Mit Malen aufgeklärt und Widerstand angestachelt

Mit Malen aufgeklärt und Widerstand angestachelt

St. Wendel. Als "unauslöschliche Bilder, als Dokumente einer der dunkelsten Abschnitte der deutschen Geschichte und als Denkmäler für immer" hat der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Demokratie Saarland, Franz Rudolph Kronenberger, den Gemäldezyklus "Die Moorsoldaten" des St. Wendeler Malers Adolf Bender bezeichnet

St. Wendel. Als "unauslöschliche Bilder, als Dokumente einer der dunkelsten Abschnitte der deutschen Geschichte und als Denkmäler für immer" hat der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Demokratie Saarland, Franz Rudolph Kronenberger, den Gemäldezyklus "Die Moorsoldaten" des St. Wendeler Malers Adolf Bender bezeichnet. Die Stiftung hat sie dem Adolf-Bender-Zentrum als Dauerleihgabe überlassen. Dort sind die Gemälde in einer Ausstellung zu sehen, die am vergangenen Sonntag mit einer Feierstunde eröffnet wurde. "Benders bedeutsamste Bilder", so Kronenberger, seien der Moorsoldaten-Zyklus. Als einfache Skizzen waren sie in den Konzentrationslagern Esterwegen und Börgermoor im Emsland entstanden und wurden von ihm später in St. Wendel als Ölgemälde gestaltet. "Es sind seine persönlichsten Bilder, die nicht nur erlebt und empfunden, sondern erlitten sind", sagte der Redner. "Die Bilder müssen von dem Betrachter zu Ende geschaut werden. Ihm wird die Mühe nicht erlassen, die Schlussfolgerung selber zu ziehen." Adolf Bender habe jenseits seiner künstlerischen Ambitionen gehört werden wollen. Mit dem bildhaften Nachgestalten des Erlebten habe er mahnen und eine demokratische, soziale und gerechte Gesellschaft anmahnen wollen, die sich der Friedensarbeit verpflichtet fühlt. Der Vorsitzende des Adolf-Bender-Zentrums, Armin Lang, hob hervor, dass der Maler stets mit der Hoffnung gelebt habe, "dass das Gute im Menschen obsiege". Deshalb tauche auf seinen Bildern oft die rot-orangene Sonne auf. Bender habe aber auch gewusst, dass um dieses Gute im Menschen immer neu gerungen werden müsse: "Bender war nie ein passiver Zuschauer, sondern immer ein aktiver Einmischer." Sein Malen sei ein Aufklären und ein Anstacheln zum Widerstand gewesen, aber immer mit dem Blick auf eine friedliche Welt.Soldaten ohne GesichterAdolf Benders Sohn Hans erzählte, dass er das Entstehen des Moorsoldatenzyklus' als junger Menschen mitverfolgt habe. "Manchmal ließ mein Vater den Pinsel Monate lang ruhen, bis er die Kraft hatte, weiterzumalen", erzählte Hans Bender. Dass er auf den Gemälden vielen Soldaten keine Gesichter gab, habe der Maler gegenüber seinem Sohn so begründet: "Ein Mensch, der so gestraft wird, ist kein Mensch mehr." Erst viele Jahre nach dem Krieg habe Adolf Bender über das Erlebte in den Konzentrationslagern sprechen können. Das erlebte Grauen sei dort so groß gewesen, dass er die Bilder erst viel später habe malen können. Die auf zwei Etagen verteilten Ölgemälde auf Holz, Karton und Leinen sind Zeugnisse der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und zeigen den grauenvollen Umgang mit den Menschen in den Lagern. Adolf Bender war 1933 ins KZ Börgermoor gekommen. Er hatte, wie er aufzeichnete, "aus leichtsinniger Oppositionslust" mit Pinsel und schwarzer Farbe an Hitler-Plakaten mit ein paar Strichen dem strengen Männerkopf den Schnurrbart des Kaisers Wilhelm II. nach oben gemalt. gtrÖffnungszeiten: Montag bis Freitag von neun bis 16 Uhr. Eintritt: Erwachsene zwei Euro, ermäßigt ein Euro, Gruppen nach Vereinbarung. Informationen: Telefon (06851) 8 18 02.

Zur personAdolf Bender wurde am 4. April 1903 in Mainz geboren, besuchte 1917 die Kunst- und Gewerbeschule, war ab 1920 Mitglied im Künstlerbund. Er flüchtete 1933 nach Frankreich wegen drohender Verhaftung durch die Nationalsozialisten. Nach Mainz zurückgekehrt, wurde er im Oktober verhaftet und ins Konzentrationslager Börgermoor gebracht. 1936 wurde er aus dem KZ entlassen, 1941 zur Wehrmacht einberufen. Nach der Kriegsgefangenschaft kam er 1946 nach St. Wendel, gründete 1985 das Adolf-Bender-Zentrum. 1986 wurden ihm der Mia-Münster-Preis der Stadt St. Wendel und 1988 der Saarländische Verdienstordens verliehen. Adolf Bender starb am 2. April 1997. gtr