1. Saarland

Mit dem Center in die Zukunft

Mit dem Center in die Zukunft

Homburg. Es war nicht die erste öffentliche Diskussion in Homburg zur geplanten Geschäftsbebauung auf dem Enklerplatz, aber es war die bisher am besten besuchte

Homburg. Es war nicht die erste öffentliche Diskussion in Homburg zur geplanten Geschäftsbebauung auf dem Enklerplatz, aber es war die bisher am besten besuchte. Interessierte Bürger drängten sich in den Eingangsbereich, als drinnen im Saal Vertreter der Stadtratsfraktionen von CDU und SPD Informationen zu diesem Mammutprojekt gaben und zwei Stunden lang ausführlich mit den Anwesenden diskutierten. Der Moderator des Abends, der frühere SR-Journalist Helmut Hofmann, fasste es in Worte: "Eine Bürgerversammlung in dieser Konstellation hat es in Homburg bislang nicht gegeben." Er meinte damit, dass die beiden großen Parteien gemeinsam eingeladen haben und sprach vom Modell "Homburg 25".Die beiden Fraktionsvorsitzenden Christian Gläser (CDU) und Hans Felden (SPD) machten zu Beginn noch einmal deutlich, warum ihre Parteien dazu entschlossen sind, die Einkaufsgalerie zu bauen. Gläser: "Seit zehn Jahren sind wir dabei, die Innenstadt gegenüber der grünen Wiese zu stärken. Wir brauchen deshalb großflächigen Einzelhandel in der City." Eine Chance wie diese komme nur alle 20 Jahre. Bisher seien immer nur Homburger Einzelhändler zu Wort gekommen, "die Kunden wurden nicht gefragt". Gläser forderte, dass sich Homburg nicht weiterhin unter Wert verkaufen möge: "Wir brauchen gemeinsame Öffnungszeiten, ein gemeinsames Stadtmarketing, eine Leistungsschau, Kindertagesstätten und die Aufwertung des Schlossberges."

Hans Felden (SPD) verwies darauf, dass in der Stadt viel Kaufkraft generiert werde, die allerdings in die Nachbarstädte abfließe, "wo viele Homburger einkaufen". Er bezeichnete beispielsweise das Zweibrücker Vorhaben auf der Truppacher Höhe mit weit über 100 000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche als Bedrohung für Homburg. "Wir haben in der Vergangenheit vieles versucht, beispielsweise auf dem Vauban Carree, aber diese Fläche ist für Investoren einfach zu klein." Schaue man die kommenden 20 Jahre zu, veröde die Innenstadt weiter.

Aus der Zuhörerschaft wurden - auch von Vertretern der Initiative "Pro Homburg" - kritische Fragen gestellt, so zum Beispiel, ob die Größe des geplanten Centers der bestehenden Innenstadt nicht schaden werde, oder aber warum ein Gutachter heute eine größere Ansiedlung vorschlage als noch vor sechs Jahren. Kulturbeigeordneter Raimund Konrad versprach der Kaufmannschaft, dass die Stadt mit weiteren Veranstaltungen in der Innen- und der Altstadt die Attraktivität in der City weiter steigern wolle. Gläser ergänzte, dass die Gewerbetreibenden selbst aber auch Flagge zeigen müssten. "Wenn wir durch ECE den Trend zur grünen Wiese verhindern können, verhindern wir auch den Niedergang der Innenstadt." Hans Felden versprach, dass Peek & Cloppenburg und H & M in der Innenstadt bleiben werden. Man werde durch begleitende Maßnahmen weiter helfend eingreifen. "Es muss Bewegung in die City kommen."

Ein Zuhörer wollte wissen, warum das zweite Gutachten noch nicht vorgestellt worden sei. Oberbürgermeister Karlheinz Schöner versprach nach Ablauf des mit dem Ministerium vereinbarten Verfahrens und der damit verbundenen Prüfung des Gutachtens durch einen externen Fachmann, die Ergebnisse schnellstens zu präsentieren - "das könnte schon Ende Februar der Fall sein".

Aber es gab an diesem Abend nicht nur Kritik, sondern auch viel Zustimmung für das Vorhaben. Vor allem Jüngere forderten die Ansiedlung. Homburg sei Uni- und Ausbildungsstadt. Für junge Leute sei es wichtig, hier einkaufen zu können. "Jeder, der dagegen ist, soll mit Zahlen belegen, dass das Center Homburg mehr schadet als nützt." Ein Anderer meinte, dass vielen jungen Leuten das Geld fehle, um in Nachbarstädten zum Einkaufen zu fahren. Beigeordneter Gerhard Wagner hierzu: "Ich hoffe, dass im ECE viele Läden für die Jugend entstehen. Davon fehlen derzeit einige in Homburg." Markus Uhl ergänzte, dass man im Zuge des demografischen Wandels auch an die ältere Generation denken müsse und forderte ein Einkaufsangebot der kurzen Wege - ohne Barrieren.

Ein Erbacher Geschäftsmann wies darauf hin, dass der Internethandel immer mehr zunehme. "Nur durch eine Stärkung des Innenstadtsortiments können wir dem entgegenwirken. Kleine Center schwächen uns nur", widersprach er denen, die eine Galerie mit höchstens 12 000 Quadratmetern fordern. Ein anderer Geschäftsmann sagte: "Wir brauchen einen Magneten: Jeder, der dagegen ist, ist gegen Homburg."

Wilfried Bohn (SPD): "Die Stadt ist gut beraten zu schauen, wo sie herkommt." Geschichtlich sei einiges geschehen in letzter Zeit. "Aber wir dürfen uns auch die Zukunft nicht versperren." Stillstand bedeute Rückschritt. Ein Redner warnte vor dem Beispiel Zweibrücken. Dort sei in den vergangenen 30 Jahren zu wenig für die City getan worden - "jetzt ist sie tot".

Auf einen Blick

Die Podiumsteilnehmer: Fraktionschef Christian Gläser, Kulturbeigeordneter Raimund Konrad, Fraktionsgeschäftsführer Markus Uhl (alle CDU), Fraktionschef Hans Felden, Sportbeigeordneter Gerhard Wagner, stellvertretender Wilfried Bohn (alle SPD). Es moderierte der Journalist Helmut Hofmann. pn