1. Saarland

Mit Mut an die Maschinen

Mit Mut an die Maschinen

Dillingen. "Psst, es geht los". Die fünf Mädchen im Dillinger Jugendzentrum drängen sich ganz gespannt um den Laptop von Jochen Thieser. Denn Jochen Thieser präsentiert ihnen den fertigen Schnitt eines kurzen Filmes in dem Izzi, Esra, Sana, Vivienne und Marie die Hauptrolle spielen

Dillingen. "Psst, es geht los". Die fünf Mädchen im Dillinger Jugendzentrum drängen sich ganz gespannt um den Laptop von Jochen Thieser. Denn Jochen Thieser präsentiert ihnen den fertigen Schnitt eines kurzen Filmes in dem Izzi, Esra, Sana, Vivienne und Marie die Hauptrolle spielen.Drei Tage lang sind die Mädchen gemeinsam mit Mediengestalter Jochen Thieser, Stadtjugendpflegerin Ulrike Meiser und Sandra Ludwig von der Automotive Saarland auf den Spuren von Frauen in technischen Berufen durchs Land getourt.

Fünf Betriebe besucht

In insgesamt fünf saarländischen Betrieben der Automobilbranche sind sie fündig geworden und haben dabei Diplom-Ingenieurinnen, Mechatronikerinnen, Elektronikerinnen, Maschinenanlagenführerinnen und Industriemechanikerinnen interviewt.

Besucht haben sie auf ihrer Tour das Ford-Werk in Saarlouis, die Firma Johnson Controls in Überherrn, das ZF-Werk in Saarbrücken, die Bosch-Werke in Homburg und schließlich das Autohaus Klinkner in Losheim.

Die Idee hinter dem Film-Projekt "Mädchen: Mit Mut an die Schraubenschlüssel" stammte vom Netzwerk "Automotive Saarland". Um dem kommenden Fachkräftemangel zu begegnen, versucht man in der Automobil- und der Automobilzuliefer-Industrie vermehrt Mädchen für das Ergreifen eines technischen Berufes zu begeistern. Im Film sollten Frauen in technischen Berufen aus ihrem Arbeitsleben berichten und damit als Rollenvorbilder für interessierte Mädchen dienen. Damit der Film letztendlich die jungen Frauen und Mädchen anspricht, sollte er auch von jungen Frauen und Mädchen gedreht werden.

Die Mädchen der Mädchengruppe im Dillinger Jugendhaus, die zwischen zwölf und 15 Jahre alt sind, waren spontan begeistert von der Idee, in den Osterferien einen Film zu drehen. Überrascht waren die Mädchen allerdings davon, wie viel Arbeit doch hinter einem solchen 15-minütigen Streifen steckt. Und wie anstrengend das Drehen an sich gewesen sei, sagt Esra.

Zuerst habe es ein Interviewtraining gegeben. "Damit wir wissen was wir alles fragen können", erklärt Vivienne. Beispielsweise, ob sich technische Berufe mit der Familie vereinbaren lassen. Und wie die Gehälter so sind. Und ob man als Frau überhaupt eine Chance hat, in einem Männerberuf ernst genommen zu werden.

Bewusstsein hat sich verändert

Fazit des Drehs: Das Bewusstsein der Mädchen für Männer- und Frauenberufe hat sich verändert. "Es geht heute gar nicht mehr um Muskelkraft, sondern um Köpfchen und den pfiffigen Umgang mit der Technik", weiß Izzi jetzt.

Die Chefs der einzelnen Firmen waren übrigens in den Interviews einhellig der Meinung, dass Mädchen einfach engagierter seien. "Ja, wir denken jetzt schon anders über Männerberufe als vorher", sagt Sana. Für Esra ist durch das Projekt ein Maschinenbaustudium sogar eine echte Alternative zum Medizinstudium geworden.

Im Oktober soll der Film dann ganz offiziell von Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer der Öffentlichkeit präsentiert werden.