1. Saarland

Mit dicken Backen zum inoffiziellen Weltrekord

Mit dicken Backen zum inoffiziellen Weltrekord

Die bisher einmalige Blasorchesterkolonne maß 164 Meter und musizierte auf dem Bostalsee. Der Weltrekordversuch „Operation Seeschlange“ beim Brassmania-Blasmusikfestival glückte. Ob die Aktion in London für den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde angemeldet wird, ist noch offen.

 Vor dem Start herrschte gute Stimmung in den Booten. Fotos: B&K
Vor dem Start herrschte gute Stimmung in den Booten. Fotos: B&K

So viele Menschen auf einmal mit dicken Backen wie am Samstag hat man vor dem Bootssteg am Bostalsee noch nie angetroffen. Sie blasen in ihre Blechinstrumente, was das Zeug hält. Musiker internationaler Herkunft sind in Vorfreude, schließlich wollen sie mitspielen, um einen Weltrekordversuch zu starten. Eine möglichst lange Blasorchesterschlange, die auf dem Bostalsee musiziert, soll gebildet werden. 204 Musiker melden sich schriftlich an. Zu viel. Die 35 zur Verfügung stehenden Tretboote dürfen nur mit je vier Bläsern bestückt werden. Ein paar Schlauchboote schließen sich dem Konvoi an, es sind 41 Boote, die miteinander zur Seeschlange verbunden werden. "Pro Tretboot gehe ich von einem Gewicht von etwa 500 Kilogramm aus", erklärt Christian Hornetz von Technischen Hilfswerk (THW) aus Nohfelden. Der DLRG-Schleppkahn zieht vorsichtig an, die Gesamtlänge der Seeschlange beträgt 164 Meter. Die Musiker auf der Wasseroberfläche blasen wiederholt die Backen auf und intonieren gemeinsam die drei eigens für diesen Anlass komponierten Titel, wie den Brassmania-Marsch, Am-Seehafen-Polka und die Seeschlangen -Polka, deren Noten bereits 1400 Mal im Internet runtergeladen wurden. Das Deck von Solarboot Bosi bildet dazu das Dirigentenpult, dort spielt der Musikverein Tillmitsch aus der Süd-Steiermark.

"Die Kommandos zu den Einsätzen waren wegen der Entfernung schwer zu verstehen", schildert der Otzenhauser Michael Ludwig seine Eindrücke im Tretboot. Neben den in der Sonne goldglänzenden Instrumenten fällt das weiße Sousaphon des Niederländers Jacques Bocken sofort auf. Er hat im heimischen Radio den Aufruf zur Teilnahme am Weltrekordversuch von Brassmania-Organisator Cornel Hahnenberg gehört. "Ich habe sofort zu meiner Frau gesagt, da fahren wir hin", schildert der Kurzurlauber aus Maasniel bei Roermond, der sich in Güdesweiler einquartiert hat. "Musik machen kann man überall, es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht."

Etwa 200 Landratten musizieren an der Seepromenade. "Über 300 Musiker waren bestimmt bei der Aktion dabei", schätzt Hahnenberg. Wegen des Wetters war er zwei Stunden zuvor skeptisch, ob die Aktion realisiert werden kann. "Der Weltrekordversuch hat toll geklappt. Die Aktion sollte viele Musiker zusammenführen, und so wird das erste Brassmania-Festival allen nachhaltig in Erinnerung bleiben", freut sich der Organisator. Zur Anerkennung müsste die Aktion "Operation Seeschlange" beim Landratsamt in St. Wendel beglaubigt und anschließend für den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde in London angemeldet werden. "Ob wir dies tun, haben wir aufgrund der diesbezüglichen Kosten noch nicht entschieden", teilt Hahnenberg mit. In dieser Disziplin gebe es keine Konkurrenten.

Übrigens: Beim größten deutschen Brass- und Blasmusikfestival Brassmania traten an vier Tagen 36 Bands auf. > : Weiterer Bericht