Mit Lampenfieber vor den AltarVor 60 Jahren war die Kirche St. Marien rappelvoll

Mit Lampenfieber vor den AltarVor 60 Jahren war die Kirche St. Marien rappelvoll

Quierschied. Im Wohnzimmer von Sebastian Barbians Elternhaus war schon die große Tafel aufgebaut. Mit Platz für etwa 20 Personen. "Wir feiern zu Hause", erklärten Mama Claudia und Papa Joachim. Und während Sebastian in seinen Kommunionanzug schlüpfte, verriet die Mama: "Das Essen lassen wir von einem Party-Service kommen

Quierschied. Im Wohnzimmer von Sebastian Barbians Elternhaus war schon die große Tafel aufgebaut. Mit Platz für etwa 20 Personen. "Wir feiern zu Hause", erklärten Mama Claudia und Papa Joachim. Und während Sebastian in seinen Kommunionanzug schlüpfte, verriet die Mama: "Das Essen lassen wir von einem Party-Service kommen." Bei der Zusammenstellung habe auch Sebastian helfen dürfen. So seien auf seinen Wunsch in der traditionellen Rindfleischsuppe Buchstaben drin. "Das ist der Anzug von Sebastians großem Bruder Nicolas", erzählte Claudia, als Sebastian das Teil stolz zusammen mit seiner Kommunionkerze präsentierte.Als Nicolas vor vier Jahren zur Kommunion gegangen sei, habe Sebastian erklärt, dass auch er diesen Anzug bei seiner Kommunion tragen wolle. Hemd und Krawatte seien neu, die "war er mit Oma und Opa kaufen". Er freut sich riesig auf den Sonntag, gestand der pfiffige Neunjährige im Vorfeld, verriet aber auch: "Ich bin schon ein bisschen nervös, ob auch in der Kirche alles klappt, was wir geübt haben." Vor allem aber sei er stolz darauf, den Leib Christi zu empfangen. Sebastian: "Ich bin gespannt, was dann in mir passiert."

Er freue sich aber nicht nur auf "die schöne Messe", sondern auch auf die große Feier danach. "Da kommen viele Gäste", erklärte der Neunjährige und sagte lachend: "Dann gibt es auch viele Geschenke." Für seine Erstkommunion wünschte er sich Geld. "Ich spare für ein Schlagzeug und für einen I-Pod", so Sebastian. Er besucht die dritte Klasse der Lasbachschule. Seine Lieblingsfächer sind Mathe und Sport sowie Kunst. Auch Musik mag er. Sebastian geht in die Musikschule Sulzbach-/Fischbachtal und lernt dort Gitarre.

Die Vorbereitungen für seinen großen Tag machte Sebastian in der Gruppe seiner Mutter Claudia: Sie war seine Katechetin. Knapp ein halbes Jahr dauerte die Vorbereitung. "Es hat großen Spaß gemacht. Wir haben viel über das Leben und Wirken von Jesus Christus erfahren", meinte Sebastian und erzählte munter weiter: "Wir haben aber nicht nur gelernt, sondern wir haben auch Ausflüge gemacht. Wir waren in der Kerzen-Fabrik in St. Wendel, im Missionshaus der Steyler Missionare und haben auf dem Martinshof gegessen." Besonders spannend fand Sebastian seine erste Beichte. "Auch darauf haben wir uns ganz intensiv vorbereitet", erzählte er noch ganz schnell, bevor er sich wieder umziehen musste. Mit Mama Claudia musste er noch zur Kirche. Die letzte Probe stand bevor.

Gestern war bei der Familie Barbian einiges los. Nach der Feier der Erstkommunion kam die ganze Familie zusammen. Heute wird wieder gefeiert. Freunde, Bekannte und Nachbarn kommen zu Besuch. Sehr zur Freude von Sebastian. Wie sagte er doch am vorigen Freitag: "Es ist cool, dass ich auch noch am Montag freihabe." Quierschied. So ganz genau kann sich Gerd Nix nicht mehr an den Tag seiner Heiligen Erstkommunion erinnern. Kein Wunder: Schließlich ist das schon 60 Jahre her. Eines weiß er aber noch gut: "Wir waren damals etwa 120 Kinder, die zur Erstkommunion gegangen sind. Die Kirche war rappelvoll, und die Messe hat fast drei Stunden gedauert." "Das war viel zu lange, vor allem für uns Kinder", fügt er schmunzelnd an. Gefeiert wurde zu Hause. Das sei damals so üblich gewesen. "Der Jahrgang 44 war mit 170 Kindern sehr geburtenstark", blickt Nix zurück. Die Kommunionvorbereitungen mit Pastor Josef Gerhardus seien damals sehr streng gewesen, kann er sich noch erinnern. "Wir mussten viel auswendig lernen und die Eltern waren nicht eingebunden", so Nix. Die Uhr, das traditionelle Geschenk zur Erstkommunion, erhielt er von seiner Patentante. "Mein Patenonkel war im Krieg gefallen", erklärt der heute 69-Jährige. Gerd Nix, Jahrgang 1944, der damals in der katholischen Pfarrei St. Marien in Quierschied zum ersten Mal die Heilige Kommunion empfing, hatte für vergangenen Samstag den 60. Jahrestag mit zwei Bekannten organisiert. "51 Frauen und Männer haben zugesagt", freut er sich im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Nach Angaben von Gerd Nix treffen sich die Frauen und Männer des Jahrgangs 44 mindestens zweimal im Jahr, jeweils im Frühjahr und Herbst, wenn die Uhr umgestellt wird. Dann gibt es eine Wanderung und ein gemeinsames Essen.

Die Messe zum 60. Jahrestag der Erstkommunion fand in der Pfarrkirche St. Paul statt. Anschließend wurde dann im Restaurant Da Nico am Schwimmbad gefeiert. Dabei waren immerhin noch 47 Kommunionjubilare. Unter ihnen war auch Nix Ehefrau Irmgard. Sie ging ebenfalls 1953 zur Erstkommunion, allerdings in Schlesien.

  • Dankamt für Kommunionjubilare
  • Eine Feier mit mindestens 100 Leuten
  • Vorbereitungen für die Erstkommunion beginnen bald
Sie sind vor 60 Jahren zur Erstkommunion gegangen und trafen sich am Samstag vor der Kirche St. Paul in Quierschied. Foto: Thomas Seeber.

Auch Bernd Kipper und Gattin Ilse, die Großeltern von Kommunionkind Sebastian Barbian, waren bei der Gesellschaft dabei. "Es waren eine wunderschöne Messe und eine gelungene Feier, die bis nach Mitternacht gedauert hat", erklärte Gerd Nix gestern Nachmittag. Einige hatten anlässlich des Jahrestages ihre alten Kommunionbilder herausgesucht und mitgebracht. "Wir hatten großen Spaß, und es gab viel zu erzählen." ll

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