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Mit der Sonne ist zu rechnenDie Sonnenenergie kann von jedem genutzt werden

Mit der Sonne ist zu rechnenDie Sonnenenergie kann von jedem genutzt werden

St. Wendel. "Rentiert es sich, wenn ich das Dach meines Hauses mit Solarzellen versehe? Welche Kosten kommen auf mich zu? Was kann ich verdienen? Ist mein Hausdach überhaupt geeignet?" Diese Fragen haben sich wohl viele Gebäudebesitzer im St. Wendeler Land gestellt. Nun erhalten sie kostenlos Antworten. Und dies unabhängig von Firmen, die Solarkollektoren verkaufen und einbauen

St. Wendel. "Rentiert es sich, wenn ich das Dach meines Hauses mit Solarzellen versehe? Welche Kosten kommen auf mich zu? Was kann ich verdienen? Ist mein Hausdach überhaupt geeignet?" Diese Fragen haben sich wohl viele Gebäudebesitzer im St. Wendeler Land gestellt. Nun erhalten sie kostenlos Antworten. Und dies unabhängig von Firmen, die Solarkollektoren verkaufen und einbauen.Seit Mittwoch ist das Solarkataster des Landkreises St. Wendel im Internet freigeschaltet, gibt es detaillierte Informationen in den jeweiligen Rathäusern. Als zweiter Landkreis im Saarland nach Saarlouis verfügt das St. Wendeler Land über ein solches Kataster. Umweltministerin Simone Peter und Landrat Udo Recktenwald stellten dieses am Dienstag im Unternehmer- und Technologiezentrum St. Wendel vor.

Das Solarkataster hat das Steinbeis-Transferzentrum im Auftrag der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land und mit Unterstützung der Kulturlandschaftsinitiative erstellt. Es hat 62 0000 Euro gekostet, 80 Prozent davon kommen aus Mitteln des Landes und der Europäischen Union.

Manfred Stolzenburg vom Steinbeis-Transferzentrum erklärte, wie die Daten gewonnen wurden. Aus einem Flugzeug heraus hat ein Laser alle Dächer der Region abgetastet. Die gewonnenen Daten wurden mit Grundrissplänen verglichen und die geeigneten Dachflächen ermittelt. Dabei sind auch Informationen über die Sonneneinstrahlung im Jahresverlauf und die Beschattung eingeflossen. 53 056 Gebäude hat das Transferzentrum untersucht, 74 Prozent von ihnen, also 39 006 sind laut Stolzenburg für Solaranlagen geeignet. Dies entspreche einer Fläche von drei Millionen Quadratmeter und einer Leistung von 381 000 Megawattstunden Strom im Jahr. Das entspricht 280 Prozent des Strombedarfes der privaten Haushalte in der Region. Damit könnte man 225 400 Tonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen. Um die Anlagen zu bauen, müsste man insgesamt 1,23 Milliarden Euro in die Hand nehmen.

Der große Vorteil des Solarkatasters liegt nun darin, dass jeder Gebäudebesitzer im Landkreis detailliert erfahren kann, ob seine Dachfläche für einen Sonnenkollektor zur Stromerzeugung oder Warmwassernutzung geeignet ist. Damit nicht genug, in wenigen Schritten kann man sich auch die Wirtschaftlichkeit der privaten Investition berechnen lassen. Ausgestattet mit diesen Fakten, so die Idee, lässt man sich dann Angebote von Fachunternehmen erstellen, die solche Anlagen bauen. "Das ganze System funktioniert anbieterunabhängig, Details gibt es bei den Kommunen. Jeder Hausbesitzer kann sich selbst über seine Daten informieren", beurteilt Hans-Josef Scholl, Wirtschaftsförderer des Landkreises, das Solarkataster als wichtige Entscheidungshilfe.

Eine wichtige Informationsquelle über das Solarkataster sollen die Internet-Portale der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und des Landkreises werden. Allerdings darf aus Datenschutzgründen im Internet nur die grundsätzliche Eignung der Dächer ersichtlich sein. Und diese Funktion wird erst in vier Wochen ab dem 8. Juni aktiviert, ebenfalls wegen des Datenschutzes. Grundsätzlich hat jeder Hauseigentümer ein Widerspruchsrecht, dass die Eignung seiner Dachfläche überhaupt veröffentlich wird.

Wer sich im Detail informieren will, der erhält genauere Daten im Rathaus seiner Heimatgemeinde. In jeder Gemeinde ist ein Mitarbeiter eigens für das Thema Solarkataster geschult worden. Diese Daten kann dann jeder Interessent in einen Wirtschaftlichkeitsrechner eingeben, der auf den beiden Internetportalen zu finden ist.

wfg-wnd.de

landkreis-st-wendel.de

St. Wendel. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist für den St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald ein wichtiges wirtschaftspolitisches Thema. Ökologie und Ökonomie gehören nach seiner Meinung zusammen. "Null-Emission durch ländlichen Energiemix", sei das visionäre Ziel des Landkreises. Das Solarkataster ist für ihn ein wichtiger Baustein auf diesem Weg. In der Nutzung der Sonnenenergie sieht Recktenwald ein großes Potenzial: "Ich bin gespannt, wie die Bürger mit diesen Informationen umgehen." Recktenwald warb auch um Akzeptanz für die erneuerbaren Energien: "Wenn wir es ernst meinen, müssen wir das Potenzial nutzen."

Damit rennt der Landrat bei der saarländischen Umweltministerin Simone Peter offene Türen ein. "Wir sind ein sonnenverwöhntes Land", sagte sie mit Blick auf die Sonnenscheindauer in der Region im bundesweiten Vergleich. Die Solarenergie habe einen großen Vorteil: "Sie kann von jedem genutzt werden".

Ziel im Saarland sei es, bis zum Jahr 2020 zwanzig Prozent des Strombedarfes über erneuerbare Energien zu gewinnen. Dabei spielt der ländliche Raum als zukünftiger Energieversorger nach ihrer Ansicht eine große Rolle. vf

Meinung

Kosten und Nutzen im Blick

Von SZ-RedakteurVolker Fuchs

Das Solarkataster ist ein guter Service für die Bürger. Jeder Hausbesitzer kann sich nun unabhängig informieren, ob sein Dach überhaupt für die Nutzung von Sonnenkollektoren geeignet ist. Er kann die Wirtschaftlichkeit ausrechnen. Und dann seine Entscheidung fällen und sich einen Handwerker suchen. Einfach prima.

Auf einen Blick

Das Solarkataster des Landkreises enthält flächendeckend die Informationen über alle Hausdächer mit zwei Ausnahmen. Noch nicht zur Verfügung stehen Daten von Kastel und Otzenhausen. Weil in diesen beiden Orten Flurbereinigungsverfahren laufen, konnte das Landeskatasteramt dem Steinbeis-Transferzentrum keine aktuellen Pläne zur Verfügung stellen. Die aber sind notwendig, um die Lasercann-Informationen abzugleichen. vf

Hintergrund

Sie setzen auf Sonnenenergie, von links: Simone Peter, Udo Recktenwald, Manfred Stolzenburg und Hans-Josef Scholl. Foto: B&K

Für die Nutzung der Sonnenenergie auf Hausdächern gibt es zwei Möglichkeiten: Photovoltaikanlagen, die Strom erzeugen. Der Hausbesitzer erhält einen festgelegten Preis pro Kilowattstunde. Die Wirtschaftlichkeit lässt sich gut berechnen. Zum zweiten die Nutzung für Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ist wegen der unterschiedlichen Einsparung bei den Heizkosten schwierig. vf