1. Saarland

Mit Disziplin und Spaß der Zukunft entgegen

Mit Disziplin und Spaß der Zukunft entgegen

Marpingen. Die 20-jährige Denise Schnur sitzt kurz vor Beginn der wöchentlichen Probe mit frohem Gesicht vor ihrem Notenpult, greift zur Konzertflöte und wartet auf das Zeichen des Dirigenten zum Einsatz. "In unserem Spielmannszug stimmt die Atmosphäre, jeder versteht sich mit jedem

Marpingen. Die 20-jährige Denise Schnur sitzt kurz vor Beginn der wöchentlichen Probe mit frohem Gesicht vor ihrem Notenpult, greift zur Konzertflöte und wartet auf das Zeichen des Dirigenten zum Einsatz. "In unserem Spielmannszug stimmt die Atmosphäre, jeder versteht sich mit jedem. Und es macht immer wieder Spaß, neue Stücke zu lernen", sagt die junge Dame, die seit mehr als zehn Jahren in dem Orchester spielt. An diesem Abend ist der größte Teil der 44 Musiker in die kleine Turnhalle der Gesamtschule gekommen. Unter ihnen ist auch der Vereinsvorsitzende Andreas Huber, der selbst ein Instrument spielt. Er erzählt, dass der Marpinger Spielmannszug während der gerade zu Ende gegangenen Fastnachtszeit ein heiß begehrter Klangkörper gewesen sei. Außer dem Rosenmontagszug in der Alstalmetropole hätten auch Wemmetsweiler und Lebach auf dem Besuchsprogramm gestanden. Unter den für dieses Jahr geplanten Auftritten sei einer in Speyer vorgesehen. Tradition haben seit Jahren die Teilnahmen an Veranstaltungen der Feuerwehr und des Katholischen Bergmannsvereins."Wir haben ein Durchschnittsalter von unter 20 Jahren", erzählt der Vereinschef und zeigt, dass er nicht wenig stolz auf seine vielen jungen Musiker ist. "Und wir haben noch ein Schülerorchester, das ab und zu im Dorf auftritt, zum Beispiel im Seniorenheim." Viele junge Leute interessieren sich in Marpingen und Umgebung für die Musik im Spielmannszug. Einige Fachleute des Vereins bilden die Jugendlichen an den Instrumenten selbst aus. Um Nachwuchs wird in den Schulen geworben, fast immer mit großem Erfolg. Die intensive Jugendarbeit hat sich in all den Jahren stets ausgezahlt. Den jungen Leuten wird neben der Musik zusätzlich viel Interessantes geboten, zum Beispiel Zeltlager, Reiterferien und Ausflugsfahrten.

In der Besetzung mit Konzertflöten, Spielmannsflöten, zwei Trompeten und verschiedenem Schlagwerk spielt der Spielmannszug ganz verschiedenartige Literatur. "Sie ist breit gefächert und reicht von den traditionellen Märschen bis zu Melodien aus Musicals, um sie bei den verschiedenartigen öffentlichen Auftritten darzustellen", erzählt Andreas Huber. Dirigent Eberhard Schnur schwingt seit elf Jahren den Taktstock. "Bei uns herrscht eine gute Disziplin und es gibt einen sehr zufrieden stellenden Probenbesuch", sagte der Orchesterleiter im Gespräch mit der SZ. Bald beginnt er mit den Proben für das Wertungsspielen des Bundes Saarländischer Musikvereine. "Eingeübt werden müssen ein Pflichtstück und ein Stück nach freier Wahl." Michael Gißler, 14, ist ebenfalls ein junger Musiker im Marpinger Spielmannszug. Seit fünf Jahren ist er als Schlagzeuger dabei. Ein regelmäßiger Probenbesuch ist dem Jungen eine heilige Pflicht. "Es wird nicht geschwänzt", versichert er glaubhaft, weil, wie er durchschauen ließ, er immer besser werden will.

Hintergrund

Zur Geschichte des Marpinger Spielmannszuges: Es waren Männer des Gesangvereins, welche im Jahre 1907 den Spielmannszug aus der Taufe hoben. Mit Trommeln und Pfeifen bildete sich eine Musikergruppe, die bei der Bevölkerung viel Anklang fand. Der Erste Weltkrieg unterband jedoch die weitere Entwicklung. 1922 kam Kaplan Alois Jores nach Marpingen und hauchte dem Spielmannszug über den Jungmännerverein neues Leben ein. Auf selbst gebastelten Trommeln aus Sperrholz und Pfeifen lernten die jungen Leute die Lieder. Kaplan Anton Kirstein führte ab 1957 das Erbe seines Vorgängers weiter und gewann eine große Zahl junger Mitglieder hinzu. Der Spielmannszug überstand auch den Sturm des Dritten Reiches und lebte 1952 auf die Initiative von Willi Langendörfer und Heinrich Thurnes wieder auf. In den folgenden Jahren wurde der Musikzug immer weiter ausgebaut und durch einen Fanfarenzug ergänzt, der heute allerdings nicht mehr existiert. gtr