1. Saarland

Mit dem Fernseher kam das Aus

Mit dem Fernseher kam das Aus

Nohfelden. Das Bräustübel war vor dem Jahr 1900 als Gasthaus Heinrich Dingfelder bekannt. Im Hinterhof wurde um 1930 von der Familie Kunz ein Saal gebaut, in dem Kirmes gefeiert oder getanzt wurde. Während des Krieges war hier ein Wehrmachtslager untergebracht, bevor die Amerikaner in Nohfelden einzogen, wurde es von der Bevölkerung geräumt. Jeder nahm soviel mit, wie er tragen konnte

Nohfelden. Das Bräustübel war vor dem Jahr 1900 als Gasthaus Heinrich Dingfelder bekannt. Im Hinterhof wurde um 1930 von der Familie Kunz ein Saal gebaut, in dem Kirmes gefeiert oder getanzt wurde. Während des Krieges war hier ein Wehrmachtslager untergebracht, bevor die Amerikaner in Nohfelden einzogen, wurde es von der Bevölkerung geräumt. Jeder nahm soviel mit, wie er tragen konnte.Nach den langen und entbehrungsreichen Kriegsjahren waren auch die Nohfelder kulturell ausgehungert. Mit der Genehmigung der Besatzungsmacht sorgte August Drumm für Abwechslung. Er stellte ein Ensemble zusammen, führte Regie und die Operette "Die Winzerliesel" feierte Premiere im Bräustübel. Es gab ein hervorragendes Echo und die Operette wurde noch zehn Mal vor vollem Saal wiederholt. Das Publikum kam nicht nur aus den Saarland, sondern auch aus den Kreisen Birkenfeld und Oberstein. Durch den großem Erfolg angespornt wurde der "Freischütz" inszeniert. Dann gestaltete August Drumm Wunschkonzerte. Ausgelassen wurde die Fastnacht im Saal des Bräustübels mit Prinz, Prinzessin und Elferrat gefeiert. Im jahr 1948 übernahm Familie Dausend das Bräustübel und den Kinosaal. Dieser wurde rot gestrichen und zur Premiere lief der Film "Paganini". Es war das erste Kino weit und breit. Lange Schlangen bildeten sich vor der Kasse. Die Besucher kamen mit dem Zug aus Freisen und Oberkirchen sowie mit dem Bus aus Bosen, Gonnesweiler, ganze Prozessionen aus Mosberg und Wolfersweiler. Die restlichen Besucher, die keinen Platz im Saal bekamen, vergnügten sich im Bräustübel, das seine Glanzzeiten erlebte.

"Nur für Erwachsene"

Der Film begann mit der Wochenschau, die jede Woche neue politische wie gesellschaftliche Ereignisse zeigte. Es gab noch kein Fernsehen und jeder war froh, Neuigkeiten auf der großen Leinwand zu erfahren. Im Saarland waren eine Reihe von Filmen nur "Jugendfrei ab 18"und die Einhaltung wurde auch öfters durch Polizeikontrollen überwacht. So waren die Beamten beispielsweise nach der Spätvorstellung präsent und die Eltern erhielten einen Strafzettel ins Haus und erfuhren, dass ihr "Früchten" sich erlaubt hatte, sich einen verbotenen Film anzusehen, in dem wahrscheinlich ein nacktes Frauenknie gezeigt wurde.

1957 übernahmen Irmgard und Ernst Müller das Bräustübel mit dem Kino. Als Eröffnung lief der Klassiker: "Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin". Inzwischen war auch in Gonnesweiler ein Filmspielhaus. Gäste aus Freisen und Oberkirchen kamen schon lange nicht mehr. Der Kinobesuch wurde weniger, Ernst Müller kaufte mobile Projektoren und bot nun auch in Wolfersweiler und Hirstein Filmabende an.

Allmählich war in fast jedem zweiten Haushalt ein eigener Fernseher, was die Kinos zu spüren bekamen. Das große Kinosterben verschonte auch Nohfelden nicht. Die Familie Ernst Müller verließ 1961 Nohfelden und zog wieder nach Wolfersweiler ins Elternhaus zurück. Dort befinden sich die Projektoren noch immer auf dem Speicher, als Erinnerung an die gute alte Kinozeit. Das Braustübel wurde danach an die Familie "Pepsie" und später Glöckner vermietet, dann stand es leer und musste später dem Hotel Burghof weichen. red

Übrigens: Geschichten über ehemalige Kinos im Landkreis St. Wendel haben viele Nutzer des sozialen Netzwerkes Facebook angestoßen. Dort ist die St. Wendeler Zeitung mit einer eigenen Seite vertreten und erfreut sich großen Zuspruchs.

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