Mit Gelassenheit zur Weltmeisterschaft

Illingen. Verena Jochum kann keiner Fliege etwas zuleide tun - zumindest macht sie diesen Eindruck: Die 18-Jährige sitzt im Restaurant Luise in St. Wendel und nippt lächelnd an ihrer Cola Light. Doch der Schein trügt. Jochum kann auch anders. Ganz anders. Die Elfklässlerin des Wendalinum-Gymnasiums in St

Illingen. Verena Jochum kann keiner Fliege etwas zuleide tun - zumindest macht sie diesen Eindruck: Die 18-Jährige sitzt im Restaurant Luise in St. Wendel und nippt lächelnd an ihrer Cola Light. Doch der Schein trügt. Jochum kann auch anders. Ganz anders. Die Elfklässlerin des Wendalinum-Gymnasiums in St. Wendel ist Kickboxerin mit Leib und Seele - und hat sich für die Weltmeisterschaften in Orlando (Florida) vom 22. bis 29. September qualifiziert. "Ich hatte mir schon zum Ziel gesetzt, irgendwann auf so ein riesiges Turnier zu kommen. Aber dass es gleich jetzt funktioniert, hätte ich nicht gedacht", gesteht die Schülerin.Das Ticket für die WM in Übersee sicherte sich Jochum bei den deutschen Meisterschaften Ende Juni. 1150 Sportler waren in Simmern am Start. Die Welschbacherin setzte sie sich bei den Juniorinnen bis 60 Kilogramm gegen zehn Konkurrentinnen durch - und das bei ihrer ersten Teilnahme an einem Wettbewerb der "World Kickboxing- and Karate-Association (WKA)", dem größten Kickbox-Verband weltweit. "Ich bin relativ entspannt hingefahren und wollte nur mal gucken, wie gut ich bin", erklärt Jochum grinsend. Sie war gut. Sie war sogar sehr gut. "Erst im Finale habe ich mir gedacht: Hey, ich kann das Ding hier ja gewinnen", erzählt die deutsche Meisterin rückblickend. Und genau wie bei den Duellen zuvor, zeigte sie auch im Endkampf keine Nerven. Nach einer starken Leistung siegte sie überraschend deutlich. Eine weitere Überraschung folgte prompt. "Ich habe erst danach erfahren, dass ich mich für die WM in den USA qualifiziert habe. Das wusste ich überhaupt nicht."

Dass sie Kampfsport betreiben will, wusste sie dagegen schon früh. Mit fünf Jahren stand Jochum das erste Mal in der Halle. "Mein Vater meinte, es könnte nicht schaden, wenn meine Schwester Aline und ich einen Selbstverteidigungskurs besuchen würden", blickt die Trägerin des dritten Dan zurück. Gut erinnern kann sie sich auch an ihren ersten Kampf vor zehn Jahren: "Ich war so voller Motivation und Adrenalin. Nach 30 Sekunden war meine Gegnerin fertig und der Trainer warf das Handtuch."

Mittlerweile hat sie ein paar Kämpfe mehr auf dem Buckel und fiebert der WM entgegen. Doch die Teilnahme geriet Anfang August noch einmal in Gefahr - dreifacher Bänderriss im rechten Sprunggelenk. Trainingsunfall? Kampfverletzung? "Nein, ich bin völlig unspektakulär beim Spazieren umgeknickt." Sofort kam sie ins Krankenhaus und wurde operiert - nur drei Wochen später trainierte sie wieder im Kampfkunstzentrum Saar in Marpingen. "Es geht schon ganz gut. Ich hoffe, es beeinflusst mich nicht bei der WM", sagt das Nationalmannschaftsmitglied.

Bei der größten Kickbox-Veranstaltung weltweit will sie sich schließlich in Top-Form präsentieren. "Ich gehe entspannt hin", meint Jochum. Die gleiche Einstellung wie bei der DM - und wie die ausging, ist ja bekannt. hej