ist, wenn man betrunken fährt." lk