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Mit Axt und Hippe in den Niederwald

Mit Axt und Hippe in den Niederwald

Am Samstag ist es soweit, nach fünf Jahren finden wieder die traditionellen Lohheckentage in Eiweiler auf dem Kuppen statt. Mitglieder der Interessensgemeinschaft Lohheckentage demonstrieren dabei, wie Bauern früher die Rinde gewonnen und verarbeitet haben.

Axt, Hippe und Lohschleisser waren früher die wichtigsten Arbeitsgeräte der Bauern um Loh zu machen. Die Eiweiler packen diese alten Werkzeuge jetzt wieder aus um auch der jungen Generation zu zeigen, wie ihre Großväter und Urgroßväter mit viel Mühe und Schweiß die kostbare Lohrinde gewonnen haben. "Wir veranstalten die Lohheckentage wegen des großen Aufwands nur alle fünf Jahre und jetzt ist es endlich wieder soweit," meinte Klaus Finkler, der Vorsitzende der "Interessensgemeinschaft Loheckentage Eiweiler". 13 Personen haben sich zusammengeschlossen um zu verhindern, dass die Arbeitsweise ganz in Vergessenheit gerät. "Bis 1956 haben die Bauern noch jährlich Loh gemacht und die Rinde an die Gerberei Jochum in Primstal weiterverkauft" erzählte Finkler. Für die Bauern war das Geschäft mit der Rinde sehr lohnenswert. Ein Bergmann verdiente 1890 bei einer zwölfstündigen Schicht gerade mal vier Mark, ein Zentner Eichenrinde brachte den Bauern bis zu 10 Mark ein. In Eiweiler verkauften die Lohheckenbesitzer jährlich etwa 400 bis 500 Zentner. Doch die Rinde zu schleißen war viel Arbeit, bei der oft die ganze Familie mithelfen musste.

Immer im Mai wenn der Saft voll in den Bäumen stand, zog es die Bauern in den Niederwald, der in Eiweiler als Lohhecke bezeichnet wird. Zuerst waren starke Männer gefragt, sie entasteten die dünnen Eichenstämme bis in eine Höhe von zwei Metern. Mit der Spitze des Lohschleisser schlitzen sie dann die Stämme auf. Nachdem die Bauern die Rinde mit einem Löffel abgelöst hatten, legten sie das kostbare Gut an einem freien Platz zum Trocknen aus. Erst dann fällten sie den Baum, schlugen die Äste der Krone ab und schälten auch diese komplett. Das Ablösen der Rinde an den dünnen Zweigen erforderte sehr viel Geschick. Diese Arbeit erledigten meist die Kinder, sie mussten dabei sehr vorsichtig sein und darauf achten, dass kein Stückchen Loh verloren ging. Aus der Rinde hat man eine Säure gewonnen, die man dann zum Gerben von Leder nutzte.

An den Lohheckentagen zeigen die Mitglieder der Interessensgemeinschaft wie die Jahrhunderte alte Form der Waldbewirtschaftung funktionierte. Das sogenannte Lohbett haben sie schon mal im Voraus aufgebaut und die Rinde auf dem Gestell zum Trocknen ausgelegt.

Umweltministerin Anke Rehlinger ist die Schirmherrin des Projektes und eröffnet die Lohheckentage an diesem Samstag, 25. Mai, um 15.30 Uhr. Dazu haben sich auch Landrat Udo Recktenwald und Bürgermeister Andreas Veit angekündigt. Ehrengäste sind die Männer, die 1987 zum ersten Mal die Lohheckentage veranstaltet haben und das Handwerk früher wirklich noch ausübten. Neben Demonstrationen der Lohrindengewinnung, gibt es zudem eine Ausstellung alter landwirtschaftlicher Geräte und Oldtimertraktoren. "Wir erwarten am Wochenende 600 bis 1000 Besucher. Das Ganze ist aber natürlich vom Wetter abhängig.

Der Montag ist dann Schulklassen vorbehalten," berichtet Klaus Finkler. Insgesamt 360 Kinder der dritten und vierten Klasse kommen um über die historische Niederwaldnutzung zu lernen. Doch auch die Natur soll den Schülern näher gebracht werden, Klaus Finkler meinte: "Den Kindern zeigen wir auch noch Fuchs- und Dachsbauten und erklären ihnen ein bisschen was über die Tiere unserer Heimat."

 Es wird gezeigt, wie die kostbare Lohrinde gewonnen wurde.
Es wird gezeigt, wie die kostbare Lohrinde gewonnen wurde.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Lohheckentage finden vom 25. Bis 27. Mai in Eiweiler "Auf dem Kuppen" oberhalb des Huf-Huf statt. Die Eröffnungsfeier beginnt am Samstag um 15.30 Uhr, am Sonntag geht es schon um zehn Uhr wieder weiter. Der Montag bleibt Schulklassen vorbehalten. Es werden zusätzliche Busse eingesetzt, welche die Schüler kostengünstig nach Eiweiler bringen. sara